Wie lässt sich die Bibel so übersetzen, dass sie wirklich das sagt, was im Original steht – ohne theologische Vorprägungen, stilistische Glättungen oder unbeabsichtigte Auslegungen?
Wer sich diese Frage stellt, stößt früher oder später auf die konkordante Übersetzungsmethode.

Sie verfolgt ein mutiges Ziel: maximale Genauigkeit. Jedes Wort soll nachvollziehbar, überprüfbar und so einheitlich wie möglich wiedergegeben werden – damit der Text sich selbst erklärt und der Leser nicht unbemerkt die Deutung des Übersetzers übernimmt.

Doch warum ist das nötig? Welche Probleme entstehen bei herkömmlichen Bibelübersetzungen? Und wie funktioniert konkordantes Übersetzen ganz praktisch?

Der folgende Überblick führt in die Grundlagen, Herausforderungen, Grenzen und bedeutendsten Beispiele dieser Methode ein – und zeigt, warum sie für viele Bibelleser zu einem unverzichtbaren Werkzeug geworden ist.

Einleitung

Das Problem bei Bibelübersetzungen

Lässt man einen englischen Text von zehn Menschen übersetzen, die des Englischen und der Zielsprache gleichermaßen mächtig sind, werden zehn verschiedene Texte das Ergebnis sein, die sich bei interpretationsfähigen Inhalten auch in der Aussage unterscheiden werden. Der Grund ist die subjektive Deutung des Textes, die ihre Ursache in den unterschiedlichen Erfahrungen, den bis dahin erworbenen Kenntnissen und der Persönlichkeit des Übersetzers (Herkunft, soziale Schicht, kulturelles Umfeld) hat.

Je freier eine Bibelübersetzungen daher ist, d.h. je weniger möglichst einheitlich und nachvollziehbar Wort-für-Wort übersetzt wird, desto eher wird das Ergebnis bereits eine Auslegung sein. Denn üblicherweise wird zunächst der Sinn der zu übersetzenden Bibelstelle gesucht und dann versucht, diesen Sinn in der Zielsprache wiederzugeben. Idealerweise weiß der Übersetzer von heute, wie der Originaltext bei den Empfängern zu biblischen Zeiten verstanden wurde. Aber auch wenn das bekannt ist, kann die theologische Meinung des Übersetzers eine noch größere Rolle spielen. So werden Bibeltexte an die Überzeugungen und verinnerlichten Dogmen der Übersetzer angepasst. Da es aber selbst über die wesentlichen Aussagen der Bibel unterschiedliche Ansichten gibt, unterscheiden sich die Übersetzungen auch entsprechend; das Ergebnis wird immer willkürlicher. Möglicherweise ist dennoch keine richtig, denn niemand kann von sich behaupten, Gottes Wort bis ins Detail verstanden zu haben. Die verwirrende Vielfalt an Bibelübersetzungen ist außerdem ein Missstand: An welche Übersetzung sollte man sich nun halten, besonders wenn Widersprüche auftreten? Welche trifft den Sinn des Originals am Besten? Welche spiegelt noch weitgehend Gottes Wort wieder und welche ist Menschenwort, theologische, fehlerbehaftete Interpretation?

Die konkordante Übersetzungsmethode

„Konkordant“ entstammt dem lateinischen „concordans“ von „concordare“ und bedeutet „einig sein, übereinstimmen“ (zu „cor“, „cordis“ Herz). In der Geologie bezeichnet „Konkordanz“ beispielsweise die ungestörte und ununterbrochene Lagerung verschiedener Gesteinsschichten.

Die konkordante Übersetzungsmethode gibt dementsprechend eine Systematik vor, um den Text auch verschiedener Übersetzer anzugleichen und eine dem Original möglichst nahe kommende Übersetzung als Ergebnis zu erhalten. Klar ist auch, was das Ergebnis nicht sein kann: eine nach rein literarischen Gesichtspunkten „schöne“ Übersetzung, die dem Genius des Übersetzers entspringen könnte. Die Subjektivität des Übersetzers muss ja gerade bei dieser Methodik in den Hintergrund rücken, da sonst keine Harmonisierung erreicht werden kann. Dieses Übersetzungsergebnis wird auch kein „geglätteter“ Text sein können, der sich genauso flüssig liest, als wäre er in der Zielsprache geschrieben worden.

Wie wird nun konkordant übersetzt?

Der Leitsatz ist:

Die Bedeutung eines Wortes ergibt sich grundsätzlich aufgrund seiner Verwendung an allen Stellen.

Das wird so umgesetzt:

  • Wichtigstes Werkzeug ist eine Konkordanz, die den zur Übersetzung nutzbaren Wortschatz der Zielsprache auf ein Minimum einschränkt. Jedes Wort des Ursprungstextes wird dabei mit allen Belegstellen aufgeführt. Allein durch den Vergleich der Verwendung an allen Stellen ergeben sich wertvolle Hinweise zur Bedeutung oder zum Bedeutungsspektrum des Wortes. Es wird dann versucht, möglichst mit nur einem Wort der Zielsprache zu übersetzen. Jedes Wort der Zielsprache dient dabei auch umgekehrt, wenn irgend möglich, zur Wiedergabe nur eines Ursprungsworts. Abweichungen von diesem Prinzip müssen begründet werden.

  • Wurzel-verwandte Wortgruppen der Ursprungssprache werden mit wurzel-verwandten Wortgruppen der Zielsprache wiedergegeben (z.B. chäsäd = Huld; chasad = hold sein; chasidim = die Holden; Aion = Äon, aionion = äonisch).

  • Worte, die nicht im Original zu finden sind, aber flüssiges Lesen ermöglichen, müssen als solche kenntlich gemacht werden, z.B. durch Kursiv- oder Schwachdruck.

  • Fremdworte (z.B. Kreatur, Lektion, Bistum) werden möglichst nicht verwendet, um die Verständlichkeit zu erhöhen.

Somit erklärt sich die Bibel selbst. Persönliche Interpretationen und der Einfluss wechselnder theologischer Ansichten werden weitestgehend zurückgedrängt. Das Ergebnis ist eine größtmögliche Genauigkeit.

Wird dem Leser eine Konkordanz zur Verfügung gestellt, kann einfach vom Wort der Zielsprache auf das Ursprungswort geschlossen werden. Werden außerdem die Bibelstellen angegeben, an denen der Begriff noch vorkommt und eventuell eine Definition, entsteht ein äußerst wertvolles Hilfsmittel zum Bibelstudium. Der Prozess des Übersetzens wird so transparent und überprüfbar. Freilich bleibt aber auch eine konkordante Übersetzung ein menschliches Werk und damit können auch dort Fehler passieren.

Grenzen

Natürlich ist die konkordante Übersetzungsmethode sehr aufwendig und nur im Ausnahmefall für andere Texte als die Bibel die ideale Art der Übersetzung. Der Grund ist, dass die Grundsprachen der Bibel in der Grammatik und Semantik zwar menschlichen Sprachen entstammen, jedoch ist die Bibel nicht wie jedes andere Buch der Welt entstanden, sondern sie nimmt eine herausragende, einzigartige Position ein. Hier war Gott selbst am Werk, „Alle Schrift ist gottgehaucht (2. Tim. 3,16)“. Wer überzeugt wurde, dass die uns persönlich ansprechenden Worte Jahwes reine sind, dass sie schlackenfrei und siebenfach gefiltert sind (Psalm 12,7), wird nicht mehr davon ausgehen, dass die Sprache genau so verwendet wurde wie in jedem anderen Buch. Die Prämisse, die zu dieser wirklich wissenschaftlichen Übersetzungstechnik geführt hat, lautet also: Die Verwendung von Sprache in der Bibel ist wesentlich exakter und logischer als im Alltag.

Die Vorzüge der konkordanten Methode bei Bibelübersetzungen zeigen sich besonders, wenn man sich die schwerwiegenden Fehler vor Augen führt, die aufgrund der üblichen Übersetzungstechnik aufgetreten sind und den Sinn nachweislich grob verstellt haben. Für den Laien, der die Ursprache nicht lesen kann, war es bislang schwer, dies zu erkennen. Sicher, wird es ungewohnt sein, bekannte biblische Texte in anderen Worten zu lesen. Aber es lohnt sich: Die konkordante Methode fegt ungute Verkrustungen der Tradition weg und lässt den Text für sich wieder neu strahlen.

Konkordante Übersetzungen

Die Übersetzung des Aquila (um 120 n.Chr.)

Ein erstes Beispiel dafür, wie eine Übersetzung Streitgegenstand werden kann, liefert die Septuaginta, die erste Übersetzung des AT vom Hebräischen in die damals vorherrschende griechische Sprache. Das Judentum empfand die Übersetzung „ihres“ Testaments an vielen Stellen als zu ungenau und suchte nach einer Alternative. Diese lieferte zur Zeit Kaiser Hadrians (117-138) ein aus Sinope am Schwarzen Meer stammender und zum Judentum über getretene Aquila, der in Palästina ein Schüler des berühmten Rabbi Akiba geworden war. Akiba hatte das jüdische Schriftgelehrtentum dazu erzogen, bei der Auslegung des Alten Testaments auch auf die unscheinbarsten Kleinigkeiten großes Gewicht zu legen und daraus oft die wunderlichsten Theorien zu entwickeln. Aquila machte es sich so beeinflusst zur Pflicht, den hebräischen Wortlaut möglichst wortgetreu ins Griechische zu übersetzen, das heißt so, dass möglichst viele seiner Eigentümlichkeiten mit möglichster Entsprechung im Griechischen wiederkehrten. Dabei wendete er wohl als erster das konkordante Prinzip an, Wörter einer hebräischen Wortgruppe auch im Griechischen nur durch Wörter einer einzigen Wortgruppe wiederzugeben. Sein Bemühen war sogar, im Griechischen gleich viele Worte zu gebrauchen, wie er im Urtext vorfand, so dass die Übersetzung auch nach der Zahl der Worte dem Urtext glich (und selbstverständlich auch die gleiche Reihenfolge der Wörter enthielt).

Die Übersetzung des Aquila errang bei den Juden hohes Ansehen. Keine der späteren Übersetzungen vermochte ihr den Rang abzulaufen, und sie wurde auch wie vor ihr die Septuaginta bei der gottesdienstlichen Schriftlesung gebraucht. Man schätzte an ihr gerade die getreue Wiedergabe des hebräischen Wortlauts und nahm dafür gerne in Kauf, dass sie kein gutes, vielfach schlechtes und manchmal völlig unverständliches Griechisch enthielt. Eine fruchtbare Verwendung im Gottesdienst kann man sich ohne gelehrte Erläuterung kaum vorstellen, noch weniger freilich eine Verwendung in der Missionsarbeit.

Die Verdeutschung von Martin Buber gemeinsam mit Franz Rosenzweig (1925-1961)

Schon vor dem Ersten Weltkrieg trug sich der jüdische Philosoph und Gelehrte Martin Buber (Photo links) mit dem Gedanken einer Übersetzung der hebräischen Bibel, um den zunehmend säkularisierten Juden in Deutschland die Schrift wieder neu zu erschließen. Durch die Kriegsjahre konnte das Projekt zunächst nicht fortgesetzt werden. Im Jahr 1925 erhielt Buber eine Anfrage von dem jungen christlichen Verleger Lambert Schneider, der seine Verlagsarbeit mit einer Übersetzung des „Alten Testaments“ durch Martin Buber beginnen wollte. Für Buber war dies „wie ein Zeichen“. Gemeinsam mit dem jüdischen Sprachphilosophen Franz Rosenzweig, der damals bereits schwer krank war, nahm er das Werk in Angriff. Vier Jahre später starb Rosenzweig, der das Projekt noch bis zu dem „Lied vom leidenden Gottesknecht“ in Jesaja 53 begleiten konnte. Buber verließ Deutschland im Sommer 1938 und ging nach Jerusalem, wo er an der Hebräischen Universität unterrichtete. Dort setzte er seine Übersetzungsarbeit fort, bis „Die Schrift“ im Jahr 1961 vollendet war.

Es macht den besonderen Charakter der Buber/Rosenzweigschen Übersetzung aus, dass sie das hebräische Original nicht nur dem Inhalt, sondern ebenso seiner Form nach im Deutschen nachzubilden sucht. Dies ist darin begründet, dass das Wort der Bibel für Buber und Rosenzweig eigentlich gesprochenes Wort, unmittelbare Ansprache an Zuhörende ist, deren Sprachgestalt nicht ohne Schaden preisgegeben werden kann.

In der jüdischen Tradition ist die Schrift bestimmt, vorgetragen zu werden …; schon die hebräische Bezeichnung für lesen bedeutet: ausrufen, der traditionelle Name der Bibel ist: die Lesung, eigentlich also: die Ausrufung; und Gott sagt zu Josua nicht, das Buch der Tora solle ihm nicht aus den Augen, sondern es solle ihm nicht aus dem Munde weichen … So aufgenommener Gesprochenheit also soll die deutsche Lautgestalt entsprechen, selbstverständlich nicht für das stumme Lesen, sondern für den richtigen, den vollen Lautwert herausholenden Vortrag.

Eine große Rolle spielt dabei die Gliederung des Textes in „natürliche, von den Gesetzen des menschlichen Atems regierte, sinnmäßig geschlossene Sprechabsätze“, sog. „Kola“, von denen jede eine „rhythmisch geordnete Einheit“ bildet. (In der Druckfassung entspricht dem die durchgängige Gliederung in Sinnzeilen.) Oft sind es bestimmte „Leitworte“, durch die sich diese Rhythmisierung ergibt.

