Nach einer kurzen Betrachtung über den Zweck von Gleichnissen und zum Begriff „Königreich der Himmel“, folgt die Entschlüsselung der Begriffe zu jedem Gleichnis. Es schließt sich eine Gesamtinterpretation aller Gleichnisse im Überblick an.

Warum sprach Jesus in Gleichnissen?

Das biblische Gleichnis wird auch Parabel genannt und ist literaturwissenschaftlich betrachtet ein Vergleich oder eine Allegorie. In beiden Fällen wird der eigentliche, gemeinte Gedanke nicht gleich direkt geäußert. Ein Vergleich liegt dann vor, wenn der eigentliche Gedanke nicht nur signalmäßig angedeutet, sondern zusätzlich ganz geäußert wird.

Gleichnisse verhüllen also den eigentlichen Gedanken. Jesus bestätigt dies in der Antwort auf die Frage der Jünger, warum er in Gleichnissen spricht: „Deshalb spreche ich in Gleichnissen zu ihnen, damit sie sehend nicht sehen und hörend nicht hören noch verstehen … denn das Herz dieses Volkes ist verdickt, mit ihren Ohren hören sie schwer und ihre Augen schließen sie“ (Mt. 13,10-15).

Jesus benutzte also Gleichnisse nicht, um etwas zu vereinfachen oder gar kindgerecht aufzubereiten (wie es leider oft heutzutage dargestellt wird), sondern im Gegenteil Er wollte durch bewusste Verfremdung und Verschlüsselung sicherstellen, dass Ihn nicht alle verstehen! „Euch ist es gegeben, die Geheimnisse des Königreichs der Himmel zu erkennen, jenen aber ist es nicht gegeben“ (Mt. 13,11). Und das war kein Einzelfall: „Dies alles redete Jesus in Gleichnissen zu den Scharen, und ohne Gleichnisse redete Er nicht zu ihnen“ (Mt. 13,34). Sogar die Jünger selbst verstanden ihn oftmals nicht. Er musste ihnen die Gleichnisse erklären (Mt. 13,18; 13,36; 15,15).

Die Verknüpfungspunkte zwischen diesen beiden Gedanken sind Symbole. Da es den Jüngern möglich sein muss, die Symbole zu erkennen, können deren Bedeutungen nur in dem gemeinsamen Wissen von Zuhörer und Sprecher zu finden sein, also in der Vergangenheit bezogen auf die Redesituation. Oft wird das Symbol an anderer Stelle in der Bibel entschlüsselt. Ein Gleichnis darf also nicht frei und willkürlich auf unseren Alltag bezogen werden.

Zum Begriff „Königreich der Himmel“, (Mt. 13,11)

Der Ausdruck „Königreich der Himmel“ bezieht sich auf Daniels Prophetie „In den Tagen jener Könige wird der Elah der Himmel ein Königreich aufrichten, das für die Äonen unversehrt bleiben soll; doch Sein Königreich wird keinem anderen Volk überlassen werden. Zermalmen und wegraffen wird es alle jene Königreiche…“ (Dan.2,44). „Und das Königreich, die Gewalt und die Majestät des Königreichs unter allen Himmeln wird dem Volk der Heiligen des Allerhöchsten gewährt. Sein Königreich ist ein äonisches Königreich, und alle anderen Gewalten werden Ihm dienen und hörig sein.“ (Dan.7,27). Es ist ein Königreich in dem Sinn wie Babylon, Medo-Persien und Griechenland Königreiche waren; es ist immer noch zukünftig; es beinhaltet die Herrschaft eines Volkes über andere Nationen; doch es wird nicht, wie seine Vorgänger nach relativ kurzer Zeit zerstört, sondern für den Äon bestehen. Der Begriff „Königreich Gottes“ weist auf die Unterordnung unter Gott hin, ob als Einzelpersonen oder Nationen – sein Gebiet kann nicht eingegrenzt werden. „Das Königreich der Himmel“ hat dagegen immer mit der Herrschaft Israels über die Nationen zu tun. Dieses Königreich ist in Offenbarung 20 und der Abschluss in Kapitel 21 beschrieben. Die Auslegungen der Gleichnisse müssen sich auf dieses künftige Königreich beziehen, ansonsten sind sie fehlinterpretiert. Dazu gehört aber auch die Zeit ab Johannes, dem Täufer, der das Volk Israel auf das vermeintlich bald kommende Königreich vorbereiten sollte, wie beispielsweise Mt. 11,12 deutlich macht.

