Ist die Lehre der Trinität biblisch?

Das Leben fordert manche Entscheidung, doch eine darunter ist wichtiger als alle anderen. Es ist die Entscheidung, wie wir zu unserer Vorstellung über Gott kommen! Welche Quellen sind uns wichtig, wovon lassen wir uns leiten? Die Vorstellung, die wir von Gott haben, übt einen großen Einfluss auf unser Leben aus. Darum ist es wichtig, einen klaren Gottesbegriff zu haben.

Viele Kirchen nutzen zur Beschreibung Gottes eine Lehre, die erst um 600 n. Chr. im Athanasianum, einem „Glaubensbekenntnis“, ausformuliert wurde. Dieses Dogma, bekannt unter den in der Bibel nicht vorkommenden Bezeichnungen „Dreieinigkeit“, „Dreifaltigkeit“ oder „Trinität“, ist lange nach Fertigstellung der Bibel in Jahrhunderten erbitterten Streits (s.u.) zwischen verschiedenen Philosophien entstanden, der auch durch die persönlichen Präferenzen der jeweiligen römischen Kaiser mitbestimmt war. Die beiden Kernsätze sind diese:

„Dies aber ist der rechte Glaube, dass wir einen einigen Gott in drei Personen und drei Personen in einer Gottheit ehren. Und nicht die Personen ineinander mengen, noch das göttliche Wesen zertrennen.“

Die „Personen“ sollen der Vater, der Sohn und der Heilige Geist sein. Es folgt u.a. eine Reihe von Eigenschaften, die als gleich beschrieben werden. Beispielsweise wird mit dem Dogma vorgegeben, dass man sie als gleich ewig, gleich allmächtig, gleich majestätisch und gleichrangig zu sehen hat. Schon an der Sprache kann man erkennen, dass die Bibel bei der Festlegung des Dogmas kaum eine Rolle spielte. „Wesen“ bzw. „Substanz“ und „Person“ sind unbiblische Begriffe, die aus der damaligen Philosphie stammen. Die gewählten vergleichenden Beschreibungen (wie „gleich ewig“) finden sich in der Bibel ebenfalls nicht.

Um diesen Behauptungen dennoch Gewicht zu verleihen und weiteres Nachdenken und Infragestellen zu unterbinden, wird Andersdenkenden in diesem „Glaubensbekenntnis“ selbstherrlich mit „ewigem Feuer“ gedroht und damit, dass sie nicht „selig“ werden können, wenn sie diese Aussagen nicht teilen können. Dadurch und vor allem weil man zum Zeitpunkt der Festlegung ein diesseitiges Leben im gesellschaftlichen Abseits und in der Verbannung fürchtete, wurde dieses Dogma mit Macht durchgesetzt. Auch heutzutage wird Christen das Bekenntnis zu diesem Dogma abgenötigt und sogar als unverzichtbare Kernlehre des Christentums dargestellt. Heißt es noch in der Bibel, dass allein der Glaube an Gott und Sein Erkennen zur Rettung führen wird, heißt es nun, man müsse kirchlich vorgeschriebenen Sätzen zustimmen, um „recht“ zu glauben!

Wie beschreibt nun aber die Bibel das Verhältnis zwischen Gott, dem Vater und Jesus Christus und was sagt sie zum Heiligen Geist? Dazu werden zunächst die Grundannahmen des Dogmas vorgestellt:

Grundannahmen der Trinitätslehre

  1. Es wird unterschieden zwischen „Gott“ oder „Gottheit“ als „göttlichem Wesen“ (ein unbiblischer, philosophischer Begriff) und drei „Personen“ (ebenfalls eine unbiblische Bezeichnung für den Vater, den Sohn und den Heiligen Geist). Eng verbunden mit dem Wesens-Begriff ist in der philosophischen Tradition auch der Begriff der Substanz. Vater, Sohn und Heiliger Geist (die „Personen bzw. hypostasen“) sollen also auch von gleicher „Substanz“ sein (gr. „homousios“).
  2. Der Heilige Geist soll genauso unabhängig vom Vater sein wie der Sohn. Der Heilige Geist soll als eine eigenständige „Person“ betrachtet werden.
  3. Jesus Christus wird vergottet. Er soll genauso „Gott“ sein wie sein Vater und Ihm damit gleichrangig.