Ein Beispiel hierfür ist die Turmbauerzählung (1.Mose/Genesis 11,1-9). Sieben mehrfach wiederkehrende Leitworte kennzeichnen darin die Entsprechung zwischen der Handlung der Menschen und der Gegenhandlung Gottes. Es sind die Leitworte: alle Erde, Mundart, vermengen, heran!, bauen, Stadt, Name und zerstreuen.

Aufgrund der besonderen Funktion der Leitworte ist es für Buber geboten, für jedes hebräische Wort unabhängig vom jeweiligen Sinnzusammenhang eine gleichbleibende deutsche Entsprechung zu verwenden, darüber hinaus werden wurzelverwandte hebräische Wortgruppen durch wurzelverwandte deutsche Wortgruppen wiedergegeben (chäsäd = Huld; chasad = hold sein; chasidim = die Holden).

Die allseits besonders auch wegen der literarischen Qualität hochgelobte Übersetzung wurde 1953 mit dem Friedenspreis des deutschen Buchhandels geehrt, da es mit diesem Werk gelungen ist, den Deutschen eine unverstellte Sicht als bisher auf das Alte Testament und damit auf das Judentum zu ermöglichen. Dieser Preis zeigt auch, dass die Bibel, ihrem Inhalt angemessen, auf allerhöchstem literarischen Niveau geschrieben wurde.

Leider wurde die Konkordanz nicht veröffentlicht, die es ermöglichen würde, die Übersetzung nachzuvollziehen. So bleiben einige Fragen offen, da einige Begriffe offensichtlich abweichend vom Prinzip doch fallweise übersetzt wurden. Insofern kann nur ansatzweise von einer konkordanten Übersetzung gesprochen werden.

Um einen Eindruck von der Typographie und der Wortwahl dieser Übersetzung zu gewinnen, ein Beispieltext (Psalm 67,1-5) :

PREISUNGEN

LXVII

Des Chormeisters, zum Saitenspiel,
ein Harfenspiel, ein Gesang.
Gott leihe uns Gunst, segne uns,
er lasse mit uns leuchten sein Antlitz! –
/Empor!/
Daß man auf Erden erkenne deinen Weg,
in aller Stämmewelt dein Befreien!
Die Völker danken dir, Gott,
die Völker danken dir alle,
die Nationen freun sich und jubeln.
Denn du richtest Völker mit Geradheit,
Nationen, du leitest sie auf Erden.
/Empor!/

Das Münchener Neue Testament (MNT, ab 1988)

Am Anfang stand ein von Prof. Dr. Otto Kuss angeregter Übersetzerkreis für seine Promenierenden. „Gängige“ Übersetzungen wurden anfangs bewusst vermieden, Wortschöpfungen eher gesucht als verworfen und alles eingeklammert, was im griechischen Text keine Entsprechung hat; später, als sich der Schülerkreis 1970 zum Verein Collegium Biblicum München (CBM) e.V. zusammen schloss und allmählich der Plan zur Veröffentlichung der Übersetzung entstand, wurden Kompromisse eingegangen, um „die Anstößigkeit des Textes nicht zu überziehen“. Zwar ist die Übersetzung an möglichst einheitlicher Wiedergabe des Urtextes interessiert und um konkordante Wiedergabe griechischer Wörter und Begriffe bemüht, dennoch wurde nur mit einer „weitgehenden“ Konkordanz gearbeitet und das konkordante Prinzip nicht „um jeden Preis“ und nicht „mechanisch“ verfolgt. [Anm. der Redaktion: Wie an einem Beispiel noch gezeigt wird, ist man leider Kompromisse eingegangen, indem man auf die Übersetzungstradition bzw. die herrschende Theologie Rücksicht genommen hat (s.u.).] Die aktuelle 5. Auflage (1998) wurde mit Computerunterstützung und einem ergänztem wissenschaftlichen Mitarbeiterstab einer Revision unterzogen, dennoch wurde wieder nicht konsequent konkordant übersetzt, sondern nur dort „wo sich die konkordante Übersetzung zwingend nahelegte oder leicht herstellbar war“ (aus den Vorworten).
Das Ergebnis ist eine Studienbibel, die zwar teilweise schwer lesbar ist („Von den Etwas-zu-sein-Geltenden aber – was für welche einst sie waren, geht mich nichts an; (das) Gesicht eines Menschen nimmt Gott nicht – denn mir hinzuauferlegten die Geltenden nichts“, Gal 2,6) aber dennoch an einigen Stellen theologisch interpretiert, statt konsequent konkordant zu übersetzen.
So gibt es immer noch das Wort „ewig“ („und im kommenden Aion [Aion wird also hier gar nicht übersetzt] ewiges [so wurde „aionion“ falsch übersetzt] Leben“; Mk 10,30). Und in Mk. 3,29 wurde das gleiche „Aion“ aus völlig unverständlichen Gründen wieder mit dem traditionellen falschen „Ewigkeit“ übersetzt. Somit hat man die Nachteile einer wortgetreuen Übersetzung (die schwere Lesbarkeit) ohne die Vorteile einer konsequent konkordanten und damit genauen Übersetzung. Bestenfalls kann sie daher als Übergangsstufe zu richtig konkordanten Übersetzungen dienen, wie es die folgenden beiden sind:

Das Konkordante Neue Testament (KNT, ab 1910)

1939 erschien im Konkordanten Verlag „Die Heilige Schrift. Konkordante Wiedergabe mit Stichwortkonkordanz des Urtextes, Sprachfiguren, Grammatik, Betonung“. Diese Ausgabe, die nur das Neue Testament enthält, ist von einer Arbeitsgemeinschaft erschaffen worden, deren geistiger und geistlicher Leiter der Deutschamerikaner Adolph Ernst Knoch (Los Angeles, 1874-1965, Photo links) war. Bis heute wird dieses Werk fortgesetzt, das AT ist bislang nur in Teilen übersetzt. In der „Konkordanten Wiedergabe“ tritt sein Name nicht auf; Knoch hat aber unter seinem Namen zahlreiche biblische Schriften veröffentlicht, teils als selbständige Schriften, teils als Aufsätze in der Zweimonatszeitschrift „Unausforschlicher Reichtum“.

Worte, die sich im Urtext nicht finden (z.B. der unbestimmte Artikel, Hilfzeitwörter) sind in gewöhnlichem Druck gehalten, direkt übersetzte Worte in Fettdruck. Fußnoten finden sich nicht. Es sind aber in Kleindruck Hinweise auf alttestamentliche Beleg- sowie neu- und alttestamentliche Parallelstellen in großer Zahl in die Übersetzungen eingefügt; auch ist mit Abkürzungen (Punkte, Striche, große und kleine Buchstaben, auch kursiv gedruckt usw.) auf allerlei Eigentümlichkeiten aufmerksam gemacht, wenn z.B. im Urtext der Artikel steht, wenn die Mehrzahl gebraucht ist, eine Handlung gemeint ist, bildliche Redeweise vorliegt usw.

Der wichtigste Teil der Ausgabe ist eine sogenannte Stichwortkonkordanz, die ungefähr den gleichen Umfang wie der Bibeltext selbst hat. Hier sind sämtliche in der konkordanten Übersetzung gebrauchten deutschen Wörter (in Fettdruck) aufgezählt, aber auch (in gewöhnlichem Druck) alle sonstigen im Luthertext vorkommenden Wörter, jeweils mit kurzer Angabe, welche Wörter in der konkordanten Übersetzung an ihre Stelle getreten sind. Andererseits wird bei den in der konkordanten Übersetzung verwandten Wörtern mitgeteilt, welches griechische Wort ihnen entspricht (oft mit Angaben über dessen Ableitung); ferner werden Belegstellen aufgeführt (mit kurzer Charakterisierung, so dass man sogleich sieht, um was es sich handelt; bei größeren Artikeln sind die Belegstellen gruppiert), und am Schluss wird jeweils angegeben, welche Wörter Luther verwandt hat und wie häufig er diese oder jene Wiedergabe gebraucht hat.

Da Knoch anders als Aquila (in gewöhnlichem Druck gehaltene) Füllworte zulässt, wurde ein verständliches Deutsch erreicht. Was dem Benutzer am meisten auffällt, ist der vielfach ungewöhnliche Wortschatz, der in Beispielen noch vorgestellt wird.

Die Grundsätze, die dazu geführt haben sind: „Jedes griechische Wort wird, soweit möglich, durch denselben deutschen Ausdruck wiedergegeben. Wo der Sprachgebrauch mehrere deutsche Wörter für ein griechisches fordert, ist dies aus der Konkordanz zu ersehen. Jedes deutsche Wort dient, wenn irgend möglich, zur Wiedergabe nur eines griechischen. Dadurch wird viel Verwirrung vermieden und private Ansichten werden nach Möglichkeit ausgeschaltet“.

Unsere Beispielstelle Psalm 67,1-5 lautet in der Konkordanten Wiedergabe (ohne Sonderzeichen):

67 Ein Psalm Nach David – Ein Lied

2 Elohim, Er sei uns gnädig und segne uns.
Sein Angesicht erleuchte uns,

Zwischenspiel

3 damit man auf der Erde Deinen Weg erkenne -,
Deine Rettung unter allen Nationen.
4 Völker sollen Dir huldigen, Elohim,
Völker sollen Dir huldigen – sie alle!
5 Alle Völkerstämme werden sich freuen und jubeln,
da Du die Völker richten wirst in Geradheit,
und die Volksstämme auf Erden – Du wirst sie leiten!

Zwischenspiel

Die DaBhaR-Übersetzung (1975-1990)

1975 begann der Physiker, Patentingenieur und Patentassessor Fritz Henning Baader mit einem umfangreichen, meist ehrenamtlichen Mitarbeiterstab ein besonderes Übersetzungsprojekt: Die DaBhaR (hebräisch für „Wort, Sache, Realität“). Parallel dazu hat Baader verschiedene Lehrbücher zur Übersetzung aus dem Hebräischen und Griechischen herausgegeben, so das „Lehrbuch der hebräischen Sprache“, die 1986 erschienene „Semantik des biblischen Hebräisch“ und die „Hellenischsprachige Darstellung der Geschriebenen“.

Bei der Übersetzung der Heiligen Schrift wurde nach den lexikalischen Vorarbeiten (Festlegung der deutschen Wortstandards für die Grundtextwörter) zunächst eine Übersetzung bei Verwendung dieser Standards erstellt und mit einer Grundtextkonkordanz überprüft, ob jedes Wort der Übersetzung mit dem – auch für jede grammatische Wortform festgelegten – Standard übereinstimmt. In mehreren Durchgängen (Iterationsverfahren) wurden dann die Standards laufend verbessert und das Zeichensystem für die grammatischen Formen und Standardwortanzeiger ständig erweitert. Während zunächst das Schwergewicht auf der lexikalischen, d.h. die Standards betreffende Seite lag, wurde anschließend die grammatische Seite mehr berücksichtigt. Die Hauptaufgabe bestand darin, die Übersetzungen bei überschneidungsfreien, nach Wortfamilien geordneten Standards ohne Verringerung der Genauigkeit gut lesbar zu machen.

Ergänzend sind außerdem Konkordanzen zum Alten und Neuen Testament entstanden sowie diverse Auslegungen zu biblischen Themen (Prophetie, Namen- und Zahlenkonkordanz, Wortbetrachtungen usw.).

Wie deutlich wird, ist diese Übersetzung wohl mit dem größten Aufwand betrieben worden. Neben einer streng konkordanten Übersetzung aller Wörter (das heißt einer Wort-zu-Wort Übersetzung) wurden selbst die Verbformen identisch übernommen. Obwohl in Kursivdruck auch Füllworte zugelassen wurden, ist das Ergebnis eine extrem ungewohnte, aber hoch genaue Studienbibel. Zum Vorlesen ist sie allerdings genauso wenig geeignet wie die Bibel von Aquila.

Eine Kostprobe (Psalm 67,1-5, ohne Sonderzeichen):

67
Die Völker danken und freuen sich

1 Dem Überdauernden.
In Saitenspielen.
Psalm. Lied.
2 ÄloHIM begnadet uns und segnet uns,
er erlichtet sein Angesicht samt uns
– SäLaH-
3 zu erkennen im Erdland deinen Weg,
in allen Nationen deine Rettung.
4 Es danken dir die Völker, ÄloHiM,
es danken dir die Völker, sie alle
5 Es freuen sich und lichtrufen
die Volksstämme,
denn du richtigst die Völker
in Geradigtem,
und die Volksstämme,
im Erdland leitest du sie.
SäLaH.

Freilich kann erst nach einer gewissen Zeit der Gewöhnung mit dieser Übersetzung gearbeitet werden. Durch die ungewohnte Wortwahl wird man aber immer wieder zum Nach- und Überdenken aufgefordert. In Vers 5 kann man nur so erkennen, dass es statt Richten so wie es in der Konkordanten Übersetzung und der von Buber genutzt wird, eigentlich Richtigen heißt, d.h. von einem Zurechtbringen der Völker die Rede ist. Die Verwendung der Neuschöpfung „Lichtrufen“ (V. 5) wird in der „Begriffserklärung“ im Anhang erläutert:

Lichtrufen (RaNaN): Ein helles (lichtes) Rufen, ein Künden im Jubelton (Jes. 3,6), auch der singende Ruf in der Lichtesfreude der Rettung (Psalm 20,6). Der Wortstamm RoN Licht-Ertönung (Ps 32,7) ist eine Umdrehung des Wortstamms (NeR) Leuchte, der auch in dem Wort MöNORaH [Menora] Leuchter erscheint. Die Lichtkomponente wurde deshalb in der Wiedergabe von Wörtern mit dem Wortstamm RN berücksichtigt.

