Viele der auf dieser Internetseite beschriebenen Zusammenhänge sind einigen Lesern vielleicht unbekannt oder es wurde ihnen bisher Abweichendes gelehrt. Da es zu jeder theologischen Aussage scheinbar unendlich viele Meinungen gibt, die sich zum großen Teil widersprechen, ist eine Wahrheitsfindung nicht leicht.

Der Weg kann nur sein, sich Maßstäbe aufzustellen, an denen sich eine Auslegung messen lassen muss, die sich auf die Bibel bezieht. Schritt für Schritt kann man so Irrlehre von Gottes wirklichen Aussagen trennen. Wer sich der Aufgabe des Prüfens (1. Thess. 5,21) nicht entzieht, wird so auf Dauer nicht im Dunkeln bleiben, sondern die Wahrheit erkennen. Die Wahrheit aber verpflichtet zur Aufnahme; wo man sie ablehnt, weil sie nicht der Tradition entspricht oder weil man sie nicht gewöhnt ist, hat man sie verleugnet und wird sie eines Tages verlieren. Manche Wahrheit nehmen wir nicht auf, weil wir nicht danach verlangen, indem uns die Tradition genügt, ja wertvoller ist.

In Kirchen und Kreisen, die sich auf bestimmte Vordenker berufen, ist daher oft Stillstand erkennbar. Organisatorische Strukturen werden wichtiger als Inhalte, Aktionismus wird wichtiger als inneres Wachstum, schon vor einiger Zeit Erkanntes wird nicht mehr hinterfragt – menschliche Erkenntnisstände über Gottes Wort, die immer vorläufig sind, werden zu Dogmen, sie erhalten im Laufe der Zeit den gleichen Stellenwert wie Aussagen der Bibel selbst. So kommt es zu einem inneren Konflikt, der das alles verstärken kann: zu dem nicht eingestandenen Gefühl dafür, dass unser Wissen Stückwerk ist und es immer sein wird. Da das Bedürfnis nach Sicherheit aber stark ist, wird das Bedürfnis stark sein, ein gemeinsames Dogma zu haben und sich gegenseitig die Wahrheit dieses Dogmas zu suggerieren. Dieses Suggestionsbedürfnis entsteht, weil Unsicherheit, die zum eigenen Prüfen führen könnte, gefürchtet wird. Das Ergebnis ist aber, dass das menschliche Dogma zu einem von anderen übernommenen Glauben aus zweiter Hand führt, der nicht mehr in Frage gestellt wird, um die durch derartige Abgrenzung gewonnene Gemeinschaft nicht zu zerstören. Je älter dabei eine Glaubensgemeinschaft ist und damit auch deren Wurzeln, die ihre Vordenker gelegt haben, desto schwieriger wird es sein, das Dogmensystem zu korrigieren; spätere Erweiterungen beziehen sich so u.U. auf falsche Grundlagen – die Lehre der Gemeinschaft entfernt sich so immer mehr von der Wahrheit.

Wie kann man sich nun dem entziehen und der Aufgabe des Prüfens nachkommen? Wichtig ist zu erkennen, dass es keine Gemeinschaft geben kann, die die Bibel vollständig fehlerfrei auslegt. Wichtig ist also für den einzelnen Christen, sich eine innere Unabhängigkeit von den Dogmen einer Gemeinschaft zu bewahren und sich vorurteilsfrei auch mit anderen Auslegungen der Bibel auseinanderzusetzen. Es gilt dabei, sich das Prinzip der menschlichen Fehlbarkeit zu verinnerlichen: „Vielleicht habe ich Unrecht, vielleicht hast du Recht. Aber wir können auch beide Unrecht haben.“ Das führt zum Prinzip der vernünftigen Diskussion: „Wir wollen versuchen, möglichst unpersönlich unsere Gründe für und wider eine bestimmte, kritisierbare Auslegung abzuwägen. Nur dadurch kann es zur Annäherung an die Wahrheit kommen. Durch eine sachliche Diskussion kommen wir fast immer der Wahrheit näher; und wir kommen zu einem besseren Verständnis von Gottes Wort (was das Ziel jedes Gläubigen ist); auch dann, wenn wir nicht immer zu einer Einigung kommen.“

Prüfen ist aber nur möglich (nach der Erkenntnis der eigenen Fehlbarkeit, bzw. der Fehlbarkeit der Theologie der eigenen Gemeinde), wenn Kriterien festgelegt wurden, nach denen Auslegungen der Bibel beurteilt werden können. Die folgenden Fragen könnten Maßstäbe für die Bibeltreue einer Auslegung sein. Um die Anwendung zu erleichtern, wurden Beispiele angeführt, wo gegen den betreffenden Grundsatz verstoßen wurde.