Diese Vorstellungen führen zu kuriosen bis absurden Folgerungen, wie zum Beispiel,

  • dass Gott am Kreuz gestorben ist oder
  • Maria von Gott (dem Heiligen Geist) geschwängert wurde und Gott (in der „Seinsart“ Jesus) geboren hat (Maria als „Mutter Gottes“, griechisch „Theotokos„).
  • Jesus hätte nach dieser Lehre Selbstgespräche geführt („Mein Gott, mein Gott“, Matthäus 27,47).
  • Einige meinen, angeleitet von diesem Dogma, sogar die geradezu blasphemische Behauptung aufstellen zu können, dass der Schöpfer dieses Weltalls hilflos in einer Krippe lag. Das ist allein deswegen schon abwegig, weil ja selbst nach dem Dogma Gott, der Vater noch im Himmel war (vom Aufenthaltsort des Heiligen Geistes ganz zu schweigen) und somit selbst nach dem verworrenen Dogma nur ein „Teil“ der „Gottheit“ in der Krippe lag.
  • Jesus wird Gottes Sohn genannt und hat sich selbst so genannt (z.B. Mt. 27,43). Wie ist das möglich, wenn Jesus Gott sein soll? Ist dann der Sohn der Vater? Oder ist Jesus der Sohn eines „Wesens“, dessen Mitglied oder Seinsart auch sein eigener Vater ist? Oder soll eine Person eines 3-Personen-Wesens gleichzeitig Sohn dieser „Vereinigung“ sein?
  • Die Auswirkung für das persönliche Glaubensleben der Christen ist vor allem Verwirrung. Zu wem betet man wie richtigerweise? Wem dankt man letztlich für den Gang der Dinge? Der Vater, Gott über alle und der Ursprung von allem, erhält nicht mehr den Dank und die Verehrung, die Ihm zusteht, denn seit dem Dogma schreibt die Kirche vor, dass die Gottheit gleich Dreien zusteht.

Mit diesem Dogma haben es die Kirchen also geschafft, aus Gott ein Mysterium zu machen. Es wird meist auch gar nicht bestritten, dass es zwecklos ist, diese Lehre verstehen zu wollen. Das Lebensziel eines jeden Menschen ist aber doch, Gott zu erkennen („zur Erkenntnis Seiner Selbst“ zu gelangen, Eph. 1,17). Dem wird von den Kirchen widersprochen, indem die Möglichkeit dazu von vornherein ausgeschlossen wird; das Dogma und damit Gott selbst wird selbstherrlich zum „Mysterium“ deklariert. Nur das, was nicht zu verstehen ist, ist ein in sich widersprüchliches und damit misslungenes Dogma, das nichts klärt, sondern Verwirrung stiftet.

Die Bibel spricht dagegen eine völlig andere Sprache und kommt zu ganz anderen Ergebnissen:

Kurze Widerlegung der Grundannahmen der Trinitätslehre

  1. Gott ist nicht teilbar, Er ist Einer (Römer 3,30), ein Gott und Vater aller (Eph. 4,6). Für uns ist nur einer Gott, der Vater (1. Kor. 8,6). Richtig ist zwar, dass auch Jesus vereinzelt Gott genannt wird, z.B. sagt der „ungläubige Thomas“ zu Jesus in Joh. 20,28, als er Ihn als seinen Herrn und göttliche Autorität anerkennt: „Mein Herr und mein Gott!“. Denn „Wer Mich gesehen hat, der hat den Vater gesehen“, sagte Jesus vorher zu Thomas (Joh.14,9). Kol. 1,15 stellt fest: „Er ist das Abbild des unsichtbaren Gottes …“. Jesus als Herrscher auf dem Thron wird Gott (Heb. 1,8) genannt, bzw. „einzig gezeugter Gott“ (Joh. 1,18). Auch Mose (2. Mose 4,16) wird Gott genannt. Menschen aus Israel werden Götter (Elohim) genannt, weil ihnen von Gott, dem Vater, Vollmacht über andere gegeben wurde (Ps. 82,6; Joh. 10,34), z.B. Richter (2. Mose 21,6; 22,8). Ein Holzstück kann ein Gott sein (Jes. 44,15) oder gar der eigene Körper (Phil. 3,19). Was ist demnach „Gott“? Berücksichtigt man den biblischen Sprachgebrauch (und die Etymologie der griechischen Entsprechung „theos“ und des hebräischen „Elohim“), kann man nur zu einem Schluss kommen: Gott bezeichnet in der Bibel ganz allgemein etwas oder jemand, der in der Lage ist, andere bedingungslos unterzuordnen, schwach vergleichbar einem Titel wie „König“ oder „Präsident“. Die Bezeichnung „König“ allein sagt noch nicht viel aus – um einen vollständigen Eindruck zu bekommen, muss immer dazu gesagt werden, über wen geherrscht wird. In absoluter Form, als der Gott über alle und alles ist immer nur der Vater gemeint (über 2.300 mal in der Bibel). Ein Titel wie Gott ist aber kein Eigenname, sondern wird verliehen (wie an Menschen oder durch Gott an Seinen Sohn über einen bestimmten Herrschaftsbereich) oder wird per Amtsausübung selbstverständlich (wie bei dem Vater, dem Gott aller). „Gott“ ist also ein Titel und kein Wesen! Die unklare und unbiblische Verwendung des Begriffs „Gott“ ist das Kernproblem des Trinitätsdogmas. Ein Titel ist kein Wesen, das sich in einer „Person“ offenbaren könnte – „Präsident“ offenbart sich auch nicht in dem Menschen, der den Titel trägt.
  2. „Und ich will den Vater bitten, und er wird euch einen anderen Beistand geben, der für immer bei euch bleiben soll: den Geist der Wahrheit“ (Joh. 14,17; Lutherübersetzung 1975, siehe auch Joh. 15,26; 16,7-15; 17,26). Richtig ist, dass „Geist“ in der Bibel des Öfteren personifiziert wird (Gottes Geist, also der Heilige Geist: Römer 8,9, 14; Christi Geist: 1. Petrus 1,11, Marias Geist: Lukas 1,47, Geister von Menschen: 1. Kor. 14,14, 2. Kor. 7,13, Ap. 17,16). Personifizierung beweist aber nicht Persönlichkeit! Auch die Weisheit müsste so nach Sprüche 