Die Redesituation

Jesus fand ein Volk Israel vor, das den Aufrufen zur Umsinnung, wie durch den Täufer Johannes, nicht nachgekommen ist. Stattdessen waren böswillige Unterstellung gegen Johannes und Jesus im Umlauf (Mt. 11,16-24). Jesus habe Dämonen mit Hilfe des Beezeboul ausgetrieben, Johannes soll sogar von einem beherrscht gewesen sein, weil er weder essen noch trinken musste.

Israel war einer Otternbrut gleich, eine böse Generation (Mt. 12,34; 12,39). Dieses Volk war nicht bereit für den Anbruch des Königreichs des Himmels; der Beginn wurde daher verschoben, wie wir heute wissen.

Das Gleichnis vom Sämann, (Mt. 13, 3-9; 18-23; Mk. 4,1-20; Lk. 8,4-15)

Die räumliche Anordnung ist bemerkenswert: Die Menge stand am Strand, Jesus in einem Schiff auf dem Wasser. Dies drückt Distanz aus. Zu beachten ist auch, dass Jesus nicht dem Volk die Gleichnisse erklärt, sondern nur einer kleinen Auswahl, den Jüngern. Der Fokus Jesu verengt sich zunehmend.

Zum Inhalt: Ein Sämann sät auf vier Arten: Es fiel etwas an den Weg, das von Vögeln gefressen wurde. Anderer Samen fiel auf felsigem Untergrund mit ein wenig Erde, wuchs schnell, vertrocknete aber auch schnell, als die Sonne kam, da die Wurzeln zu schwach waren. Im dritten Fall fiel der Samen in Dornen, die es erstickten. Nur zuletzt fiel der Samen auf guter Erde und gab unterschiedlich viel Frucht.

Dieses Gleichnis ist fundamental für das Verständnis aller folgenden (Mk. 4,13). Daher ist besonderes Augenmerk auf eine sachgerechte Entschlüsselung zu legen. Es ist kein Text für Erweckungspredigten, sondern erklärt prophetisch Eigenschaften des kommenden Königreiches.

So anschaulich das Gleichnis ist, so schwer ist dennoch eine schriftgemäße Deutung. Hüten wir uns vor allzu oberflächlicher Betrachtung. Der Same, soweit scheint klar zu sein, ist das Wort (Mt. 13,19, Mk. 4,15, Lk. 8,12). Interessanterweise kommt der Begriff Same (gr. Sperma) in dem ersten Gleichnis gar nicht vor, die Betonung liegt auf dem Begriff des Wortes (gr. logos, V.19). Logos ist aber immer das lebendige Wort. Jesus selbst ist das Wort, das als Weizenkorn in den Boden fällt und stirbt, um viel Frucht zu bringen (Joh. 12,24). In dem Parallelgleichnis Lk. 8,5 ist auch nicht von sperma die Rede, sondern von sporos. Sporos aber ist das Saatkorn, das lebendige Korn. Zum Unterschied 2. Kor. 9,10: Ein Saatkorn trägt das Wort Gottes weiter, es ist der Gläubige, der in der Welt wirkt. Aber mit welchem Erfolg?

Der Ackerboden wird nirgends mit dem Herz des Menschen verglichen. Der Acker ist die Welt, gr. kosmos (V.38). Kosmos bedeutet in der Bibel stets die Weltordnung, die Gesellschaftsordnung. Jesus wurde in die Welt gesandt. Die verschiedenen Untergründe stellen verschiedene Bedingungen dar, die in der Welt herrschen. Von menschlicher Verantwortung wird hier nicht gesprochen! Jesus fordert im Anschluss an das Gleichnis auch nicht zur Buße auf, sondern möchte ein Geheimnis mitteilen. Es sind außermenschliche Ursachen, die das Fruchtbarwerden der Saat verhindern. Neben der Beschaffenheit des Bodens (der Naturveranlagung des Menschen) ist es die Aktivität des Widerwirkers. Er raubt das ins Herz Gesäte (Mt. 13,19). Ebenso verhält es sich mit der Sorge des Äons und Verführung durch Reichtum. Jesus klagt nicht an, er beschreibt nüchtern die Umstände, die herrschen.