Wird die Bibel nur mit sich selbst ausgelegt?

Anders ausgedrückt: Es gibt keinen besseren Kommentar zur Bibel als die Bibel selbst. Dieser wichtige Auslegungsgrundsatz wird von Jesus (z.B. Mt. 19,3-6), den Aposteln (Gal. 3,16) und Propheten in der Bibel ständig praktiziert. Auch die Bedeutungen einzelner Begriffe des Grundtextes sollten in der Bibel selbst gesucht werden (Ziel der konkordanten Übersetzungsmethode).

  • Gegenbeispiele: Die Definition von „Ewigkeit“; „Dreieinigkeitslehre“ von Athanasius und Augustinus, päpstliche Auslegungen, kirchliche Dogmen, Philosophie der freien Willensentscheidung des Menschen und damit die Möglichkeit der Selbsterlösung durch eine richtige Entscheidung (eine immer noch sehr weit verbreitete unbiblische Lehre) von Pelagius.

Werden unbiblische Begriffe verwendet?

Ein Zeichen für eine unbiblische Lehre kann sein, dass das Vokabular zur Beschreibung außerbiblisch ist, d.h. nicht auf die eigentliche Bedeutung der Grundtextworte der Bibel zurück zu führen ist.

Wird eine Lehre nur aus einem einzelnem Satz oder Vers abgeleitet?

Zentrale Aussagen werden in verschiedenen Zusammenhängen wiederholt und mit anderen Worten formuliert: Z.B. die Sündlosigkeit Jesu (1. Joh.3,5; 1. Petrus 2,12; 2. Kor. 5,21) oder das Ziel Gottes, eines Tages von allen Menschen geliebt zu werden (Jes. 45,23-24, Phil. 2,9-11, Röm. 14,11, Off. 4,11; 15,4). Ein Beispiel für das Missachten dieses Grundsatzes ist:

Wird der Textzusammenhang und darüber hinaus der Gesamtzusammenhang der Bibel beachtet?

Die Nichtbeachtung der Gesamtaussage der Bibel hat zu zahlreichen unbiblischen Lehren und verderblichen Sekten geführt. Eine Irrlehre ist demnach beispielsweise:

  • Die Vorstellung, dass in der Bibel von der heidnischen Hölle die Rede ist, obwohl der gesamte Kontext klar dagegen spricht (Gott quält seine Geschöpfe nicht „ewig“ – diese Behauptung wäre Blasphemie; wahr ist dagegen, dass Gott Liebe ist und alles Handeln Gottes ein Ziel

Stehen Auslegungen im Widerspruch zu anderen Bibelstellen?

Die Bibel ist gottinspiriert und den Menschen gegeben, um Ihn erkennen zu können, deswegen muss sie Menschen auch insgesamt verständlich sein. Meint man also Widersprüche zu sehen, so liegt die Ursache in mindestens einer Position bzw. Auslegung, die nicht das widergibt, was mit dem Bibeltext gemeint ist. Das wird sich nie vollständig vermeiden lassen, ist doch unsere Erkenntnis jetzt noch Stückwerk. Dennoch sollte das Bestreben sein, diese Widersprüche aufzulösen und sie als vorübergehend zu betrachten und sie nicht etwa als gegeben hinnehmen. Ansonsten würde man doch Gott unterstellen, dass Er unlogisch schreiben ließ. Die Gefahr bei einer inneren Akzeptierung dieser Widersprüche ist, dass man sich, auch aus Gründen der Bequemlichkeit, von eigenen möglicherweise unbiblischen Vorstellungen nicht trennt, obwohl sie zur Bibel in Gegensatz stehen. Dieses Vorgehen ist als „Dialektische Theologie“ bekannt, die meint, dass „Spannungen“ in der Bibelauslegung zu akzeptieren seien.

Beispiele:

  • Freier Wille des Menschen, Selbsterlösung durch eigene freie Entscheidung für Gott <=> Gottes alleiniges Wirken beim Gläubigwerden (Eph. 2,8-9), Seine Auswahl und Allmacht (Auflösung des Widerspruchs: Theorie des Freien Willens ist unbiblisch)
  • Endlose Höllenqualen <=> Gottes Liebe, Barmherzigkeit, Gnade und Allmacht, Sein Heilsplan mit jedem Menschen: Allaussöhnung (Auflösung: Höllenlehre ist unbiblisch)
  • Dualismus (Satan und Gott sind gleich stark) <=> Gott ist allmächtig (Dualismus ist unbiblisch)
  • Gott ist nicht für Leid verantwortlich, sondern der Mensch <=> Gott ist allmächtig, also ist auch Leid ein Bestandteil seines Plans und somit gottgewirkt (Auflösung des Widerspruchs: Gott wirkt alles)
  • Es wird behauptet, Würmer in der Gehenna (Mrk. 9,48, dem Tal Hinnom des AT), in dem im 1000-jährigen Reich auch die Leichen der Feinde Gottes verbrannt werden, sterben nicht. Da nur Gott allein unsterblich ist (1. Tim. 6,16), kann das nicht stimmen. Forscht man dann weiter nach, erkennt man, dass im Grundtext nicht von „sterben“ die Rede ist, sondern davon, dass die Würmer „nicht zu einem Ende“ kommen (DabHaR-Übersetzung), solange eben nicht alle Leichen vernichtet sind. Danach sterben diese Würmer freilich.