1,20-33; 8,7-15, Mat. 11,19 und Lukas 7,35 eine Person sein. Ebenso wie die Sünde (Rö. 5,14; 17, 21; 6,12), der Tod oder die Liebe (nach 1. Kor.13). Die Verwirrung entsteht, weil nicht gesehen wird, dass hier Sprachfiguren vorliegen, wie in unserem Sprachgebrauch „Das Auge des Gesetzes“ oder „Im Namen des Gesetzes“. Ist das Gesetz deswegen eine Person? Biblisch ist, dass Gott mit Hilfe Seines Geistes in den Herzen der Gläubigen wirkt, damit sie durch Gott verändert werden können (siehe u.a. Eph. 3,16ff). Die Bibel sagt auch ganz klar, dass der Geist Gottes, der Heilige Geist (Eph. 4,30), in der selben Verbindung zu Gott steht wie der Geist eines Menschen in Verbindung zum Menschen: „Denn wer unter den Menschen weiß, was im Menschen ist, außer dem Geist des Menschen, der in ihm ist? Also hat auch niemand die Tiefen Gottes erkannt außer dem Geist Gottes (1. Kor. 2,11)“. Genauso wenig wie der Geist des Menschen von dem Menschen selbst zu trennen ist und beispielsweise nicht mit ihm reden kann, ist Gott nicht von dem Heiligen Geist (also Gottes Geist) zu trennen. Dem Verhältnis des Geistes Gottes zu Gott selbst können also nicht die gleichen Eigenschaften zugeschrieben werden, wie dem Verhältnis zwischen Gott und Seinem Sohn. Jesus konnte mit Seinem Vater reden, während Gottes Geist freilich nicht mit Gott reden kann. Die im Dogma angenommene Gleichwertigkeit ist also nicht haltbar; ganz abgesehen davon, dass der Heilige Geist in der Bibel nie Gott genannt wird. Wenn jemand also den Heiligen Geist betrübt, wird Gott, der Vater betrübt und niemand anderer.
  3. Dazu nur ein Wort von Jesus: „Der Vater ist größer als Ich“ (Joh. 14,28). Damit ist die Annahme der Gleichrangigkeit zwischen dem Vater und Seinem Sohn schnell widerlegt. Aber das Thema lohnt, näher betrachtet zu werden:

Gott, der Vater ist Jesus Christus übergeordnet

Quelle und Kanal

Alles ist aus Gott und alles ist durch Christus. Gott ist die Quelle und das Endziel von allem, Christus aber ist der Kanal, der Weg, der Bevollmächtigte, durch den Gott handelt. „Nur Einer ist Gott, der Vater, aus dem das All ist (und wir sind zu Ihm hingewandt), und nur Einer Herr, Jesus Christus, durch den das All geworden ist und wir sind es durch Ihn (was auch die Verwendung der Pluralform Elohim in 1. Mose 1 erklärt). Aber nicht in allen ist diese Erkenntnis (1. Kor. 8,6). Leider nimmt die Unwissenheit, auch durch dieses Dogma verstärkt, immer mehr zu. „Durch Christus hat Gott auch die Äonen gemacht“ (Heb. 1,2). Nie wird Christus als Quelle und Ursprung dargestellt, stets ist Er der Mittler. Jesus war auch nicht in alle Einzelheiten der Pläne Gottes eingeweiht, so wusste Jesus nichts über den Tag Seiner Wiederkunft zu sagen (Mt. 24,36; Mk. 13,24-37).