Das Gleichnis vom Unkraut unter dem Weizen, (Mt. 13, 24-30; 13, 36-43)

Ein Mensch sät edlen Samen, ein Feind kommt und sät Unkraut mitten unter das gute Getreide.

Der Sämann, so wird gleich zu Anfang gesagt, gleicht einem Menschen. Es ist der Sohn des Menschen (V.37), Jesus. Es handelt sich hier sogar um eine wesenhafte Gleichung. Es ist die Menschwerdung des Königreichs der Himmel. In seiner Person war das Königreich mitten unter dem Volk (Lk. 17,21); es betrifft also nun auch die Zeit, als Jesus auf der Erde wandelte, also die Zeit vor dem Millennium.

Hier steht für Samen gr. sperma nicht gr. sporos (V.38), und bedeutet hier auch die Nachkommenschaft des Samen Abrahams.

Unkraut (im Grundtext steht Taumellolch) wurde gesät, war also nicht ohnehin vorhanden. Satan sät mitten unter das gute Getreide hinein. Und dies zunächst so, dass es unerkannt blieb.

Wikipedia gibt unter „Taumel-Lolch“ folgende Auskunft (Auszug): Die Pflanze ist oft vom einem Pilz befallen, der u. a. neurotoxische Indolalkaloide bildet, wodurch die gesamte Pflanze giftig wird. Da der Taumel-Lolch früher häufig in Getreideäckern wuchs, gelangten oft Samen in das Mahlgut und in das Mehl. Durch den Genuss des so verunreinigten Mehles kam es zu Vergiftungserscheinungen wie Schwindel (Taumeln) und Sehstörungen, in seltenen Fällen sogar zum Tod.

Der genannte Lolch ist also eine Pflanzenart, die im Wachstum genauso aussieht wie das gute Getreide. Erst später, ganz zum Schluss, kann erkannt werden, welcher böse Same hier aufgegangen ist.

Die Knechte sind ehrlich besorgt um die Frucht des Feldes, womit sie die Jünger symbolisieren. Sie sind erstaunt darüber, dass Unkraut zu sehen ist, denn der Herr hatte doch nur guten Samen gesät. Hier sehen sie das Idealbild des Königreichs zerstört. Jesus sagt hier, dass das Böse zur Ausreife kommen muss. Er verbietet den Knechten, das Böse vorher auszujäten, denn dies würde auch die gute Ernte gefährden.

Erst zum Abschluss des Äons wird es also zu Scheidung kommen, durchgeführt von Schnittern, also Boten (Engel) Jesu (V.39). In Offb. 14,14-18 ist ebenfalls von einer Ernte die Rede, die in der Endzeit durch Boten durchgeführt wird. Der Feuerofen symbolisiert die Gehenna. Den Sachverhalt des Aussortierens hat Jesus auch mit anderen Bildern beschrieben. Jammern und Zähneknirschen wird bei jenen Aussortierten herrschen. Diese Redeweise steht für den Kummer und die Verzweiflung derer, die vom Königreich (im einem Bild ein hell erleuchtetes Festbanquett) ausgeschlossen werden (im Bild: Dunkelheit außerhalb), ausgeführt in einigen Gleichnissen (Mt. 22,13; 25,30). Zähneknirschen und Jammern symbolisieren dabei Selbstvorwürfe.

Das Gleichnis vom Senfkorn, (Mt. 13,31-32; Mk. 4,30-32; Lk. 13,18-19)

Ein kleines Senfkorn, das mit dem Königreich verglichen wird, wächst schnell, wird zu einem Baum und beherbergt dann Vögel.

Wahrscheinlich ist sinapis nigra, der schwarze Senf gemeint, der im östlichen Mittelmeerraum heimisch ist und bis zu 3 m hoch werden kann. Die Samen sind aber nur 1 bis 1,5 mm groß.

Hier ist aber dennoch ausdrücklich davon die Rede, dass der Samen zu einem Baum wird, in dem auch Vögel Unterschlupf finden können. Dies ist ein unnormales bzw. sehr seltenes Wachstum und dient in diesem Gleichnis der Illustration und Verdeutlichung. Das Symbol des Baumes steht in der Bibel für Weltreiche (vgl. Hes. 31,3-14; Dan. 4,7-9).