Im Kontext verdeutlicht es, dass sich die Völker freuen, weil sie allesamt von Elohim errettet (gerichtigt) werden. Es fällt außerdem auf, dass in der Übersetzung vom Buber Elohim mit Gott übersetzt wurde, obwohl es nur eine von vielen Bezeichnungen von Gott ist (neben El, Eloah, Jewe, usw). Elohim bedeutet: die zu Al hin Unterordnenden. Diese können der Vater gemeinsam mit Seinem Sohn (wie in diesem Fall) oder Boten oder sogar Menschen sein. Wie auch in diesem Fall wurden Namen nicht eingedeutscht, sondern nur eine geeignete Laut-Transkription gewählt, weil Baader Namen und ihrer Aussprache hohe Bedeutung beimisst.

Beispiele für Fehlübersetzungen (Verse)

Matthäus 20,27 – Die Seele

Konkordantes NT (KNT)(Dünndruck=Zusatz) Die Gute Nachricht Elberfelder1905 DaBhaR(Kursiv=Zusatz) Schlachter
und wer unter euch der Erste sein will, soll euer Sklave sein, ebenso wie der Sohn des Menschen nicht kam, um bedient zu werden, und wer von euch an der Spitze stehen will, soll sich allen unterordnen. Auch der Menschensohn ist nicht gekommen, um sich bedienen zu lassen, und wer unter Euch der Erste sein will, soll euer Knecht sein; gleich wie der Sohn des Menschen nicht gekommen ist, um bedient zu werden, Und wer gleichsam inmitten von euch willens ist, ein Vorderer zu sein, wird euer Sklave sein, ebenso, wie der Sohn des Menschen nicht kam, um bedient zu werden, und wer unter euch der Erste sein will, der sei euer Knecht, gleich wie des Menschen Sohn nicht gekommen ist, sich dienen zu lassen,
sondern um zu dienen und Seine Seele als Lösegeld für viele zu geben. sondern um zu dienen, und sein Leben als Lösegeld für alle Menschen dahin zu geben. sondern um zu dienen und sein Leben zu geben als Lösegeld für viele. sondern zu dienen und seine Seele zu geben als Lösendes an vieler statt. sondern damit er diene und sein Leben gebe zum Lösegeld für viele.

Seele oder Leben?

Dies ist ein gutes Beispiel dafür, wie wenige Worte den Sinn einer Übersetzung stark verändern. Die diskordanten Übersetzungen nach Luther und Schlachter, sowie die „Gute Nachricht“ und die Elberfelder geben das griechische psuche (Seele) nicht nur an dieser Stelle mit „Leben“ wieder. Wird damit die Verständlichkeit gefördert oder die Aussage des Grundtextes unzulässig verändert? Der Begriff Seele kommt im AT über 700mal vor (nephesh) und im NT über 100mal (psuche). Das griechische psuche wird von Luther nun außer mit Seele 2mal mit Herz, 1mal mit (jeder)man, 1mal mit Mut und wie auch hier 35mal mit Leben übersetzt. In konkordanten Übersetzungen werden die Wörter einheitlich wiedergegeben, das heißt psuche und nephesh mit Seele. Wenn aber „Leben“ statt „Seele“ gemeint war, warum finden wir nicht das entsprechende Wort (nämlich zoe) im Urtext?

Durch derartig uneinheitliche Übersetzungen kann der Leser gar nicht mehr herausfinden, was die Bibel mit dem Begriff Seele ausdrücken will. Der Mensch wurde eine lebende Seele (und nicht etwa ein lebendes Leben) nachdem Gott Lebensodem (Geist) in den Körper, der aus Erdreich geformt war, gehaucht hat (1. Mose 2,7). Dies ist ein allgemeines Prinzip, das für alle Lebewesen gilt, die sich selbst bewegen können, also auch für Tiere (Seele von Tieren: 1. Mose 1,20f; 3.Mose 17,11ffStrong H5315; Geist von Tieren: Prediger 3,21). Es gibt zahlreiche Schriftstellen, welche eine Beziehung zwischen der Seele und den Sinnen herstellen (5. Mose 12,20; 23,25; Psalm 107,18; Jesaja 32,6 u.v.a.). Der Begriff „Seele“ steht also für die Gesamtheit an Erfahrungen und Empfindungen, die ein Mensch im Lauf seines Lebens macht. Sie steht auch für Überzeugungen und Glaubenswachstum, also für seine Persönlichkeit. Die Seele ist also das Wertvollste, was ein Mensch besitzt. Mit jeder neuen Erfahrung ändert sie sich in positiver oder negativer Richtung. Spricht die Bibel davon, dass die Seele umkommt (z.B. Joh. 12,25), meint sie dass der Mensch seine Überzeugungen aufgibt. Daher kommt auch die Redewendung, seine Seele zu verkaufen, wenn man positive Ideale zugunsten niederer Motive aufgibt. Seele hier einfach mit „Leben“ zu übersetzen, würde der Aussage des Textes also nicht gerecht werden.

Mit diesem Wissen machen viele Stellen, die durch falsche Übersetzungen geradezu entstellt werden, wieder Sinn. So heißt es in Joh. 15,12-14 „Dies ist mein Gebot, dass ihr einander liebt, so wie ich euch geliebt habe. Größere Liebe kann niemand haben als die, dass jemand seine Seele [und nicht etwa Leben!] für seine Freunde hingibt.“ Hier wird natürlich nicht zum Selbstmord oder Märtyrertum für andere Menschen aufgerufen, was die Fehlübersetzung nahe liegen könnte, sondern dazu, seine eigenen Genüsse und sein eigenes Empfinden in der Gesamtheit zurückzustellen und den Anderen darüber zu stellen, den Anderen selbstlos (!) zu lieben. In diesem Sinn stellt auch Paulus in 1. Kor. 2,14 den seelischen (psuchikon) Menschen [oft mit „fleischlich“ übersetzt], dem geistlichen Menschen gegenüber. Modern ausgedrückt kann man Seele oft mit dem „Ego“ des Menschen, seinen eigenen Wünschen, Interessen und seinem Empfindungen gleichstellen. Nur der geistliche Mensch wird von Gott befähigt die Seele, also sein Ego, zurückstellen und andere Menschen wirklich zu lieben. Klar ist auch, dass es die Möglichkeit der Empfindung nach dem Tod nicht mehr gibt, denn Geist und Körper werden dann getrennt. Der Begriff Seele wird in der Bibel daher auch verwendet, um den Menschen an sich zu bezeichnen (Apg. 7,14; Apg. 27,32), wie auch in unserer Sprache („das Dorf hat 300 Seelen“). Die Bibel spricht davon, dass die Seele nach dem Tod nicht mehr wahrnehmbar ist, bzw. dass sie im Ungewahrten (=Hades) ist (Apg. 2,27). Damit dürfte auch klar geworden sein, dass die biblische Lehre über die Seele in wesentlichen Punkten der gemeinhin bekannten und verbreiteten Vorstellung widerspricht. Diese unbiblischen Philosophien (die z.B. von einer „unsterblichen“ Seele ausgehen, die ein Teil des Menschen sein soll) wurden vom Gnostizismus entwickelt, von dem griechischen Philosophen Platon verfeinert und von seinen geistigen Nachfolgern (Neoplatonismus) in die Welt getragen, und von dem Kirchenvater Origenes in die Kirchendogmen.

Der Auftrag Jesu

Mit diesem Wissen steht nun Mt. 20,28 wie auch die Parallelstelle Mk. 10,45 in einem ganz anderen Licht, als in den diskordanten Übersetzungen. Zunächst ist wichtig zu sehen, wovon hier nicht die Rede ist: Sie spricht nicht vom Tod Christi. Sie sagt, dass Er Seine Seele gab, nicht sein Leben. Mit keinem Wort wird die Rettung erwähnt. Dienst ist das Thema, das hier erörtert wird. Ebenso wenig lesen wir von Sünde, sondern von der Ausübung der Herrschaft und von der Bereitschaft zu dienen. Zur Zeit der Aussage des Herrn in Matthäus 20 war den Jüngern die Bedeutung Seines Todes kein Begriff, und sie rechneten wohl auch nicht damit, da sie das Königreich als unmittelbar bevorstehend wähnten. Andernfalls wäre ihrer Meinung nach ja auch ihre ganze Erwartung hinfällig geworden, was ihre Reaktionen auf die Andeutungen des Herrn bezüglich Seines Todes später zeigen. Sie haben daher Seine Worte gar nicht so verstanden, wie sie heute interpretiert werden; sie hätten sie auch gar nicht so verstehen können. Wir tun daher dieser Schriftaussage Gewalt an, wenn wir sie in Verbindung mit dem Tod des Herrn sehen und meinen, wir müssten hier „Seele“ durch das Wort „Leben“ ersetzen.

Nein, hier ist etwas anderes gemeint, was durch die konkordanten Übersetzungen klar wird. Jesus kam zunächst nur auf die Erde, um Sein Volk Israel auf das 1000-jährige Königreich vorzubereiten. So weist Jesus die Zwölfe an: „Geht aber vielmehr zu den verlorenen Schafen des Hauses Israel … heroldet und sagt: Genaht hat sich das Königreich“ (Mt. 10,6). Dieser Auftrag Jesus nur an Israel wird in Mt. 20,28 beschrieben, denn die Menschwerdung ist eine Erniedrigung für Jesus Christus, dem Sohn des allmächtigen Gottes: „Denn diese Gesinnung sei auch in euch, die auch in Christus Jesus ist: der, als Er in der Gestalt Gottes war, es nicht als ein Rauben erachtete, ebenso wie Gott zu sein; sondern Er entäußerte Sich Selbst, nahm die Gestalt eines Sklaven an, wurde den Menschen gleich gestaltet.“ (Phil. 2,6-7). Statt als Herrscher auf der Erde zu sein, durchlebte Er als Sklave Entbehrungen, die mit Armut, Schwachheit und Erniedrigung einher gingen. Seine Seele zu geben, bedeutet also, Verzicht zu üben zugunsten einer Aufgabe.

Die „vielen“ sind also auch nicht alle, wie die Gute Nachricht kurzerhand die Aussage des Grundtextes abändert, um sie der herrschenden theologischen Interpretation anzupassen. Wir wissen doch, dass durch den Tod Christi, die Sünden ausnahmslos aller Menschen getilgt sind (Joh. 1,29) und das Leben aller Menschen durch den Tod Jesu völlig passiv gerechtfertigt ist (Römer 5,18; 1. Kor. 15,22). Da es in der Bibel keine Widersprüche gibt, ist auch deswegen klar, dass hier nicht der gleiche Sachverhalt (also der Tod Jesu) thematisiert ist. Nein, es geht um die aus dem Bund der Beschneidung (um Israel, nicht um die gesamte Menschheit!), die unter dem Gesetz versklavt waren und dieses nicht erfüllen konnten. So nahm Er ihren Platz unter dem Gesetz ein und erfüllte es für sie (Mt. 5,17). Das alles hat nichts mit uns zu tun, denen aus den Nationen, denen gar kein Gesetz gegeben wurde. Das Evangelium, das Jesus verkündete, war auf das Gesetz bezogen und deswegen ein völlig anderes, als das des später auftretenden Paulus, das an die Nationen gerichtet ist und nach dem Tod Jesu eine ganz andere Basis hat.

Römer 5,18 – Verdammnis für alle Menschen?

Konkordantes NT (KNT)(Dünndruck=Zusatz) Revidierte Elberfelder Elberfelder1905 Luther1912 Schlachter
Demnach nun, wie es durch die eine Kränkung für alle Menschen zur Verurteilung kam, Wie es nun durch eine Übertretung für alle Menschen zur Verdammnis <kam>, also nun, wie es durch eine Übertretung gegen alle Menschen zur Verdammnis gereichte, Wie nun durch eines Sünde die Verdammnis über alle Menschen gekommen ist, Also: wie der Sündenfall des einen zur Verurteilung aller Menschen führte –
so kommt es auch durch den einen Rechtsspruch für alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens. so auch durch eine Gerechtigkeit[A] für alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens.A) o. Rechtsspruch, o. Gerechtsprechung, o. Rechtstat so auch durch eine Gerechtigkeit gegen alle Menschen zur Rechtfertigung des Lebens. so ist auch durch eines Gerechtigkeit die Rechtfertigung des Lebens über alle Menschen gekommen. so führt auch das gerechte Tun des Einen alle Menschen zur lebenbringenden Rechtfertigung.

Was ist hier mit „eine Kränkung“ und „den einen Rechtsspruch“ (KNT) gemeint? 1. Kor. 15,22 gibt hier deutlicher Auskunft: „Denn wie durch Adam alle starben, so werden auch in Christus alle lebendig gemacht“. Die Aussage ist also, dass es eine doppelte Pauschalverurteilung gibt, die ausnahmslos alle Menschen betrifft: Durch den Sündenfall eines Menschen (Adam) wurde die gesamte Menschheit nach ihm sterblich, auch in geistlicher Hinsicht. Geistlich tot ist ein Mensch, wenn er keine Geistesgemeinschaft mit Gott hat (1.Joh.3,14; Off.3,1; 1.Tim. 5,6; Lk. 15,24ff; Eph.5,14). Diesen Tod erleiden alle Menschen – sie sind solange tot, bis Christus sie erlöst, bis sie also gläubig werden. 1. Kor 15,22 und Römer 5,18 sagen nun deutlich, dass letztlich alle durch Christus aus diesem geistlichen und körperlichen Tod heraus geholt werden. Römer 5,18 sagt außerdem, dass das nichts als gerecht ist, schließlich kam der Tod auch ohne das Zutun der Menschen nach Adam über sie. Das ist also die vollkommene und logische Gerechtigkeit Gottes. Dies wird deutlich in der Übersetzung nach Schlachter und im Konkordanten Neuen Testament.