Unser Retter ist auch Gott selbst (1. Tim. 4,10). Die Rettung geschah durch den Sohn (Kol. 1,20). Die Gnade Gottes fließt durch Christus zu uns: „Allezeit danke ich meinem Gott eurethalben für die Gnade Gottes, die euch in Christus Jesus gegeben ist“ (1. Kor. 1,4). Wir sollten auch Gott durch Christus anrufen, wie es auch Paulus getan hat: „Zuerst danke ich meinem Gott durch Jesus Christus für euch alle…“ (Römer 1,8). Klar wird auch hier zwischen Gott und Jesus unterschieden. Gott und Christus sind somit wie Quelle und Kanal. Das ist nicht umkehrbar!

Der Vater und der Sohn haben also keinesfalls die gleiche Majestät.

Geber und Empfänger

Wessen Wille geschieht? Nur des Vaters Wille! Jesus sagte „Ich bin nicht aus dem Himmel herabgestiegen, dass ich meinen Willen tue, sondern den Willen dessen, der mich gesandt hat“ (Joh. 5,30; 6,38) und „Siehe ich treffe ein [] um Deinen Willen, o Gott, zu tun!“ (Heb. 10,7). Im Garten Gethsemane sagte Jesus zu Seinem Vater: „Nicht mein Wille, sondern der Deine geschehe!“ (Lukas 22,42). Gott gab Christus die Worte, die Er aussprach: „Die Worte, die Du mir gegeben hast, habe ich ihnen gegeben“ (Joh. 17,8). „Ich habe ihnen Dein Wort gegeben“ (Joh. 17,14). Gott gab Seinem Sohn auch die Jünger: „Alles, was der Vater mir gibt, wird bei mir eintreffen und bleiben, und wer zu mir kommt, den werde ich keinesfalls hinaustreiben“ (Joh. 6,37, siehe auch Joh. 17,6). Das Wirken Christi ist die Erfüllung des Auftrags Seines Vaters, denn Er betete zum Vater: „Ich verherrliche Dich auf Erden, indem Ich das Werk vollende, das Du mir zu tun gegeben hast“ (Joh. 17,4). Jesus wurde von Gott bevollmächtigt, Gericht zu halten (Joh. 5,27, Joh. 5,22); Jesus hat gar eine Generalvollmacht erhalten (Mt. 28,19). Warum? „Der Vater liebt den Sohn und hat alles in Seine Hand gegeben“ (Joh. 3,35). Gott und Christus sind somit auch wie Geber und Empfänger. Auch das ist nicht umkehrbar!

Der Vater und der Sohn sind also nicht gleich allmächtig, wie das Dogma behauptet.

Sender und Gesandter

Gott, der Vater, sendet, aber Er wird nicht gesandt. Der Sohn wird gesandt, Er aber sendet niemals Seinen Vater. Wer wäre da, um Gott zu schicken? Mehrfach bezeugt Jesus, dass der Vater Ihn gesandt hat (Joh. 5,39; 6,29; 38, 44; 17,3-21), und Er stellte fest, dass ein Sklave nicht größer ist als der, der ihn gesandt hat (Joh. 13,16). Auch Paulus schreibt, dass Jesus von Gott gesandt wurde (Römer 8,3). Klar ist: Der Gesandte steht unter dem Sendenden. So sagt Jesus selbst auch demütig: „Der Vater ist größer als Ich“ (Joh. 14,28). Diese Aussage ist nicht auf eine bestimmte Zeit begrenzt sondern gilt immer. Christus hat einen Gott und Vater. Er rief Ihn an „Mein Gott, mein Gott!“ (Mt. 27,43). Paulus und Petrus schrieben „Gesegnet sei der Gott und Vater unseres Herrn Jesus Christus!“ (2. Kor. 1,3;1,16; Eph. 1,3; 1. Pet. 1,3). Auch Paulus bezeugt deutlich „Das Haupt des Christus ist Gott“ (1. Kor. 11,3).