In diesem Weltreich, das nach kleinen Anfängen so groß wird, nisten sich aber auch Vögel ein. Vögel, die schon im ersten behandelten Gleichnis für das Böse, für Satan stehen. Der säende Mensch ist auch hier der Herr.

Das Königreich der Himmel wird also groß werden, aber zum Schluss auch das Böse beherbergen.

Das Gleichnis vom Sauerteig, (Mt. 13,33-35; Lk. 13,20-21)

Das Königreich gleicht hier einem Sauerteig, den eine Frau unter Mehl verbirgt, bis dieser alles durchsäuerte.

Der Sauerteig ist in der Bibel immer etwas Negatives. Bei den Speiseopfern im mosaischen Gesetzeshaushalt durfte kein Sauerteig dem Mehl beigegeben werden (3.Mose 2,11); denn er galt als Sinnbild ansteckender Verderbnis und Fäulnis. Paulus schreibt in 1. Kor. 5,6-8: „Wisst ihr nicht, dass ein klein wenig Sauerteig den ganzen Teig durchsäuert? Daher reinigt euch gründlich von dem alten Sauerteig, damit ihr ein frischer Teig seid, wie ihr ja als Heilige ungesäuert seid […]. Lasst uns daher das Fest […] nicht im Sauerteig des Üblen und er Bosheit begehen, sondern im ungesäuerten Teig der Aufrichtigkeit und Wahrheit“. Jesus warnt vor dem Sauerteig der Pharisäer und Sadduzäer (Mt. 16,6-11, Mk. 8,15), welcher ist die Heuchelei (Lk. 12,1).

Die Frau, die ein Symbol für das Volk Israel ist (Off. 19,7), verbarg den schlechten Sauerteig in dem guten Mehl.

Das Gleichnis vom Schatz im Acker, (Mt. 13,44)

Das „Wiederum“ zu Anfang des Gleichnisses deutet hin auf einen neuen Gedanken, der hier herausgearbeitet werden soll. Jetzt ist nicht mehr vom dem Acker der Welt die Rede, sondern vom dem, was in einem Acker verborgen ist.

Der Mensch ist hier wieder der Herr Jesus.

Was ist der Schatz? Ist der Acker die Welt, so ist der Schatz im Acker etwas von diesem Weltsystem zu unterscheidendes. Der Schatz, den der Herr fand, ist die Auswahl aus Israel (Joh.13,1; 2.Mose 19,5). Der Herr suchte es in der Welt. Um in den Besitz des Schatzes zu kommen, ging Er hin, gab alles auf und verkaufte alles, was Er hatte, und erkaufte für Sich jenes Feld. Der Begriff des Kaufens hängt mit dem Begriff der Erlösung zusammen. Bei dem Lösegeld, welches Jesus durch Hingabe seines Lebens dargebracht hatte, handelt es sich um die Kosten der Erlösung. Die Auswahl weiß, dass sie so gekauft worden ist.

So wie es auch später geschrieben ist: Nur eine kleine Schar aus dem Volk Israel, eine „Auswahl aus Israel“ (Rö. 11,7), konnte Gott glauben, „denn nicht alle, die aus Israel, diese sind Israel“ (Rö. 9,6) und somit die Verheißung des äonischen Lebens erhalten, „auf das jeder, der an Ihn glaubt, nicht umkomme, sondern äonisches Leben habe“ (Joh. 3,18). Das äonische Leben für diese Auswahl beginnt nach der Auferstehung (Joh. 6,40; 6,54), denn „viele so unter der Erde schlafen, werden aufwachen: etliche zum äonischen Leben, etliche aber zu äonischer Schmach und Schande“ (Dan 12,2) und betrifft den kommenden Äon („im kommenden Äon äonisches Leben“, Mrk. 10,30), dort werden sie „Priester Gottes und des Christus sein und werden herrschen mit Ihm tausend Jahre“ (Offb. 20,6).

Wichtig ist festzuhalten, dass der Schatz nach dem Auffinden wieder verborgen werden muss.