Die Luther- und Elberfelderübersetzung spricht nun davon, dass alle Menschen „verdammt“ wurden. Verdammnis entspringt dem lat. „damnare“ und bedeutet (Wahrig, Deutsches Wörterbuch): „verflucht, alle die zur Höllenstrafe verdammt worden sind“. Demnach kommt also jeder Mensch in die „Hölle“, wird aber außerdem auch noch gerechtfertigt? Das ist natürlich grober Unsinn: Hier liegt eine weitere Fehlübersetzung von Aussagen der Bibel vor.

Der Grund für diese Übersetzung ist die Erbsündenlehre des Augustinus (354-430). Er stellte die abstruse Theorie auf, dass jeder Mensch „Mittäter“ beim Sündenfall des Adam gewesen sei und deswegen auch eine endlose Höllenstrafe für jeden Menschen gerechtfertigt sei (was der schlechten lateinischen Übersetzung der Vulgata zuzuschreiben ist, die Römer 5,12 mit „Sünden in statt durch Adam“ übersetzte – Augustinus beherrschte kein Griechisch) und die dann durch die Geschlechtslust bei der Geburt auf jeden Menschen übertragen wird. Durch Adam wurde also seiner Meinung die Perspektive der Verdammung vererbt. Nur ein Teil, die von Gott auserwählten Menschen, werden davon erlöst (ein nicht erwähltes Baby landet also in der Hölle). Diese klare Irrlehre sollte wohl mit dieser Übersetzung in die Bibel getragen werden.

Das Grundtextwort, dass hier wie auch an anderen Stellen mit „verdammen/Verdammnis“ übersetzt wurde, lautet „kata krisis“, wörtlich „Verurteilung“. An folgenden Stellen wurde statt Urteil, Verurteilung z.B in der Lutherübersetzung mit „Verdammnis“ übersetzt: Mk. 12,40; Lukas 20,47; 23,40; 24,20; Rö. 3,8; 5,16f; Rö9,22; 2. Kor. 3,9. Außerdem wurde das Grundtextwort „ap ollumi“ (wörtlich: „ganz-auflösen“) mit Verdammnis übersetzt, statt mit „umkommen, untergehen“ (im Sinne von Sterben): Mt. 7,13; Rö. 9,22; Phil. 3,19; 1. Tim. 6,9; 2. Petrus 2,1ff; 3,7; Offb. 17,8-11.

An folgenden Stellen ist zudem der Tod in der Gehenna gemeint: Mt 23,14 (Sohn der Gehenna), Mt. 23,33 (Gericht der Gehenna). Der Begriff „Verdammnis/verdammen“ ist also unbiblisch und hat mit keinem Grundtextwort etwas gemein.

Römer 16,25 – ewige Zeit?

Konkordantes NT (KNT)(Dünndruck=Zusatz) Revidierte Elberfelder Elberfelder1905 Luther1912 Schlachter
Ihm aber, der euch festigen kann gemäß meinem Evangelium Dem aber, der euch zu stärken vermag nach meinem Evangelium Dem aber, der euch zu befestigen vermag nach meinem Evangelium Dem aber, der euch stärken kann laut meines Evangeliums Dem aber, der euch stärken kann laut meines Evangeliums
und der Heroldsbotschaft von Christus Jesus, gemäß der Enthüllung eines Geheimnisses, und der Predigt von Jesus Christus, nach der Offenbarung des Geheimnisses, und der Predigt von Jesu Christo, nach der Offenbarung des Geheimnisses, und der Predigt von Jesu Christo, durch welche das Geheimnis offenbart ist, und der Predigt von Jesus Christus, gemäß der Offenbarung des Geheimnisses,
das in äonischen Zeiten verschwiegen war, nun aber offenbar wurde und durch prophetische Schriften das ewige Zeiten hindurch verschwiegen war jetzt aber offenbart und durch prophetische Schriften das in den Zeiten der Zeitalter verschwiegen war, jetzt aber geoffenbart und durch prophetische Schriften, das von der Welt her verschwiegen gewesen ist, nun aber offenbart, auch kundgemacht durch der Propheten Schriften das von ewigen Zeiten her verschwiegen gewesen, jetzt aber geoffenbart und durch prophetische Schriften
gemäß der Anordnung des äonischen Gottes für alle Nationen bekanntgemacht worden ist, um Glaubensgehorsam zu wirken nach Befehl des ewigen Gottes zum Glaubensgehorsam an alle Nationen bekanntgemacht worden ist nach Befehl des ewigen Gottes, zum Glaubensgehorsam an alle Nationen kundgetan worden ist, nach Befehl des ewigen Gottes, den Gehorsam des Glaubens aufzurichten unter allen Heiden: auf Befehl des ewigen Gottes kundgetan worden ist, zum Gehorsam des Glaubens, für alle Völker, –
Ihm, dem allein weisen Gott sei durch Christus Jesus Verherrlichung dem allein weisen Gott durch Jesus Christus, ihm sei die Herrlichkeit dem allein weisen Gott durch Jesum Christum, ihm {W. welchem} demselben Gott, der allein weise ist, ihm, dem allein weisen Gott, durch Jesus Christus,
für die Äonen der Äonen! Amen in Ewigkeit[A]! Amen. A) w. in die Zeitalter (griech. Äonen) sei die Herrlichkeit in Ewigkeit! Amen. sei Ehre durch Jesum Christum in Ewigkeit! Amen sei die Ehre von Ewigkeit zu Ewigkeit! Amen.

Die Aussage wird bei den meisten Übersetzungen einigermaßen klar: Das spezielle Evangelium des Apostel Paulus (mein Evangelium) war über eine sehr lange Zeit hinweg (über mehrere Äonen, also äonische Zeiten lang) unbekannt und wurde dann enthüllt. Der Zustand der Verhüllung hatte also ein Ende. Wer hat das enthüllt? Der in den Äonen als Unterordner handelnde Gott (im Griechischen theos=Unterordner), also der äonische Gott! Denn erst nach allen Zeiten wird das Unterordnen nicht mehr nötig sein, wenn Er der Vater aller und alles in allen sein wird. Hier ist also nicht gemeint, dass Gott etwa zeitlich begrenzt ist, sondern die Zeit des Ordnens ein Ende haben wird. Dies wird deutlich im Konkordanten Neuen Testament.

Hier wird besonders deutlich, dass die nichtkonkordanten Übersetzung mit der Übersetzung „ewig“ falsch liegen. Denn das zu Äon gehörende Adjektiv äonisch wird diesmal nicht mit dem abstrakten Begriff Leben verknüpft, sondern es beschreibt eine zeitliche Begrenztheit.

Die Elberfelder übersetzt dann auch die Zeitlichkeit betonend, aber völlig unverständlich „in die Zeiten der Zeitalter“ für äonisch und Luther „in die Welt“ – auch im Sinn von zeitlich begrenzt. Merkwürdig nur, dass das gleiche Wort äonisch wenige Worte weiter mit dem Gegenteil „ewig“ übersetzt wird! Hier wird wissend Gottes Wort verdreht, und das bei einem zentralen Begriff der Bibel.

Die Revidierte Elberfelder und Schlachter führen sogar etwas ganz Neues ein: „Ewige Zeiten“ soll etwas verborgen gewesen sein, was dann enthüllt wurde. Die „ewigen (äonischen!) Zeiten“ hatten also ein Ende, sonst wäre es ja immer noch verhüllt. Ewig im Sinn von „zeitlos, unendlich lange andauernd“ ist also eindeutig die falsche Übersetzung. „Ewige Zeiten“: Das ist genauso sinnig wie die Wortkombination „weißer Farbiger“. Denn entweder es ist etwas zeitlich (was hier ganz klar ist) oder es war schon immer so und wird auch immer so bleiben („ewig“).

Die Äonen der Äonen

Für die Äonen der Äonen wird Gott durch Christus Jesus verherrlicht werden. Ist das eigentlich jetzt schon der Fall? Nein, offensichtlich noch nicht! Was bedeutet also die Kombination „für die Äonen der Äonen“? Es sind mindestens zwei besondere zukünftige Äonen, herausgegriffen aus mehr als zwei Äonen.

Von „Ewigkeit zu Ewigkeit“ (Schlachter) ist schon so verfloskelt, dass gar nicht mehr auffällt, wie unsinnig dieser Sprachgebrauch ist. Wie soll etwas von einer Unendlichkeit zu einer anderen andauern? Gibt es etwa mehrere Unendlichkeiten?

„In die Zeitalter“ (Revidierte Elberfelder) lässt den Leser völlig im Unklaren. Was soll das bedeuten? Reicht hier etwas in Zeitabschnitte hinein? Wenn etwas beispielsweise in einen Tag hinein reicht, was ist dabei die Aussage?

„In Ewigkeit“ (Luther, Elberfelder) ist auch falsch, ganze Begriffe wurden hier nicht übersetzt. Außerdem wird die Aussage vernebelt. Christus Jesus hat nicht immer geherrscht und wird auch in Zukunft nicht immer herrschen (1Kor 15,20-28). Von einer „Ewigkeit“ kann also keine Rede sein!

Markus 10,30 – Das äonische Leben

Konkordantes NT (KNT) Revidierte Elberfelder Elberfelder
1905
Luther
1912
Schlachter
… und im kommenden Äon äonisches Leben. … und in dem kommenden Zeitalter[A] ewiges Leben. A) griech. Äon … und in dem kommenden Zeitalter ewiges Leben. … und in der zukünftigen Welt das ewige Leben. … und in der zukünftigen Weltzeit ewiges Leben.

Aion ist halbwegs akzeptabel übersetzt: Die Revidierte Elberfelder lässt wenigstens noch in der Fußnote erkennen, dass hier von einem Äon die Rede ist. Warum übersetzt man nicht im Haupttext so?

Aion wird stattdessen mit Zeitalter übersetzt, was zwar nicht falsch ist, aber den Nachteil hat, den Zusammenhang zum Adjektiv aionion (äonisch) nicht transparent werden zu lassen. Luther übersetzt mit „Welt“ (missverständlich, da auch kosmos mit Welt übersetzt wird) und Schlachter mit „Weltzeit“, was den Sinn besser trifft als „Zeitalter“, da der sehr lange Zeitraum deutlich wird.

Regelrecht verzerrend ist dagegen die Übersetzung von aionion (äonisch) mit „ewig“.

Gerade an dieser Stelle wird besonders deutlich, dass das Adjektiv „aionion“ (äonisch) logischerweise direkt mit dem zeitlich begrenzten Äon zusammenhängt, also ebenfalls zeitlich ist. Dennoch wird in allen Übersetzungen außer dem KNT theologisch mit „ewig“ interpretiert und nicht exakt übersetzt. Denn eine Weltzeit bzw. ein Zeitalter hat ein Anfang und Ende. Ein Leben, dass sich darauf bezieht, ist selbstverständlich auch zeitlich, also vergänglich mit Anfang und Ende. Es kann ja auch nicht sein, dass das Adjektiv aionion eine völlig andere Bedeutung als das Substantiv aion hat!

Äonisches Leben

Äonisches Leben bezeichnet das Leben während bestimmter Äonen – des Millenniums und der neuen Erde (für die aus Israel) bzw. in den Himmeln (für die aus den Nationen). Es ist eine gleichwertige Gabe für bestimmte von Gott erwählte Menschen (die Gläubigen), die währenddessen Aufgaben im Heilsplan Gottes ausführen. Das äonische Leben wird nach diesen Äonen beendet sein. Die Menschen, die das äonische Leben nicht erhalten, leben während dieser Zeit nicht. Sie sind damit zwar vordergründig bestraft, landen aber keinesfalls in einer Hölle oder sind dauerhaft tot, wie die Alternative oft ausgemalt wird. Auserwählt wird also zum äonischen Leben und nicht zur Rettung. Die Irrlehre der Prädestination nach Calvin, die einerseits von der Auswahl zur Rettung und damit logischerweise andererseits zur Hölle (die einer anderen Irrlehre entspringt) ausgeht, basiert somit auf dem, auch wegen unrichtiger Übersetzungen, nicht erkannten Unterschied zwischen äonischem Leben (das nur einer Auswahl gilt) und Aussöhnung/Rettung (die alle Menschen erfahren werden).

Beispiele für Fehlübersetzungen (Wörter)

Aion, olam = Ewigkeit?

Im Neuen Testament wird bei Zitaten aus dem Alten Testament das hebräische „olam“ mit „aion“ wiedergegeben (Heb. 1,8; Heb. 5,6; 1. Petrus 1,25). Es liegt also eine Bedeutungsgleichheit vor. Luther übersetzte „aion“ 37mal mit „Welt“. 75 mal benutzte er „Ewigkeit“/ „ewig“/“ewiglich“, jeweils 1mal „Lauf“, „vorzeiten“ und „Zeit“. „aionion“ übersetzte er 67mal mit „ewig“ und 3mal mit „Welt“. Diese Vielfalt macht deutlich, dass die Begriffsbedeutung nicht in der Bibel selbst gesucht wurde. Offensichtlich waren hier also zumindest bei einem Teil der fallweisen Übersetzungen bzw. Interpretationen ausserbiblische Überlegungen und Vorstellungen Ausschlag gebend.