Die sogenannte Subordination, das heißt die Unterordnung des Sohnes unter seinen Vater ist somit biblisch bezeugt. Gott kann in all diesen klaren Zeugnissen der Schrift kein Konstrukt aus drei gleichrangigen Personen sein, deutlich wird aber eine sehr enge Vertrautheit zwischen Vater und Sohn. „[Aber es ist nur] ein Gott und Vater aller, der über allen ist und durch alle und in allen wirkt“ (Eph. 4,6).

Der Vater und der Sohn sind also auch nicht gleichrangig, wie das Dogma behauptet.

Auch der Kontext der Bibel wurde völlig außer Acht gelassen:

Was sagt die Bibel über Gott und Jesus Christus grundsätzlich aus?

  • „Gott ist Geist“ (Joh. 4,24, siehe auch Jes. 31,3; Kol. 1,15). Geist ist weder sichtbar noch hörbar. So sagt Jesus auch „Weder habt ihr jemals des Vaters Stimme gehört, noch Sein Aussehen wahrgenommen“ (Joh. 5,37). „Niemand hat Gott jemals gesehen“ (Joh. 1,18). Schon das schließt die Vorstellung aus, dass Gott selbst Mensch wurde.
  • Gott ist unwandelbar (Jes. 41,4b; Jak. 1,17): Er war Geist, ist Geist und wird immer Geist bleiben.
Christus, Mittler zwischen Menschen und Gott
Christus, Mittler zwischen Menschen und Gott
  • Damit Gott mit Seiner Schöpfung kommunizieren kann, ist also ein Mittler nötig. Dieser Mittler wird daher symbolisch „das Wort“ genannt (Joh. 1,1). Dieser Mittler ist mit Gott, dem Vater eins, aber nicht einer (Joh. 10,30), „denn Gott ist einer, ebenso ist einer auch Mittler zwischen Gott und den Menschen, der Mensch Christus Jesus“ (1. Tim. 2,5). Sie sind also zwei, aber in vollkommener Vertrautheit, weil, so wie Jesus sagt, „ich von Ihm bin und derselbe mich ausgesandt hat“ (Joh. 7,29). „Die Worte, die ich zu euch spreche, spreche ich nicht von Mir Selbst aus, sondern der Vater, der in Mir bleibt, tut Seine Werke“, sagte Jesus (Joh. 14,9). Christus ist der Zusprecher der Gläubigen bei seinem Vater (1. Joh. 2,1), Er verwendet sich bei Gott für uns (Heb. 9,15; 7,25, Römer 8,34), auch bei unseren Gebeten (Römer 8,26).
  • Ein Mittler ist von dem zu unterscheiden, der vermittelt werden soll und von denen zu unterscheiden, zu denen vermittelt werden soll. Er ist also weder Gott, noch ist er Mensch. Christus ist in einer einzigartigen Position dazwischen, ein Bindeglied. Er ist als Einziggezeugter Gottes Sohn (Heb. 1,5), aber auch des Menschen Sohn (Mt. 24,30; 25,31). Die Trinitätslehre krankt ganz wesentlich daran, dass diese zentrale Aussage der Bibel verneint wird.
  • Jesus Christus existierte nicht etwa erst nach der Geburt durch Maria, sondern Er änderte lediglich seine Gestalt (vgl. Mk. 16,12), von der Gestalt Gottes (also Geist) wurde er dem Menschen gleich: „Denn diese Gesinnung sei auch in euch, die auch in Christus Jesus ist: der, als Er in der Gestalt Gottes war [also Geist, Er war nicht etwa Gott], es nicht als ein Rauben erachtete, ebenso wie Gott zu sein; sondern Er entäußerte Sich Selbst, nahm die Gestalt eines Sklaven an, wurde den Menschen gleich gestaltet.“ (Phil. 2,6-7). Jesus Christus existierte von Anfang an (Joh. 1,1), Gott schuf durch Ihn die Welt (Joh. 1,3; 1,10, siehe auch Kol. 1,16; 1. Kor. 8,6; Heb. 1,2). Die so genannte Präexistenz von Jesus Christus (vor der Geburt auf der Erde durch Maria) ist also klar biblisch bezeugt. Klar ist auch, dass der Vater zuerst da war und Jesus Christus von Ihm gezeugt wurde (Joh. 1,18; 8,42; Sprüche 8,22-24, Kol. 1,15) – selbst das (und damit die Sohnschaft Jesu) wird oft bestritten. Somit sind sie also auch nicht „gleichewig“.