Das Gleichnis von der einen Perle, (Mt. 13,45-46)

Obwohl nahe liegend, wird hier wohl nicht der gleiche Gedanke wie im Gleichnis vorher ausgedrückt. Eine reine Dopplung des Gedankens ist nicht plausibel. Den Schlüssel zum Verständnis gibt uns Offb. 21,9-27. Nach dem 1000-jährigen Reich, auf der neuen Erde, wird das neue Jerusalem herabgekommen sein, das mit der Braut (dem Volk Israel, s.o.) verglichen wird. Das ist Israel. Dieses Jerusalem hatte 12 Tore, die zwölf Perlen sind (Offb. 21,21), ebenso hatte sie zwölf Grundfesten mit den Namen der 12 Apostel (V. 14). Die 12 Tore symbolisieren den zukünftigen Dienst des vollendeten Israel, damit die Nationen durch den Genuss der Blätter (Offb. 11,3) vom Baum des Lebens Heilung erfahren.

Diese eine Perle, die der Mensch (also Christus) kauft, ist eine weitere Perle. Es handelt sich um einen Apostel und einen Dienst, der in der Offb. 21 nicht beschrieben ist – es ist der Apostel Paulus, der der herausgerufenen Gemeinde dient. Diese Perle wird im Meer gefunden. Das Meer symbolisiert in der prophetischen Bildsprache die Völkerwelt (vgl. Psalm 65,8). Es ist kein Schatz aus „seinem Feld“, also eine Auswahl aus seinem Volk, wie im Gleichnis zuvor, sondern eine Auswahl aus den Nationen, aus dem Völkermeer [AH, S.24].

Auch diese Auswahl hat er mit Seinem Tod erkauft, auch diese Auswahl spielt für das Königreich der Himmel eine große Rolle, allerdings nicht auf der Erde, sondern von den Himmeln aus.

Das Gleichnis vom Schleppnetz, (Mt.13,47-52)

Im Unterschied zu den ersten Gleichnissen ist hier das Erntefeld das Meer und das Erntemittel das große Schleppnetz. Es geht hier um die Einsammlung aller Menschen. Das Meer ist, wie im vorherigen Gleichnis bereits beleuchtet, das Völkermeer. Die mit dem Schleppnetz gefangenen Dinge, Unrat wie auch Fische, werden ans Ufer gezogen, das Ufer des Völkermeeres ist das Heilige Land. Nun findet die Scheidung, ein Gericht statt: Die Edlen und die Faulen werden getrennt. Die Faulen (Bösen) werden hinaus geworfen in den Hochofen, die Edlen (Gerechten) werden behalten. Es werden also Werke beurteilt!

Die Enthüllung der Geheimnisse des Königreichs der Himmel aus Mt. 13 im Überblick

Geheimnisse sind Sachverhalte, die vor der Enthüllung unbekannt waren. Ein Kriterium für eine richtige Interpretation ist also, dass sie nicht etwas in anderen Worten darstellt, das zu diesen Zeiten schon bekannt war. Ein zweites Kriterium ist, dass es sich auf das Königreich beziehen muss. Schwieriger ist die zeitliche Einordnung, denn es kann sowohl die Zeit vor dem eigentlichen Königreich beschreiben, sofern ein Bezug besteht, wie auch das Königreich an sich (s.o.). Wir haben zwar die vervollständigte Schrift vor uns liegen und damit den Jüngern viel voraus, dennoch gibt es auch unter Berücksichtigung dieser Prämissen unterschiedliche Auslegungen, die zutreffend sein können. Es folgt eine Auslegung, die zusätzlich davon ausgeht, dass die Gleichnisse die chronologische Reihenfolge abbilden und keine doppelten Aussagen enthalten.

Welche Geheimnisse wurden nun enthüllt?

Die ersten beiden Gleichnisse sind in der Zeit bis zum Anbruch des Königreichs anzusiedeln:

Im Gleichnis vom Sämann wird beschrieben, dass es unmöglich war, das Volk Israel zur Umsinnung zu bringen, um die Voraussetzung für den baldigen Anbruch des Königreichs zu schaffen. Es liegt dabei nicht an den Auserwählten, die sich mühen, den Menschen das Wort nahezubringen – und auch nicht an den Menschen, die das Wort hören, sondern an den Umständen und dem Wirken des Feindes, des Widerwirkers. Denn: „Gott gibt ihnen einen Geist der Betäubung, Augen die nicht erblicken…“ (Rö. 11,8).