Übersetzungschaos bei dem griechischen aion

Untersucht man alle Belegstellen, erkennt man Folgendes: Übersetzt Luther aion mit Welt (z.B. Mt. 12,32; Mk. 10,30; Lk. 18,30; Rö. 16,25; 1.Kor. 10,11, Eph. 1,21; 3,21; Kol. 1,26; 1.Tim.1,17; 2.Tim. 1,9; Heb. 9,26) ist nicht ein Ort im Universum gemeint, sondern ein bestimmter Zeitabschnitt mit einem Anfang (1. Kor. 2,7) und einem Ende (Abschluss des Äons: Mt. 13,39; 13,49; 24,3; Hebr. 9,26, 1.Kor. 10,11). Der Begriff „Äon“ wird auch als Fachbegriff in der Geologie verwendet, um einen langen geologischen Zeitabschnitt zu bezeichnen (natürlich ist dort nur diese eine Bedeutung bekannt!). Dabei geht man von zwei vergangenen Äonen aus (Archaikum, Proterozoikum) – der gegenwärtige dritte Äon wird Phanerozoikum genannt, weiter untergliedert wird in Ären (Entsprechung in der Bibel: oikonomia). Wichtig zu erkennen ist, dass auch in der Bibel die Bedeutung von „Zeitabschnitt“ zwingend ist – die angebliche andere Bedeutung von „Endlosigkeit/Ewigkeit“ war an den oben genannten Stellen aus spachlogischen Gründen nicht möglich. Andere Übersetzungen verwendeten daher auch den Begriff „Zeitalter“ oder noch besser „Weltzeit“. Da aber auch schon kosmos richtigerweise mit Welt übersetzt wird, im Sinn einer Gesellschaftsordnung, kann diese Übersetzung für Aion nach der konkordanten Methode nicht mehr verwendet werden, zumal es den Aspekt der Zeitlichkeit nicht ausreichend betont.

Ewigkeit bedeutet nicht endlos

Der deutsche Begriff Ewigkeit/ewig, den Luther außerdem benutzte, hat im Laufe der Zeit die ursprüngliche Bedeutung (langer Zeitraum, verwandt mit dem alth. ewa, Ehe; entstammt dem indogermanischen aju=Lebensdauer) verloren. Die Redewendung „ewig und drei Tage“ beispielsweise entstammt dem Mittelalter. Sie entstand, weil es damals 18 Monate dauerte, bis die Einspruchsfrist für ein Rechtsgeschäft, wie eine Erbschaft, verjährt war. Zu diesem sehr lang wirkenden Zeitraum kamen noch drei Tage hinzu, in denen das Landgericht über den Vorgang tagte. Ewig ist also einfach nur ein als lang empfundener Zeitraum.

Aion bedeutet nie zwingend Endlosigkeit

Diese eigentliche Bedeutung hat es in der Theologie verloren, und das Gegenteil „Unendlichkeit“ angenommen. Allerdings ergibt sich diese Interpretation von Aion an keiner Belegstelle aus dem Text selbst, im Unterschied zur Übersetzung im Sinn von Zeitalter. Lediglich (offensichtlich unbiblische) vorgefasste Meinungen gaben hier wohl den Ausschlag für die vorgenommene Bedeutungsveränderung hin zu einer „Endlosigkeit“. Angebliche Hinweise auf die Bedeutung der Unaufhörlichkeit lassen sich leicht entkräften. In 2.Kor.4,18 beispielsweise geht es nicht um den Gegensatz von zeitlich und nichtzeitlich, sondern um einen kurzen Zeitabschnitt (proskairon hat nichts mit der Zeit chronos an sich zu tun, sondern bedeutet kurz befristet) im Vergleich zu einem wesentlich längeren (äonischen) Zeitabschnitt, der Dinge, die außerhalb der eigenen Lebenszeit liegen unsichtbar werden lässt.
Außerdem, im unwahrscheinlichen und der Geschichte der Sprache einmaligen Fall, dass ein Nomen zwei entgegengesetzte Bedeutungen haben kann, wie es gerne konstruiert wird, nach welchen Kriterien wird dann die richtige Bedeutung ausgewählt, wenn im Zusammenhang beides möglich wäre? Warum wurde in diesen Fällen immer mit Ewigkeit übersetzt, insbesondere wenn es um die Gerichte Gottes geht? Wie ist es zudem zu erklären, dass „aion“ auch in der Mehrzahl vorkommt (Gal 1,5 u.v.a.). Gibt es etwa mehrere Endlosigkeiten?

aionion ist ebenfalls zeitlich begrenzt

Wie sieht nun um „aionion“, dem Adjektiv von Aion, aus? Wie wählt man dort aus? Nicht nötig, wird dem erstaunten Laien erklärt: „aionion“ habe doch nur eine Bedeutung, und zwar „ewig“! Das Substantiv Äon soll also zwei sich widersprechende Bedeutungen haben, das zugehörige Adjektiv aber nur eine. Wie ist dieser Widerspruch zu begründen? Es ist wohl nicht nötig auszuführen, dass diese Aussage sprachlogisch absurd ist. Hilfreich war den „Übersetzern“, dass aionion in der Bibel meist mit abstrakten Begriffen wie Leben verknüpft wird, bei der die Falschübersetzung logisch nicht auffällt. Es gibt aber gern verschwiegene Belegstellen (Rö. 16,25; 2. Tim. 1,9), die der Interpretation von äonisch mit endlos klar widerlegt, während Titus 1,2 der Auslegung im Sinn einer Anfangslosigkeit von äonisch widerspricht, da von vor-äonischen Zeiten die Rede ist.

Bessere Übersetzungen

In konkordanten Übersetzungen werden die eingedeutschten Wörter „Äon“ bzw. „äonisch“ eingeführt, da kein deutsches Wort geeignet scheint, eine Übersetzung zu liefern. Die Definition für Äon in der Stichwortkonkordanz des KNT (S.371) lautet „Weltzeit, der längste Zeitabschnitt, eine Welt vom Gesichtspunkt ihrer Zeitdauer aus gesehen“ und äonisch bedeutet demnach folgerichtig: „die Äonen betreffend“. Nur wenn Aion einheitlich übersetzt wird, kann der Zeitplan Gottes, bestehend aus verschiedenen Äonen, die verschiedene Inhalte haben, erkannt werden.

Korrekte griechische Begriffe für Endlosigkeit

Es entbehrt auch jeder Grundlage, wenn behauptet wird, dass es im Griechischen anders nicht möglich sei, eine Unendlichkeit auszudrücken und die Schreiber deshalb gezwungen waren, den vorhandenen Zeitbegriff Äon mit einer völlig neuen, zusätzlichen Bedeutung zu belegen. Richtig ist, dass eine Endlosigkeit sehr wohl deutlich mit vorhandenem Vokabular ausdrückbar gewesen wäre. Man verwendet dazu Verneinungen (nicht nur im Griechischen), wie Unsterblichkeit (a thanasia, 1. Kor. 15,53; 1. Tim. 6,16), Unauflöslichkeit (a kata luton, Heb. 7,16), Niemals mehr (ou me eti, Offb. 18,21-23), Unvergänglichkeit (a phtharsia, 1. Kor. 15,42; 15,50; 15,53; 15,54; Eph. 6,24; 2. Tim. 1,10) bzw. unvergänglich (a phetheron Gott: Rö. 1,23; 1. Tim. 1,17). Wie kann nun ein Übersetzer z.B. davon ausgehen, dass es ja äonisches Leben nicht heißen kann, und statt dessen mit unvergänglichem Leben (ewigem Leben) übersetzen?

Folgen

Verfloskelte Unsinnigkeiten wie das Wortungetüm von Ewigkeit zu Ewigkeit können in einer wortgetreuen Übersetzung also nicht mehr gefunden werden. Was sollte das denn auch sein? Dauert da etwas was von einer Unendlichkeit zur nächsten an? Gibt es etwa mehrere Endlosigkeiten? Nein, die Erklärung ist einfach. Meist steht dort tatsächlich „für die Äonen der Äonen“ (z.B. Offb. 20,10 „tous aionas ton aionion“), was so viel bedeutet wie „während einiger Äonen, die besonders wichtig sind“; vergleichbar mit unserem Sprachgebrauch, wenn man den „Tag der Tage“ herausheben möchte.
In Mk.3,29 spricht Jesus auch beispielsweise nicht davon, dass es „keine Vergebung in Ewigkeit“ gäbe, sondern „keine Vergebung in dem Zeitalter (Äon!)“. Nach Offb. 11,15 dauert die Herrschaft des Sohnes „für die Äonen der Äonen“ (also für die letzten beiden Äonen – Millennium und die Neue Erde – statt von „Ewigkeit zu Ewigkeit“), denn danach wird Er sie ja Seinem Gott und Vater übergeben (1. Kor. 15,24-28), sie hat also ein Ende. Die „ewige Pein“ in Mt 25,46 ist richtig übersetzt eine „äonische Strafe“, da der nächste Äon (das 1000-jährige Königreich) nicht als Mitglied des herrschenden Volks Israel erlebt wird, sondern man statt dessen tot ist und danach zur Zurechtbringung das Gericht durchlitten werden muss (siehe auch 2. Petrus 2,9). Das Gericht des „ewigen“ (eigentlich äonischen) Feuers, das über Sodom und Gomorra kam (Judas 1,7) hatte ein Ende, wie wir wissen; Gott hat sogar den früheren Zustand hergestellt, ihr Geschick gewendet (Hes 16,53-55).

Überzeit als philosophisches Konstrukt

Wenn nun aber die Vorstellung von Ewigkeit nicht in der Bibel wiederzufinden ist, wo kam sie dann her? Der Begriffsinhalt von „unaufhörlicher Zeit“, die dem hebräischen Zeitdenken sowieso völlig fremd war, wurde in der Deutung als „Überzeit“ erst von Platon entwickelt und von Plutarch und der jüngeren Stoa übernommen. Die Unendlichkeit ist in der Philosophie die Bezeichnung für das Grenzenlose, in dem alle Phänomene angesiedelt sind, deren Ende nicht gedacht werden kann. Die Unendlichkeit gilt Platon als die wahrhafte Form des Seins, d. h. als Seinsweise der Ideen, die frei von allem Werden sind. Für die antiken Denker war zumeist die Welt unendlich – eine Auffassung, die mit der Bibel, die von einem zielgerichtet in Zeitabschnitten handelnden Gott berichtet, nichts gemein hat. Mit der Falschübersetzung Ewigkeit/ewig wurden also unbiblische Philosophien in die Bibel getragen.

Das „ewige“ Übersetzungs-Chaos

Es ist spannend wie ein Historienkrimi, zu ergründen, wie Übersetzungen und Kirchendogmen entstanden sind. Am Beispiel der Entstehung des Dogmas der „ewigen“ Verdammnis (bzw. der unendlich lange dauernden „Höllen“-qualen) soll deswegen im folgenden gezeigt werden, dass politische und gesellschaftliche Einflüsse die Theologie wesentlich stärker geprägt haben und prägen, als die Aussagen der Heiligen Schrift.

Während der Entstehung des Neuen Testament war Griechisch die einflussreiche Verkehrssprache um das gesamte Mittelmeer herum, obwohl das Zentrum der politischen Macht bereits Rom war. Griechisch war folglich auch die Sprache des Neuen Testaments. In den ersten beiden nachchristlichen Jahrhunderten verstanden also die Empfänger der Paulusbriefe genau, was Paulus mit den verwendeten Begriffen sagen wollte. Das Wort, welches Dr. Martin Luther über tausend Jahre später, teils mit Welt oder Zeit im Sinne von zeitlich begrenzt (40mal), und teils mit Ewigkeit und Abwandlungen (75mal) übersetzen sollte, hat im Griechischen nur einen Ursprung: „aion“. Das entsprechende Adjektiv heißt „aionion“.

Die erste Übersetzung ins Lateinische wurde nun nicht etwa im heutigen Italien geschrieben, sondern kam aus der nordafrikanischen römischen Provinz Karthago. Diese Provinz wurde 146 v.Chr. von Rom erobert und sprach fortan verstärkt Latein. Allerdings entfernte sich dieser lateinische Dialekt so weit vom römischen, dass der Geschichtsschreiber Polybius beklagte, selbst die sachkundigsten Römer könnten nur schwer den Wortlaut der früheren Verträge zwischen Rom und Karthago verstehen. Um Christi Geburt war der karthagische Dialekt wie eine Fremdsprache für die Römer.

In Karthago entstanden also erste lateinische Übersetzungen des griechischen Originals und hielten sich dort lange ziemlich unverändert. Sprachforscher behaupten, dass diese Übersetzungen von eher ungeschulten Kräften stümperhaft vorgenommen wurden. Als diese Übersetzungen auf italienischen Boden kamen, löste das Verwirrung aus, denn mit vielen karthagischen Begriffen konnten die Römer gar nichts anfangen, einige hatten eine andere Bedeutung erlangt.

Die alten karthagisch-lateinischen Übersetzer benötigten zwei Begriffe, um „aion“ zu übersetzen: Zum einen „seculum“, von dem unser säkular und z.B. das franz. siècle abstammt – zweifelsfrei im Sinn von Welt vom zeitlichen Standpunkt, als Generation oder Periode gemeint (im Unterschied zu gr. kosmos übersetzt mit mundus, die Welt im örtlichen Sinn). Der zweite benutzte Begriff war „aeternus“ , was wohl vor allem die Bedeutung von „ein Zeitalter oder lebenslänglich dauernd“ hatte. Wenn „aion“ in einem Satz zwei- oder dreimal vorkam, wie z.B. in der Wendung „für den Äon und für den Äon des Äons“ (Ps 10,16 u.a.), dann hat das Lateinische oft beides, aeternum und seculum: in das aeternum et in seculum secundi. Die beiden Worte hatten also eine mehr oder weniger ähnliche Bedeutung.