Begründungsversuche der Dreieinigkeit mit der Bibel

Der Sinn der Dreieinigkeitslehre war, einen Kompromiss zwischen verschiedenen „theologischen“ Strömungen zu schaffen, um die Einheit und Macht der Staatskirche sicherzustellen. Heute wird daher mühsam versucht, nachträglich das Dogma der Dreieinigkeit mit der Bibel zu begründen. Dazu werden gerne folgende Stellen benutzt:

  • „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott, und Gott war das Wort.“ (Joh. 1,1; Luther, 1975). Weiter heißt es „Das Wort wurde Mensch und wohnte unter uns“ (Joh. 1,14). Es wird nun folgende Gleichung aufgestellt: „Gott = das Wort = Jesus“, also „Gott = Jesus“. Kann das stimmen? Kann man so mit Sprache umgehen? Im Grundtext steht „theos“ (Gott) im letzten Teil von Vers 1 ohne Artikel und vor dem Verb „war“, was im Griechischen darauf hindeutet, dass es als Prädikatsnomen benutzt wird, also im Sinn von „gottgleich“. Das Wort ist also gottgleich und nicht etwa der Gott über alle – das ist also nicht austauschbar. Jesus ist nicht der eine Gott, sondern nur der Vater. Das harmoniert auch mit dem Teilsatz vorher „das Wort war bei dem Gott“: Es ist also zu unterscheiden von dem Gott. So interpretiert auch die „Gute Nachricht“ Joh. 1,1 ganz richtig, wenn sie schreibt: „Am Anfang, bevor die Welt geschaffen wurde, war schon der, der >Das Wort< heißt.“ Er war bei Gott, dem Vater und wurde von Ihm als Gott einsetzt über alle Wesen (ausgeschlossen ist natürlich sein Vater!). Da aber beide eins sind, führt Jesus dabei immer den Willen Seines Vaters aus. Hermann Menge übersetzt noch deutlicher: „Im Anfang war das Wort (bereits da), und das Wort war (damals) bei Gott*, und Gott (=göttlichen Wesens) war das Wort“. In der Fußnote zu * heißt es außerdem: „d.h. in der Gemeinschaft mit Gott; wörtlich: hingewandt zu Gott. – Der Ausdruck >das Wort< (griechisch: Logos) bezeichnet hier (wie auch Joh. 1,14 und Offb. 19,13) den Gottessohn als den Offenbarer und Willensvollstrecker Gottes“. Die Parallelstelle zu Johannes 1,1 ist Philipper 2,5, wo es heißt, dass Jesus Christus in der Gestalt Gottes war (nämlich Geist) und auch insofern Gott glich. Dennoch war er nie der Gott über alle und die Ursache von allem, wie Sein Vater. Um einen unvollständigen, menschlichen Vergleich zu bemühen: Auch wenn jemand in allem einem Präsidenten gleichen würde, von ihm persönlich alle Vollmacht erhalten hätte und auch genauso denken würde, wäre er immer noch nicht der Präsident. Würde er diese Gleichheit ausnutzen und sich das Amt anmaßen, wäre dies ein Raub (vgl. Phil. 2,6), eine Beschädigung des Amtes. Gleichwohl wäre er aber ein perfekter Repräsentant.
  • „Ich und der Vater sind eins“ (Joh 10,30). Hier steht nicht „Einer“! Als Neutrum bezeichnet „eins“ die Harmonie einer Gemeinschaft (etwa wenn man sagt, dass sich zwei Menschen eins sein können) und nicht etwa die Einzigartigkeit einer Person. Später verwendet Jesus selbst diese Worte und widerlegt damit die Vorstellung der Trinitarier, als er darum betet, dass seine Nachfolger „eins seien“, so wie er und sein Vater „eins sind“ (Joh. 17,22). Jesus und sein Vater sind also insofern „eins“, als Jesus es in vollkommener Übereinstimmung mit seinem Vater ist. Sie sind eines Geistes, teilen also die gleichen Ziele und Werte, so wie es auch bei Menschen der Fall sein kann. Dieses Eins-Sein ist ja auch zwingend erforderlich, wie könnte Jesus Christus ansonsten so perfekt seinen Gott, den Vater repräsentieren?
  • Gerne wird von Befürwortern die sogenannte „Taufformel“ in Mt. 28,19 angeführt, mit der Jesus seine Jünger anweist, „im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ zu taufen. Abgesehen davon, dass diese Formel in der Bibel nie angewendet wurde, sondern immer nur im Namen Christi getauft wurde (z.B. Apg. 8,16; 10,48), bzw. nach Paulus gar nicht mehr mit Wasser (1. Kor. 1,17; 12,13, Eph. 4,5), ist doch zu bedenken, was mit einer Aneinanderreihung von drei Namen überhaupt ausgedrückt wird. Etwa dass alle drei gleichberechtigt sind? Oder dass es sich um drei „Personen“ handelt, die zusammen wiederum eine mysteriöse Einheit bilden?
  • Vereinzelt wird auch darauf hingewiesen, dass im AT der Gottesname oft im Plural steht, beispielsweise Elohim oder Eloha und somit ein Hinweis zum Trinitätsdogma gefunden sei. Was bedeutet aber die Mehrzahlform? Mehr als einer! Nicht drei! Mit der Mehrzahlform ist auch nichts über das Verhältnis untereinander gesagt. Wie lautet die recht einfache Erklärung? Durch wen schuf El die Welt, redet El zu Menschen, wirkt El? Durch Seinen Sohn (1. Kor. 8,6, 1. Tim. 2,5), denn der Vater selbst ist Geist (Joh. 4,24), niemand hat ihn jemals gehört oder gesehen (Joh. 5,37)! Der Begriff Elohim wird also vor allem benutzt, um auszudrücken, dass der Geist Els in und durch Seinen Sohn (Eloah bzw. Alue) wirkt – der Bestimmende bleibt selbstverständlich der Vater. Daraus kann also nicht auf eine Gleichberechtigung beider geschlossen werden.
  • In den Augen einiger Trinitarier wollte Jesus mit Joh. 8,58 „Ehe Abraham wurde, bin (war) ich“ ausdrücken, dass er Gott sei, weswegen er von den Juden angegriffen wurde. Diese Interpretation ist allerdings kaum zu halten, denn Jesus sagte lediglich, dass er schon vor Abraham existierte und mit dem ihn sendenden Vater vertraut ist, womit er deutlich machte, dass er der Sohn Gottes ist und sein erste Geschöpf ist, was die Juden anmaßend empfanden, da sie ihm nicht glauben konnten.