Das Gleichnis vom Unkraut enthüllt, dass das Böse unerkannt wächst und es erst zum Schluss dieses Äons erkannt und entfernt werden kann, in der großen Drangsal. Es sollte auch nicht vorher getrennt werden; das Böse ist offensichtlich notwendig zum Ausreifen des guten Getreides – das Böse dient also Gott. Das Gute wächst und kann ausreifen im Vergleich und Kampf mit dem Bösen. Die Auserwählten gehen nun in das Königreich ein, das jetzt anbrechen kann.

Nun gibt es einen Schnitt. Der Zeitrahmen verschiebt sich bei den beiden folgenden Gleichnissen auf das Königreich selbst:

Denn das Senfkorn steht für das Königreich selbst, das aus kleinen Anfängen sehr mächtig werden wird. Dies symbolisiert das schnelle Entstehen des Königreichs des Himmels. Zum Schluss zeigt sich aber, dass das Böse in Form der Vögel wieder auftaucht. Gegen Ende des Millenniums wird Satan, der erst gebunden ist, wieder freigelassen; die Nationen werden von ihm zur letzten Schlacht gesammelt, um die Heiligen zu belagern (Offb. 20,1-10).

Das Gleichnis vom Sauerteig zeigt, dass das Volk Israel in diesem Reich die Welt dominieren wird. Diese Herrschaft ist aber gesetzlich und enthüllt den Nationen noch nicht vollständig den Gott der Bibel. Trotz allen Mühens wird das Ziel, die Nationen zu heilen, innerhalb des Millenniums noch nicht erreicht werden. Erst auf der Neuen Erde wird dies geschehen (Offb. 22,2-3).

Die beiden folgenden Gleichnisse deuten auf die Heilskörperschaften hin, die während des Königreichs besondere Aufgaben erfüllen:

Das Gleichnis vom wertvollen Schatz zeigt, dass das Israel der Auswahl zeitweise im Vorborgenen die Äonen überdauert – so wie es jetzt der Fall ist, wird es auch vor dem Millennium während der großen „Trübsal“, bei Verfolgung und Drangsal (Mt. 24,7-13, Off. 20,4), und nach dem Millennium, wenn Satan wieder freigelassen wird, geschützt werden.

Das Gleichnis der Perle deutet schon an, dass es noch eine zweite Auswahl gibt, die während der Königreichszeit zwar nicht direkt auf der Erde wirken wird, dennoch aber hineinwirken wird – die Auswahl aus den Nationen mit ihrer himmlischen Erwartung.

Das letzte Gleichnis nun deutet auf das Ende des Königreichs:

Das Sortieren des mit dem Schleppnetz aus dem Meer Eingesammelten beschreibt das Gericht über alle Menschen vor dem großen, weißen Thron (Off. 20,13-15). Die Aussortierten werden in den See des Feuers geworfen, den zweiten Tod. Das Kriterium sind nur die Werke (Off. 21,13).

Dies alles war für die Jünger ein Schock und wäre es für das Volk noch viel mehr gewesen. Deswegen wurden diese Wahrheiten als Gleichnisse verschlüsselt und nur den engsten Vertrauten enthüllt.

Diese Gleichnisse geben also ein gewaltiges Panorama über die wesentlichen künftigen Ereignisse von der Zeit Jesu bis in die Vollendung.

Nur die heutige Verwaltung der Gnade ist nicht Thema. Wir, die aus den Nationen, sind zwar nicht die Adressaten dieser Gleichnisse, aber dennoch sehr wohl betroffen, denn wir befinden uns der Zeit vor diesem Königreich der Himmel. Welche politischen oder anderweitigen Entwicklungen in unserer Zeit Vorboten darauf sind, ist Spekulation. Eines aber steht fest: Wir können uns in Christus geborgen wissen und brauchen nicht in Angst zu leben. Alles wird nach seinem göttlichen Plan ablaufen. „Denn wir wissen, dass die gesamte Schöpfung bis nun mit uns ächzt und Wehen leidet – sie wird aber auch befreit werden von der Sklaverei der Vergänglichkeit zur Freiheit der Herrlichkeit! (Römer 8,22 ff.)“.

Literatur

[HL] Heinrich Langenberg: Die vier Evangelien in prophetischer Schau, 3. Teil (zu beziehen hier)

[TB] Theodor Böhmerle: Die Gleichnisse Jesu (pdf) (S.36-40)

[AH] Ab Klein Haneveld: Die Gleichnisse aus Matthäus 13 (pdf)

[DL] Dieter Landersheim: Die Königreichsgleichnisse


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