Diese Übersetzung gewann nun Einfluss im römischen Reich. Um zu verstehen, welche weitere Entwicklung sich an diese „Basisübersetzung“ anschloss, sollte man sich die politischen und gesellschaftlichen Randbedingungen vor Augen führen:

Politischer Machtpoker und der Mithras Kult

Wieso ist der 25. Dezember eigentlich ein besonderer Tag geworden? Keinesfalls, weil Jesus Christus an diesem Tag geboren wurde – denn es wird allgemein ausgeschlossen, dass sein Geburtstag im Dezember war. Nein, der Sage nach wurde ein gewisser Mithras an diesem Tag geboren, der auch Attribute des Sonnengottes Sol annahm, der an diesem Tag ebenfalls besonders verehrt wurde. Mitras ist eine persische, Mitra eine indo-iranische Gottheit, aus der schlussendlich Mithras wurde, der römische Gott des Lichts. Der Mithraskult dominierte über 200 Jahre die religiöse Welt des späten römischen Reiches, wo er insbesondere der Gott der Soldaten und Händler war. Viele Höhlenmalereien künden noch heute von diesem Mysterien-Kult, der nur Männern zugänglich war. 307 n.Chr. wird Mithras sogar vom römischen Kaiser (Caesar) Diokletian zum „Beschützer des Reichs (fautor sui imperii )“ ernannt. Erst 325 n.Chr. wurde von seinem Nachfolger Konstantin (dem Namensgeber von Konstantinopel) das „Konzil von Nicaea“ einberufen, in dem unter seiner Initiative eine Einigung mit dem neuen Christentum erzielt wurde und die römische Peterskirche gegründet wurde. Mit diesem rein machtpolitischen Schachzug und blutigen Schlachten unter dem Zeichen des Kreuzes hat er seinen Rivalen Maxentius, einen Anhänger des Mithraskults, besiegt.

Gegen 400 n.Chr. verschwindet der Name der alten Religion dann völlig, nachdem Theodosis 392 alle heidnischen Kulte verbietet. Die neue römisch-katholische Kirche vermittelte aber nicht etwa die ganz neuen und anderen Inhalte der Bibel, denn das hätte ihr ja unnötige Akzeptanzprobleme beschert. Statt dessen assimilierte sie, nur leicht verändert, die alten heidnischen Traditionen. Auch im Mithras-Kult wurde die Messe und eine Kommunion gefeiert, es gab eine heilsbringende Taufe, sieben Sakramente und die Lehre der Dreieinigkeit. Da Mithras als Sonnengott angesehen wurde, war der Sonntag („dies solis“) der ihm geweihte Tag. Das Christentum deutete ihn als „Tag des Herrn“ um und feierte Christus als „das wahre Licht“ und die „Sonne der Gerechtigkeit“. Mithras‘ Höhlentempel befand sich – auf den Hügeln des heutigen Vatikans und wurde 376 n. Chr. von der Kirche vereinnahmt. Der höchste Titel in der streng leistungsbezogenen mithrischen Hierarchie (von sieben Stufen) wurde „Pater“ genannt und wandelte sich zu „Papst“.

Wie stellten sich die Anhänger dieses Kultes nun das Ende der Welt vor? Es gibt eine große Schlacht, meinten sie, zwischen den Kräften des Lichts und der Finsternis. Die Erde wird zerstört und geht in einem Flammenmeer unter. Jene, die den Lehren der mithrischen Priesterschaft gefolgt sind, werden sich aber vorher den Geistern des Lichts anschließen können und sind damit gerettet. Diejenigen aber, die anderen Lehren gefolgt sind, landen zusammen mit Ahriman (dem Gegenspieler von Mithras, dem „Satan“) und den gefallenen Engeln in – einer „Hölle“ !

Auch die Wallfahrten und Pilgerreisen, die jetzt aufkamen, entsprachen herkömmlichen Kulten. Die Lichterprozession zu Mariä Lichtmess geht auf einen römischen Sühneumzug, das „Amburbale“, zurück. Der aufblühende Heiligen- oder Märtyrerkult hat seine Wurzeln in im heidnischen Heroen- und Totenkult. In der götzenhaften Marienverherrlichung lebte der uralte Göttinnenkult wie bei Isis mit deren Sohn Horus fort. Auch die Vorstellung einer göttlichen „Dreieinigkeit“ entspricht heidnischen Vorstellungen.

Um keine Zweifel über die römische Staatsform aufkommen zu lassen, wurde auch das offizielle Gottesbild in dieses Muster gepresst: Der christliche Gott sollte wie ein Caesar vor allem als unbarmherziger Richter gesehen werden, der das Gesetz gegeben hat und dem gehorcht werden musste. Die Beziehung zwischen Gott und den Menschen sollten daher gesetzlichen Charakter tragen. Im Unterschied zur Lehre der Bibel, die Gott in Seiner Beziehung zu den Menschen sieht, beginnt die römische Kirchenlehre mit dem Menschen und mit seiner Beziehung zu Gott. Der Mensch wird als gefallener und schuldiger Rebell hingestellt, der vor seinem Richter gelandet ist, statt entsprechend der Bibel, Gott in Seiner unermesslichen Liebe und Gnade darzustellen, deren sich der Mensch im Glauben erfreuen darf. Entsprechend dem römischen Machtsystem sollte auch Gott als die entscheidende Behörde, und der Mensch als Prüfling gesehen werden. Die römische, militärische Gewaltherrschaft wurden nun auf das neue Christentum übertragen. Es fehlte nur noch eine passende Lehre dazu, eine eingängige Theorie. Das besorgte ein karthagischer Intellektueller:

Tertullian

Um 160 n.Chr. in Karthago geboren, wurde Tertullian ein fesselnder Redner und Schriftsteller, ein scharfer Rhetoriker und ein geschickter Rechtsanwalt. Er war der erste, der damit anfing, sich systematisch daran begab, eine „christliche“ Lehre in lateinischer Sprache aufzubauen und so die Grundlagen einer lateinische Terminologie schuf, die sehr großen Einfluss auf das theologische Denken nach ihm haben sollte.

Bezeichnungen wie Trinität (Dreieinigkeit), Priester, Sakrament, verdammen (damnare), verloren (perditum) undHölle“ brachte er in die Bibel bzw. mit ihr in Zusammenhang. Sie sind alle sehr verschieden von den griechischen Wörtern des Grundtextes und daher als unbiblisch zu bezeichnen.

An dem Beispiel „Hölle soll das gezeigt werden. Der Begriff „Hölle“ hat seinen Ursprung im Namen der skandinavischen Todesgöttin „Hel“ (daher das engl. hell). „Hölle“ wurde und wird bis heute für das griechische Hades verwendet. Was verstanden nun die ersten, griechisch geprägten Christen unter diesem Begriff Hades (gr. aides)? Diese Bezeichnung wurde auch in der damals hunderte von Jahren alten orphischen Dichtung verwendet, als griechisches Kulturgut damals jedem Kind bekannt. Hades (wörtlich: Nicht-Wahrnehmbares) war dort der Gott der Unterwelt und wurde bald synonym für die Unterwelt selbst genutzt. In den Hades kamen demnach alle, die von der „Oberwelt“ Abschied nehmen mussten, also die Toten. Entscheidend ist nun, wie man darüber gedacht hat, was dort passiert. Die Antwort ist einfach: Nichts! Man ging davon aus, dass die Seelen der Abgeschiedenen dort in trostlosem Stumpfsinn hausen, ohne Erinnerung an die Vergangenheit auf der Oberwelt.
Im Neuen Testament wird Hades in der eigentlichen Wortbedeutung verwendet, um zu erklären, wo die Seele bleibt, wenn sich Körper (Rückkehr zur Erde) und Geist (Rückkehr zu Gott, s.o.) durch den Tod trennen. Das „Konkordante Neue Testament“ (KNT) übersetzt Hades mit der ursprünglichen Wortbedeutung „Ungewahrtes“, und drückt damit gut aus, was gemeint ist: Man kann die Seele nicht mehr wahrnehmen.
Erst der kirchliche Chefideologe Tertullian und seine geistigen Nachfolger machten daraus eine „Hölle“, ähnlich der im Mithraskult. Sie wollten mit einen Ort drohen können, in dem die kirchenuntreuen Menschen bei vollem Bewusstsein unendlich lange gequält werden.

In meisterhafter Art entwarf er nach diesem Muster weitere Formeln und kirchliche Lehrsätze. Nach und nach wurde so der Charakter der christlichen Lehre verändert und der Weg in ein römisches Dogmensystem gebahnt.

Statt den Menschen stufenweise mit den Wegen und den Willen Gottes bekannt zu machen, müssen sie, ohne eine Frage aufwerfen zu dürfen oder eine Erörterung führen zu können, die in starre und kristallharte Form gegossene Lehrmeinung der Kirche übernehmen.

Das war also der geistige Nährboden, auf dem diese karthagisch-lateinische Übersetzungen fielen.

Hieronymus und die „Vulgata“

Die provinzialischen Spracheigenheiten der afrikanischen Bibel wurden nun notdürftig zurecht geflickt, der Text nach den in Rom gebrauchten griechischen Abschriften zusammen gestümpert, und das Resultat war unbeschreibliche Verwirrung. Man behauptete, es gäbe wohl so viele Übersetzungen wie Handschriften, wenngleich das zweifellos übertrieben ist.

Um Ordnung in das Chaos zu bringen, beauftragte der römische Bischof Damasus 382 den römischen Gelehrten Hieronymus mit der schwierigen Aufgabe, eine verbindliche Übersetzung zu schaffen. Er wurde in Bethlehem sesshaft und studierte alle alten Handschriften des hebräischen Alten und des griechischen Neuen Testaments, die er in die Hände bekommen konnte. Von 386 bis 405 beschäftigte sich Hieronymus bestimmt sehr gewissenhaft mit der Revision der lateinischen Bibeln. Das Ergebnis war die „Vulgata“ (d.h. „einfach“, das Latein des normalen Volks).

Was machte nun Hieronymus mit dem griechischen Wort „aion“ bzw. den ihn vorliegenden Übersetzungen seculum und aeternum? In 128 Stellen kommt das griechische aion vor, 101mal übersetzte er mit seculum, 27mal mit aeternum. Sooft uns in der Offenbarung des Johannes „für die Äonen der Äonen“ begegnet, übersetzte er z.B. mit „für die secula der secula“ im Sinn eines begrenzten Zeitraums. Zur Erinnerung: Luther übersetzte 75mal mit Ewigkeit und 40mal mit Welt (bzw. teilweise weder noch).

Das zugehörige Verb „aionion“, das 67mal vorkommt, übersetzte Hieronymus 65mal mit aeternus und nur 2mal mit secular (2. Tim. 1,9, Tit. 1,2). 43mal kommt aionion in Zusammenhang mit Leben vor. Hieronymus übersetzt hier stets mit aeternus, da er ja auch schlecht mit „säkulares Leben“ (weltliches Leben) übersetzen konnte.

An vielen anderen Stellen kann man ebenfalls erkennen, dass Hieronymus mal mit aeternum und mal mit seculum, bzw. deren Adjektiven übersetzte, ohne ein System erkennen zu lassen. Will man ihm nicht unterstellen, dass er leichtfertig mit Gottes Wort umgegangen ist, lautet die Folgerung, dass auch Hieronymus beide Begriffe synonym (d.h. mit gleicher Bedeutung: zeitlich begrenzt) benutzt hat, denn nur dann wären sie so austauschbar.

Der Einfluss der Mächtigen

Justinian, der größte unter den oströmischen Kaisern, herrschte von 527 bis 565 in Konstantinopel. Im Jahr 540 traf er Vorbereitungen des berühmten Konzils, das später in seiner Hauptstadt tagte. Es war bei dem Kaiser unbestrittene Sache, dass gewisse Lehren unterdrückt werden mussten. In einem Schreiben an den Patriarchen Mennas von Konstantinopel legt er den Stand der Dinge dar und erörterte die kirchlichen Lehren mit großer Geschicklichkeit. Insbesondere verlangte er, es müsse mit unmissverständlicher Klarheit ausgesprochen werden, dass das Leben der Heiligen immerwährend sei und gleichfalls die Verdammnis der Verlorenen. Das war demnach durchaus nicht allgemeine Ansichtssache.

Die biblische Botschaft von einem liebenden Gott, der niemanden „ewig“ verflucht, verbannt oder verdammt, sondern alle Menschen zu sich zurückholen wird, wurde nun als Irrlehre hingestellt: „Wenn einer sagt oder meint, die Bestrafung der Dämonen und der gottlosen Menschen sei zeitlich und werde zu irgendeiner Zeit ein Ende haben […], der sei verflucht“. Damit hatte die Staatskirche eine der schärfsten Waffen gegen alle in der Hand, die ihrer Lehre nicht Folge leisten wollten: Das latente Drohen mit ewiger Verdammnis, die die Staatskirche in den folgenden eineinhalb Jahrtausenden nachdrücklich einsetzte. Sie wurde auch zur geistigen Grundlage der Inquisition und der Kreuzzüge, die Millionen von Menschen grausamste Qualen bereitet und das Leben gekostet haben. Verbrechen gegen die Menschlichkeit im Namen Gottes. Welche Blasphemie!

Das griechische aion bzw. die lat. seculum und aeternum wurden außerdem so per Edikt zu „unendlich“ umgedeutet. Entgegen dem griechischen Urtext und wohl auch entgegen dem Sinn von Hieroymus‘ Vulgata.

Latein blieb die Umgangssprache der römisch-lateinischen Kirche, und das Studium der Bibel war nur kirchlichen Führern vorbehalten. Die Kirche begnügte sich damit, ihre „Botschaft der Bibel“ dem Volk vornehmlich in lateinischen Predigten (die die Zuhörer nicht verstanden) oder in Form von Bildern weiterzugeben (Heiligenfiguren, Fensterglasmalereien). Vor den staunenden Kirchenvolk wurde ein kultisches Theater, genannt Messe, inszeniert. Das Volk wurde bewusst dumm gehalten und von den Lehren der Bibel getrennt. Fast alles reduzierte sich auf Geschichten des Alten Testaments und den Gleichnissen von Jesus. Von dem Heilsplan Gottes für alle Menschen erfuhren sie kaum etwas. Daran krankt die Theologe bis heute.