Gibt es ein System, nach dem Anweisungen Gottes in bestimmte Zeiten und für bestimmte Empfänger eingeordnet werden können?

Völlig klar ist, dass nicht alle Anweisungen der Bibel uns gelten. Eine Irrlehre kann aber entstehen, wenn eine willkürliche und unsystematische Einteilung vorgenommen wird. Die wichtigste Einteilung ist die nach dem Evangelium des Paulus (das Christen jetzt gilt) und dem Königreichsevangelium für Israel. Das Wort der Wahrheit ist richtig zu schneiden (2. Tim. 2,15)! Folgende Begriffe gehören also nicht in unsere Zeit:

  • „Brautseele-Sein“, „Bauen des Reichs Gottes“, „Dem-Lamme-Nachfolgen“ [15, S.11].

Wird mehr ausgesagt, als geschrieben steht?

„An uns lernet, nicht über das, was geschrieben steht, hinaus zu sinnen (1. Kor. 4,6)“. Zum Spekulieren ist Gottes Wort ungeeignet. Dennoch wird das gerne gemacht, Signalworte dafür sind z.B.:

  • „belebtes Jenseits“, „Hölle„, „Zurechtbringungsanstalten im Jenseits“, „Ort der Seligen“, „Ort der Verdammten“, „mit Geistern der Verstorbenen sprechen“, „Lückentheorie“ bzw. Restitutionslehre (Theorie einer „Vorschöpfung“ in Mose 1,2), Fall des Satan.

Hat die biblische Wahrheit immer Vorrang vor jeder anderen Erkenntnis?

„Hütet euch, dass nicht jemand sei, der euch wegführe durch die Philosophie und leere Verführung überein mit der Überlieferung der Menschen“(Kol. 2,8).
Beispiele für philosophische Theorien, die der Bibel widersprechen:

  • „Unsterblichkeit der Seele“ (Platonismus), der „freie Wille“ des Menschen (Thomas von Aquin, Jakob Böhme u.a.), .

Werden alle textlichen Feinheiten (grammatikalische und semantische Details) ausgeschöpft oder bleibt alles nur an der Oberfläche?

In Galater 3,16 demonstriert Paulus an Hand von 1.Mose 22,18 einen solch genauen Umgang mit der Schrift [19, S.140]. Da stellt sich dann die Frage:

Werden genaue Bibelübersetzungen verwendet?

Empfehlenswert sind konkordante Übersetzungen (Konkordantes Neues Testament, DaBhaR), da alle Begriffe möglichst einheitlich und somit objektiv übersetzt werden.
Nichtkonkordante, also diskordante, Übersetzungen gibt es in zwei Kategorien, der Wort- und der Versinterpretation. Der nur scheinbar grundtextnähere Weg ist die freie und fallweise Interpretation auf Wortebene, z.B. wird Hades, Gehenna oft einfach mit der heidnischen Hölle gleichgesetzt, ein Gericht wird so zur „Verdammnis“ und Äon zur Ewigkeit umgedeutet. So können bibelferne Lehren in die Bibel transportiert werden, wie im Münchener Neues Testament, Elberfelder, Menge, Schlachter, Luther, Gute Nachricht und Die Neue Welt. Andere machen sich auch diese Mühe nicht mehr; sie legen nur noch auf Versebene aus und suchen gar keinen Zusammenhang mehr zu den einzelnen Begriffen des Grundtextes (z.B. Zink, Hoffnung für alle). Diskordante Übersetzungen sind gefährlich, da der unbedarfte Leser diese Interpretationen mit Gottes Wort verwechseln könnte.
In Zweifelsfällen ist immer der Grundtext (Hebräisch für das AT und Griechisch für das NT) heranzuziehen. Die Grundbedeutung eines Wortes ergibt sich aus anderen Textzusammenhängen, in denen es deutlicher vorkommt (konkordantes Prinzip).

Anwendung der Regeln aus [19, S.138-140].


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