Im Unterschied dazu kann heute allerdings jeder selbst den Wahrheitsgehalt von Lehren überprüfen, die Organisationen verbreiten, denn jeder Interessierte hat Zugang zu sehr guten textgetreuen Übersetzungen bis zum Wortlaut des Originaltextes selbst.

Die nachrömische Zeit

Über tausend Jahre konnte sich nun Tertullians verfälschendes Begriffsgebäude zusammen mit der Vulgata in der Theologie fest verwurzeln. Die Versuche im Mittelalter, Teile der Bibel in der jeweiligen Landessprache im Volk zu verbreiten, stießen bei dem mächtigen römischen Klerus auf großen Widerstand. Sie befürchteten, dass das Volk die Bibel nicht nach dem offiziellen Verständnis auffassen und auslegen würde. Nicht zu unrecht!

Im Jahre 1199 wurden in Lyon einige Menschen verurteilt und auf dem Scheiterhaufen verbrannt, weil sie Teile der Bibel in französischer Sprache unter das Volk gebracht hatten. Die Märtyrer gehörten zu den Waldensern, einer evangelischen Bewegung, die wahrscheinlich im elften Jahrhundert entstanden sind.

In England dauert es noch bis zum 14. Jahrhundert, bis die Bibel als Ganzes ins Englische übertragen wurde. Diese Arbeit wurde von dem britischen Gelehrten und Priester John Wycliff ausgeführt. Unter großer Geheimhaltung (aus Furcht vor kirchlichen Behörden) wurde diese handgeschriebene englische Bibel viele Male kopiert. Die fertigen Kopien gab Wycliff seinen Nachfolgern mit, die als Laienprediger ausgesandt wurden, um in den Dörfern und Städten aus diesen Bibeln vorzulesen und zu unterweisen. Viele von ihnen landeten auf dem Scheiterhaufen. Wycliff übersetzte „in die Äonen der Äonen“ übrigens mit „to worldis of worldis“ (Welten der Welten).

Erst mit der Einnahme Konstantinopels, dem damaligen Mittelpunkt der griechischen Gelehrsamkeit, durch die Türken 1453 und der damit einhergehenden Vertreibung zahlloser Gelehrter ins europäische Ausland, wurde die griechische Sprache wieder modern. Bis dahin, also fast ein Jahrtausend, war das Griechische in den meisten Ländern Europas fast unbekannt oder vergessen, sogar in Italien, das es einst völlig beherrscht hat.

In England begann man erst 1484 Griechisch öffentlich zu lehren, und zwar in der Universität Oxford, wo Erasmus, der große niederländische Gelehrte Griechisch lernte und dann Professor dieser Sprache in Cambridge wurde. Sein erstes griechisches Neues Testament gab er 1516 heraus. Die erste griechische Grammatik seit wohl mehr als ein Jahrtausend wurde 1476 in Mailand veröffentlicht, das erste Lexikon vier Jahre später.

Man könnte meinen, nun aber, wo doch die Intellektuellen wieder etwas mit dem griechischen Urtext anfangen können, würden die Begriffe des Tertullian und seiner geistigen Nachfolger hinweg gewischt werden. Zu spät! Die unheilvolle Saat der unbiblischen Theologie ist schon lange aufgegangen und zu einem Baum der Unkenntnis geworden. Das hat es den Übersetzern fast unmöglich gemacht, unvoreingenommen an die Texte heranzugehen.

Hinzu kommt der Einfluss der Kunst:
Völlig losgelöst von biblischen Grundlagen spuken besonders seit den beeindruckenden Darstellungen mittelalterlicher Künstler, beispielsweise des Malers Hieronymus Bosch (1450-1516) oder des Dichters Alighieri Dante (1265-1321), alptraumhafte Horrorphantasien über eine Hölle in den Köpfen der Menschen umher. Dort werden schreiende Menschen enthäutet, ihrer Eingeweide entledigt, diverse Körperteile werden entfernt, sie werden gekocht oder von Fratzenwesen auf andere Art abgestraft. Interessant ist dabei, dass Dante beim Schreiben seiner „Göttlichen Komödie“ Motive aus dem Werk eines islamischen Autors aufgriff („Die mekkanischen Offenbarungen“ von Ibn al-Arabi). Das wurde wiederum von der seit dem 8. Jh. bekannten muslimischen Legende „Al-mir’aj“ beeinflusst und von den Mandalas des Hinduismus (später Buddhismus) und ihren bunten Darstellungen von Himmel und Hölle (taz vom 17.11.07).

Nach der Lehre der katholischen Kirche führt die Quälerei aber nicht zum schnellen Tod, denn ein Ende soll es ja nicht geben. Demnach sollte man tunlichst im Sinn einer „unendlichen Verdammung“ übersetzen, es sei denn, man fürchtet den Bann der Kirche bzw. die Ablehnung durch weite Kirchenkreise in heutiger Zeit nicht.

Selbst Luther, dem im Dezember 1521 bei seiner Übersetzungsarbeit in Rekordzeit (Fertigstellung im März 1522) die griechischen Texte vorlagen, übersetzte unsystematisch aber in einem kraftvollen und sehr prägenden Deutsch. Neben vielen von der lateinischen Theologie geprägten Begriffen benutzte er zur Übersetzung von aion neben „Welt“ das deutsche Wort „Ewigkeit“.

Das war an sich nicht weiter verwerflich: Das Griechische und Deutsche haben als gleichen Ursprung das Indo-Germanische und daher viele Gemeinsamkeiten. Die gotische Übersetzung, in der sich Überreste einer germanischen Sprache finden lassen, die um 350 gesprochen wurde, hatte als Grundlage den griechischen Text, und war daher frei von den lateinischen Verfälschungen. Wie wurde nun hier aion übersetzt? Bis auf wenigen Ausnahmen mit aiws. Das entspricht genau dem lateinischen aevum und dem griechischen aion. Der nahe Zusammenhang des gotischen aiws nicht nur mit aevum und aion, sondern auch mit dem althochdeutschen ewa (Lebenszeit) und mit dem neueren ewig, wird von jedem Sprachforscher bestätigt. In „Wahrigs Wörterbuch“ wird der Zusammenhang von ewa zu Ehe hergestellt. Zahlreiche Dokumente in der althochdeutschen Sprache des Alltags bestätigen die Verwendung von ewa=ewig als langen, aber begrenzten Zeitraum.

Auch im normalen Sprachgebrauch („ich warte ja schon eine Ewigkeit“) ist nie ein unendlich langer Zeitraum gemeint. Ewig wäre also ein gutes deutsches Wort für die Übersetzung von „äonisch“ gewesen, wenn es nicht unter dem Einfluss der lateinischen Kirchensprache den Sinn einer Unendlichkeit angenommen hätte, dem man ihm heute schwer wieder nehmen kann. Festzuhalten ist aber, dass allein die Theologie den Gedanken einer Unendlichkeit bzgl. der Zeit in die Welt gesetzt hat und dazu vorhandene, anders verwendete Begriffe gewaltsam umgedeutet hat.

Ausblick

Ein erfreuliches Zeichen dafür, dass die biblische Bedeutung von aion und aionion sich zunehmend und schrittweise auch in der Theologie unserer Tage durchzusetzen beginnt, tritt uns beispielsweise (vorsichtig formuliert) im „Theologischen Begriffslexikon zum NT“ (Brockhaus, Wuppertal) und in dem kleinen Neutestamentlichen Wörterbuch von Ralf Luther (Furche-Verlag, Berlin) entgegen. In Letzterem heißt es unter „Ewig, Ewigkeit“:

„Äon bedeutet nicht die endlose Dauer, sondern Zeitalter, Zeitlauf. Es wird, wenn von einem Zeitlauf die Rede ist, auch immer an die besondere Art und Prägung, an die eigentümlichen Umstände, an die Bestimmung dieses Zeitlaufs gedacht. […] Dieser Äon hat sein Gepräge durch die in ihm herrschenden finsteren Mächte, durch die dämonischen Züge seines Gesichts, durch die fortschreitende Entgöttlichung seiner Zustände. […] Auf den kommenden Äon sind im Neuen Testament alle Augen gerichtet. – Weil man gemeinhin unter dem Äon den nächsten, göttlichen, von Christus heraufgeführten Äon versteht, bedeutet aionios (ewig) das, was aus diesem neuen Zeitlauf stammt, was zu ihm gehört, was durch seine Art und Richtung bestimmt ist. „Ewiges“ Leben bedeutet im Neuen Testament durchweg: das Leben des kommenden Zeitlaufs. „Ewige Herrlichkeit“ bedeutet den Glanz, die Hoheit, die dem kommenden Äon eignet (2. Tim. 2,10). Das „ewige“ Reich ist das Reich den neuen Weltlaufs (2.Petr. 1,11). „Ewige Seligkeit“ bedeutet das Heil des kommenden Zeitalters (Heb. 5,9).[…]“

Vieles ist der Schrift „Was versteht die Heilige Schrift unter Ewigkeit“ von Alexander Thomson entnommen.

Siehe auch:

Heinrich Langenberg: Äon oder/und Ewigkeit?

Wolfgang Gaßler: Analyse des Begriffs „Ewigkeit“ in der Bibel

Heleen M. Keizer: Life Time Entirety – A study of Aion in Greek Literature and Philosophy, the Septuagint and Philo, Doktorarbeit 1999, Amsterdam (engl.)

ethnos = Heiden?

Luther hat das griechische „ethnos“ unterschiedlich übersetzt: 1mal Geschlecht, 1mal Grieche, 116mal Heiden, 2mal heidnisch, 2mal Leute, 1mal Mensch, 33mal Volk, 3mal weltlich. Insbesondere die Übersetzung mit „Heiden“ führt in die Irre, denn mit ethnos werden keineswegs Ungläubige gemeint. An einigen Stellen wird besonders deutlich, dass durchaus auch Gläubige mit ethnos angesprochen werden, bzw. der Begriff ganz neutral benutzt wird (dort dann von Luther inkonsequenterweise mit „Völker“ übersetzt, siehe Römer 1,13, Offb. 5,9; 7,9 usw.). Die konkordante Methode nun benutzt diese Stellen, an denen der Begriff sozusagen definiert wird, um diese Bedeutung in anderen Versen ebenfalls einzusetzen.

Durch einen derartigen Vergleich aller Vorkommen kann für ethnos dann folgende Definition (Stichwortkonkordanz KNT S.535) gefunden werden: eine Gemeinschaft, durch gemeinsame Regierung und gemeinsames Vaterland geeinigt. In der Einzahl bezeichnet es gewöhnlich die jüdische Nation (Lk 7,5). In der Mehrzahl stehen die Nationen im Gegensatz zu Israel. Für ethnos wurde daher der Begriff Nationen verwendet (auch zum großen Teil in der Elberfelder Übersetzung).
Volk steht dagegen mehr für Blutsverwandtschaft, Zunge vereinigt durch eine gemeinsame Sprache, Stamm bezeichnet eine engere Gemeinschaft von gleicher Abkunft, weiter als Familie, während Schar eine unorganisierte, beziehungslose, an einen Ort zusammengedrängte Menge bedeutet.
Die Bibel sieht so als Empfänger der Briefe zwei gleichrangige Gruppen von Auserwählten: aus der Nation Israel und aus allen Nationen. Durch die diskordante fallweise Übersetzung von ethnos mit Heiden (also Ungläubige) statt des richtigen Begriffs „Nationen“ wird das Erkennen dieses Sachverhalts erschwert.
Der Begriff Heiden ist angeblich entstanden, weil bei der Ausbreitung der römischen Staatskirche Heidebewohner (also „Heiden“), bzw. Landbewohner (lat. paganus) zuletzt erreicht wurden. Mit Heiden sind Nichtchristen oder Ungläubige gemeint. Das griechische „ethnos“ sagt dagegen etwas völlig anderes aus. Hier liegt also eine klare Fehlübersetzung vor.

Die Bedeutung des Begriffs „tohu wa bohu“

Möchte man die Bedeutung eines Begriffs in der Bibel finden, so ist es entsprechend der konkordanten Methode sinnvoll, alle Vorkommen zu analysieren und zu sehen, welche Bedeutung an allen oder wenigstens den meisten Stellen passt. Dies wird hier mit der Elberflelder-Übersetzung getan, um die Bedeutung des Begriffs „tohu wa bohu“ in 1. Mose 1,2 zu finden:

1.Mose 1,2 Und die Erde war tohu (lebensfeindlich, wüst) und bohu (geistig leer, d.h. ohne Lebewesen), und Finsternis war über der Urflut, und der Geist Gottes brütete über der Fläche der Wasser.

5.Mose 32,10 Gott fand Jakob (also das Volk Israel) in der Wüste und in der Öde(tohu), im Geheul der Wildnis. Er umgab ihn, gab acht auf ihn, er behütete ihn wie seinen Augapfel. Wie der Adler sein Nest aufstört, über seinen Jungen schwebt, seine Flügel ausbreitet, sie aufnimmt, sie trägt auf seinen Schwingen, so leitete ihn der HERR …

1.Samuel 12,21 (2x) Und weicht nicht ab und folgt nicht den nichtigen(tohu) (Götzen) nach, die nichts nützen und nicht erretten können, weil sie nichtig (tohu) sind!

Hiob 6,18 Zur Zeit, wenn sie (die trügerischen Bäche) wasserarm werden, versiegen sie … Es werden Karawanen abgelenkt von ihrem Weg, ziehen hinauf in die Öde (tohu: Leere) und kommen um.

Hiob 12,24 Den Häuptern des Volkes im Land nimmt er den Mut, und in wegloser Einöde(tohu) lässt er sie umherirren.

Hiob 26,7 Gott spannt den Norden aus über der Leere (tohu), hängt die Erde auf über dem Nichts.

Psalm 107,40 Und sie wurden wenig und beugten sich unter der Last von Unglück und Jammer. Er schüttete Verachtung auf Edle, er ließ sie umherirren in wegloser Einöde (tohu).

Jesaja 24,10 Darum hat der Fluch die Erde verzehrt, und es büßen, die auf ihr wohnen. Darum sind die Bewohner der Erde dahin geschwunden, und wenig Menschen bleiben übrig. … Zertrümmert ist die öde (tohu) Stadt, verschlossen jedes Haus, so dass niemand hineinkommt.

Jesaja 29,21 Und ausgerottet werden alle, die auf Unheil bedacht sind, die den Menschen in einer Rechtssache schuldig sprechen und dem Schlingen legen, der im Tor über Recht und Unrecht entscheidet, und mit nichtigen (tohu) (Beweisgründen) den Gerechten aus seinem Recht verdrängen.

Jesaja 34,11 Denn einen Tag der Rache hat der HERR, ein Jahr der Vergeltungen für die Rechtssache Zions. Und Edoms Bäche verwandeln sich in Pech und sein Boden in Schwefel; und sein Land wird zu brennendem Pech. Tag und Nacht erlischt es nicht, ewig steigt sein Rauch empor. Von Generation zu Generation liegt es in Trümmern, für immer und ewig zieht niemand hindurch. … Und er spannt darüber die Messschnur der Öde (tohu) und das Senkblei der Leere (bohu: geistigen Leere, keine Lebewesen mehr)und alle seine Obersten nehmen ein Ende.

Jesaja 40,17 Alle Nationen sind wie nichts vor ihm und gelten ihm als nichtig und leer (tohu).

Jesaja 40,23 Gott ist es, der da thront über dem Kreis der Erde, dass ihre Bewohner wie Heuschrecken erscheinen …, der die Fürsten dem Nichts anheim gibt, die Richter der Erde der Nichtigkeit (tohu) gleichmacht.

Jesaja 41,29 Und ich sehe hin, doch da ist niemand, und unter diesen da ist kein Ratgeber, dass ich sie fragen könnte und sie mir Antwort geben. Siehe, sie alle sind Betrug. Nichtigkeit sind ihre Machwerke, Wind und Leere (tohu) ihre gegossenen Bilder.

Jesaja 44,9 Die Bildner von Götterbildern sind allesamt nichtig (tohu), und ihre Lieblinge nützen nichts.

Jesaja 45,18f Ihr werdet nicht zu Schanden und nicht zunichte werden in alle Ewigkeiten. Denn so spricht der HERR, der die Himmel geschaffen hat – er ist Gott, der die Erde gebildet und sie gemacht hat – er hat sie gegründet, nicht als eine Öde (tohu) hat er sie geschaffen, sondern zum Bewohnen hat er sie gebildet. Ich sprach zu den Nachkommen Jakobs nicht: Sucht mich vergeblich (in tohu: geistlicher Leere). Ich bin der HERR, der Gerechtigkeit redet, Wahrheit verkündet.

Jesaja 49,4 Ich aber sagte: Umsonst habe ich mich abgemüht, vergeblich und für nichts(tohu) meine Kraft verbraucht. Doch mein Recht ist bei dem HERRN und mein Lohn bei meinem Gott.

Jesaja 59,4 Niemand lädt vor in Gerechtigkeit, und niemand tritt vor Gericht in Wahrhaftigkeit. (Sondern bei euch gilt dies:) Auf Leeres (tohu: geistlich Leeres) vertrauen, Gehaltloses reden, mit Mühsal schwanger gehen, Unrecht zeugen.

Jeremia 4,23 Denn mein Volk ist närrisch, mich kennen sie nicht. Törichte Kinder sind sie und unverständig. Weise sind sie, Böses zu tun; aber Gutes zu tun verstehen sie nicht. Ich schaue die Erde, und siehe, sie isttohu wa bohu, (materiell und geistig leer, d.h. ohne Lebewesen, wie nachfolgend beschrieben) – und zum Himmel, und sein Licht ist nicht da. Ich schaue die Berge, und siehe, sie beben; und alle Hügel schwanken. Ich schaue, und siehe, kein Mensch ist da; und alle Vögel des Himmels sind entflohen. … Öde soll das ganze Land werden; doch will ich nicht ein Ende mit ihm machen. Darum wird die Erde trauern, und der Himmel oben schwarz werden.

Siehe auch: Vorkommen und Definition im Nachschlagewerk „Blue Letter Bible“ (engl.) von „tohu (Strong’s H8414)“ und „bohu (Strong’s H922)“.

Ergebnis

  • Tohu wurde zwar fallweise mit Leere, Nichtigkeit, wüst, öde übersetzt, aber mit der gemeinsamen Bedeutung Leere bzw. lebensfeindliche Umgebung. 
  • Diese Bedeutung wird bildlich auch im geistlichen Sinn verwendet, um insbesondere die Unkenntnis des einen Gottes auszudrücken. Menschen, die Gott nicht kennen, leben in geistlicher Leere und Verwirrung, in einem Zustand des tohu. Auffallend oft ist auch symbolisch von physisch Lebensbedrohendem die Rede, wie lebensfeindlicher Wüste, Verirrungen in der Wildnis und Ausweglosigkeit.
  • bohu kommt in der Bibel nur dreimal und dann nur in der Kombination mit tohu vor, d.h. die Bedeutung von bohu kann nicht eigenständig aus der Bibel selbst ermittelt werden, sondern nur als Steigerung von tohu gesehen werden , im Sinn einer geistigen Leere (d.h. es sind nicht einmal Lebewesen da, die Gott erkennen könnten).
  • Die Übersetzung mit (materiellem) „Chaos“, Ver“wüst“ung oder „Zerstörung“ für tohu, wie von einigen Übersetzern insbesondere für 1. Mose 1,2 vorgeschlagen (teilweise um die Vorstellung einer Vorschöpfung mit anschließendem Gericht zu begründen), ist diskordant.
  • 1. Mose 1,2 spricht also mit dem Begriff „tohu wa bohu“ nicht nur von einer physischen Leere und schon gar nicht dem Ergebnis einer materiellen Zerstörung, sondern davon, dass die Erde noch wüst, also lebensfeindlich war und daher auch noch kein Lebewesen existierten konnte, das Gott kannte. „Tohu wa bohu“ ist also die Beschreibung eines Zustands, in dem Gott noch kein Gegenüber hatte. Diesen Zustand zu ändern, hat sich Gott aber zum Ziel gesetzt, indem er die Erde mit Menschen bevölkerte (Beendigung geistiger Leere, bohu) und sie so führen wird, dass sie auch geistlich nicht mehr leer sein werden (Jes. 45,18), sondern alles („ta panta“) mit Gottes Geist gefüllt sein wird (Kol. 1,20). 1. Mose 1,2 schildert also den wenig überraschenden Ausgangszustand der doppelten Leere, bevor Elohim die Schöpfung mit der Schaffung einer Leben ermöglichenden Umgebung für Pflanzen, Tiere und Menschen fortsetzte. Es wird also betont, dass zu Anfang Gott nichts in niemandem war (tohu wa bohu) und am Ende alles in allen sein wird (1. Kor. 15,28). Somit ist Anfang und Ziel des gesamten Wirken Gottes zusammengefasst. Sollte das nicht auch für uns ein Grund zu jubeln sein, wie es schon die Söhne Gottes taten (Hiob 38,7)?

Engel oder Boten?

Das eingedeutschte Lehnwort für das griechische „aggelos“ ist „Engel“, die traditionelle Übersetzung. Unter Engel im theologischen Sprachgebrauch verstehen wir heute überhimmlische Wesen, die in der Kunst phantasievoll dargestellt werden (niedlich pausbäckig, graziös mit Flügeln usw.). Durch die Analyse der Wortverwendung in der Bibel fällt auf, das auch normale Menschen die Bezeichnung tragen (Mt. 11,10 Johannes der Täufer; Lk. 9,52 die Jünger Jesu; Ja 2,25 Kundschafter). Das griechische Wort bedeutet ja auch ursprünglich nichts anderes als Bote. Das Verb „aggelo“ bedeutet verkünden, Botschaft bringen. Aggelos ist also nichts weiter als eine Dienstbezeichnung. Somit wurde für „aggelos“ durchgängig „Bote“ verwendet. Den Begriff Engel in der Bibel nicht wiederzufinden, ist sicherlich ungewohnt, aber dient der besseren Verständlichkeit (und wirkt nebenbei einem Kitschchristentum entgegen).

Video

 

Links

Konkordante Schriftforschung: Studienmaterial von Gernot Frey

Konkordanter Verlag Pforzheim, Deutschland: Literatur, Konferenzkalender, ausführliche Erläuterung zur konkordanten Übersetzung des hebräischen AT, Downloads, u.a. des KNT als pdf-Datei und Bible-Works Modul

Beispiele von Umdeutungen des Bibeltextes bei freien Auslegungen (wie „Hoffnung für Alle“ und „Gute Nachricht“)

Fehlübersetzungen und deren Folgen (Autor ist messianischer Jude)

Gedanken zur DaBhaR-Übersetzung

 

Englischsprachige Seiten:

Concordant Publishing Concern, USA

Concordant Literal New Testament: Online-Version des Concordant New Testament

Free download of the Interlinear Scripture Analyzer (ISA): a sublinear of the Concordant Greek Text (CGT)

Blue Letter Bible with Strong’s Number Search Tool

Erläuterungen aus Finnland zum konkordanten Prinzip.

Erläuterungen aus Ungarn zum konkordanten Prinzip.

Bücher

Konkordantes Neues Testament, (hier bestellbar), 6. Auflage 1995, Konkordanter Verlag Pforzheim

Buber/Rosenzweig: Die Schrift, Berlin, Schocken Verlag

Die Geschriebene (DaBhaR-Übersetzung), 1998, F.H. Baader, Schömberg;
nicht im Buchhandel erhältlich, Anfragen aus D an Eva-Maria Stauch, Forststr.10, 75328 Schömberg; aus CH an: Marta Zimmermann, Adetswilerstr.29, CH-8345 Adetswil; aus A an: Johann Kraxberger, Am Südblick 7, A-4702 Wallern; Informationen zum Bezug des DaBhar-Computerprogramms für Windows, MacOs, Android auf CD bei dem Autor

Münchener Neues Testament, Hrsg. von Prof. Dr. Josef Hainz, Frankfurt, 8. Auflage 2007, Patmos Verlag Düsseldorf – passende Konkordanz, Theologisches Wörterbuch und CD-Rom

The Companion Bible, Hrsg. von Ethelbert William Bullinger (Eines der besten Nachschlagewerke rund um die Texte der Bibel überhaupt, nur in Englisch).

Stoy, Haag, Haubeck: Bibelgriechisch leicht gemacht, Gießen, 2001, Brunnen Verlag (72 pädagogisch gut konzipierte Lektionen; ideal zum Selbststudium – Lösungsbuch extra).

Nestle-Aland: Novum Testamentum Graece, Stuttgart, 27. Auflage, 2001, Deutsche Bibelgesellschaft (Griechisches NT mit Textquellenangaben; Standardwerk)

Rienecker : Sprachlicher Schlüssel zum Griechischen Neuen Testament, Brunnen-Verlag, Gießen, 2003 (Formbestimmungen und Erklärungen zu wichtigen griechischen Begriffen des NT; exegetische Anmerkungen teils fragwürdig)

Menge, Schäfer, Zimmermann: Langenscheidts Taschenwörterbuch, Altgriechisch, München, 2002 (besser als die speziellen NT-Wörterbücher, wie von Walter Bauer, die im Zweifelsfall dogmenunterstützend übersetzen).

Stock: Langenscheidts Kurzgrammatik, Altgriechisch, München, 2002, Langenscheidt Verlag (günstig und gut aufbereitet).

Lambdin: Lehrbuch Bibel-Hebräisch, Brunnen-Verlag, Gießen, 2003 (Ideal zum Selbststudium: 55 Lektionen auch zur Vorbereitung auf das Hebraicum – Lösungsteil extra).

Elliger, Kittel, Rudolph: Biblia Hebraica Stuttgartensia, Stuttgart, 1997, Deutsche Bibelgesellschaft (weltweit führende wissenschaftliche Ausgabe der hebräischen Bibel)

Alexander Thomson: „Was versteht die Heilige Schrift unter Ewigkeit“ (Leseprobe, pdf), Konkordanter Verlag Pforzheim

Michaelis, Wilhelm Dr. theol. Prof.: Übersetzungen, Konkordanzen und Konkordante Übersetzungen des Neuen Testaments, Verlag von Heinrich Majer, Basel, 1947

Glashouwer, W.J.J.: So entstand die Bibel, 1987, CLV

Hennig, Kurt: Jerusalemer Bibellexikon, 1990, Hänssler Verlag, Stuttgart

Custance, Arthur C.: Without Form And Void – A Study of the Meaning of Genesis 1.2, Doorway Publicaton, Ontario Canada, 2nd printing, 1989

Zodhiates, Spiros: Complete Word Study New Testament, World Bible Publishers Inc, Iowa Falls/Iowa

Bernstein, Alan: The Formation of Hell: Death and Retribution in the ancient and early christian Worlds, Cornell University Press, Ithaca/New York, 1993

Turner, Alice K.: The History of Hell, Harcourt Brace & Company, New York/San Diego/London, 1993 (Zur Legendenbildung der „Hölle“; angefangen vom Gilgameshopus und Zoroastrismus in der Vorzeit bis hin zum unheilvollen Einzug in die heutige Theologie)

Dearmer, Percy: The Legend of Hell, Nisbet & Co., London, 1932 (A Examination of the doctrine of everlasting punishment in the light of modern scholarship)

 

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