Die historischen Wurzeln der Dreieinigkeit

Es ist keineswegs so, wie viele Christen meinen, dass das Dogma der Dreieinigkeit unter Christen unumstritten ist oder jemals war. Ganz im Gegenteil: Unter den zahlreichen Glaubensstreitigkeiten, die die christliche Welt der ersten Jahrhunderte in Bewegung hielten, war eine der wichtigsten der Kampf um die Frage nach dem Wesen Christi und seinem Verhältnis zu Gott dem Vater. Je mehr die Botschaft von Jesus im Römischen Reich Fuß fasste, umso mehr wurde sie mit dem Götzenglauben der Römer konfrontiert (s. 1. Kor. 8,6). Für einen Römer war die Dreiheit Jupiter (als Göttervater), Juno (als dessen Gemahlin) und Minerva (als deren Tochter) wichtig, sie galten als die Haupt- und Schutzgottheiten des römischen Staates. Auch die heidnische, neuplatonische Philosophie dachte sich das Göttliche trinitarisch. Zwar war die Botschaft von einem Gott des neuen Christentums klar – aber wer war dann Jesus, der Sohn Gottes? Ein zweiter Gott, gleich Seinem Vater?

Arius, ein gelehrter Presbyter von Alexandrien (256-336 n.Chr.), widersprach dem und lehrte die bis dahin traditionelle Position der Kirche, dass der Gottessohn dem Gottvater untergeordnet (subordiniert) sei und als Mittler zwischen Gott und den Menschen stehe. Mit dieser Kernaussage stand Arius, wie wir gesehen haben, auf der Grundlage der Bibel – zusammen mit allen anderen Kirchenvätern der damaligen Zeit. Justin der Märtyrer (133 – ca.163), hielt damals Jesus nicht etwa für „wesensgleich“, sondern erkannte ihm nur die „zweite Stelle nach dem unwandelbaren und ewigen Gott, dem Weltschöpfer“ zu. Irenäus (ca. 130-200) sagte zu Joh. 14,28 (Der Vater ist größer als ich): „…dass wir von ihm (Christus) lernen, dass der Vater der Allerhöchste ist. ‚Der Vater ist nämlich größer als ich‘. Deswegen also hat unser Herr gelehrt, dass auch hinsichtlich seiner Erkenntnis der Vater allen überlegen ist.“ Zu Eph. 4,6 (ein Gott und Vater aller, der über allen und durch alle und in allen) schreibt er: „So ergibt sich ein Gott Vater, der über alles und durch alles und in allem ist. Über allen nämlich ist der Vater, und er selbst ist das Haupt Christi“ (Gegen die Häresien, Buch V, Kapitel 18. 2). Origenes (185-254), ein führender Kirchentheologe, lehrte in gleicher Weise. Tertullian (160-230) ordnete den „Geist“ dem „Sohn“ genauso unter, wie er diesen dem „Vater“ unterordnete
Klemens von Alexandria (ca. 150-215) legte Joh. 17, 3 (Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus, erkennen.) so aus: „Man muss … die größte und wichtigste der zum ewigen Leben führenden Lehren der Seele einprägen, die in der Erkenntnis besteht, dass der ewige Gott der Geber ewiger Güter und der erste und höchste und der eine und gute Gott ist. Daher ermahnt der Herr den, der nach dem wahren Leben strebt, zuerst den kennen zu lernen, den niemand erkennt als der Sohn und wem es der Sohn offenbart‘ (Matth. 11,27), sodann als zweites nach Gott die Größe des Heilandes … zu erfassen“.
Novatian (ca. 200-258) sagte zu Joh. 10,30 (Ich und der Vater sind eins.):„Er sagt ferner ‚eins‘, und die Häretiker sollen bedenken, dass er nicht ‚einer‘ sagt. Als Neutrum bezeichnet ‚eins‘ nämlich die Harmonie in einer Gemeinschaft und nicht die Einzigartigkeit der Person … die Aussage ‚eins‘ jedoch sollte auf den Einklang untereinander und die Übereinstimmung im Denken und die Verbundenheit in der Liebe gehen. Deshalb bilden wirklich Vater und Sohn eine Einheit durch ihre Einmütigkeit und Liebe“ (De Trinitate – Über den dreifaltigen Gott, Kapitel 27).

Dem Urchristentum waren trinitarische Vorstellungen also völlig fremd [37, S. 49]. Woher sollten sie diese auch kennen? Jesus selbst lehrte keine Trinität, auch Paulus machte völlig gegenteilige Aussagen. Die ersten Christen kannten nur einen Gott, den Vater, dem Sein Sohn untergeordnet war; der Heilige Geist war der Geist Gottes und nicht von ihm zu trennen und somit keine eigene „Person“. Die Idee einer christlichen Version bekannter heidnischer trinitarischer Konzepte kam erst später auf:

Der einflussreiche Athanasius (298-373), Bischof von Alexandria, vertrat als einer der ersten energisch die Auffassung, dass der Gottessohn genau so groß sein müsse wie der Vater. Daneben gab es aber auch noch Philosophien, die stärker die Einheit betonten und die drei „Personen“ als verschiedene Sichten auf das Gleiche (Modalismus) betrachtet werden sollten, wie die Päpste Vikor I., Zephyrin und Kallist behaupteten. Die Streitereien uferten auch in der Bevölkerung aus, bedrohten die Ruhe im Reich und damit auch die Macht des Kaisers Konstantin. Konstantin war ein brutaler Machtmensch, der nicht davor zurückschreckte, selbst engste Familienangehörige töten zu lassen. Dieser scheinheilige Konstantin berief 325 in Nizäa ein Konzil mit hunderten Bischöfen ein, um die Einheit der Staatskirche mit einem einheitlichem Dogma (später Nizänisches Glaubensbekenntnis genannt) wieder zu erzwingen. Es sollte strittige Fragen über die Göttlichkeit Christi klären und führte das nichtbiblische Wort homousios ein (griechisch: „von der gleichen Substanz – der Begriff entstammte wie andere der katholischen Dogmatik der Lehre der damaligen Gnostiker), das besagte, Christus sei wesensgleich mit Gott. Damit entschied sich das Konzil gegen die Auffassung von der Wesensähnlichkeit Christi mit Gott (homoiousian: „von ähnlicher Substanz”, ebenfalls ein nichtbiblischer, aber der weniger falsche Begriff). Christus war auf einmal „wahrer Gott von wahrem Gott“ – im Widerspruch zum Neuen Testament und zum Glauben der gesamten Urchristenheit. Es stellt sich auch grundsätzlich die Frage, ob der Wahrheitsgehalt einer theologischen Behauptung per Mehrheitsentscheid festgestellt werden kann. Arianismus wurde aber damit verworfen und Arius selbst mit zwei Bischöfen verbannt. Auf den Besitz seiner Schriften stand Todesstrafe. Arius wurde wohl schließlich 336 in Konstantinopel vergiftet, nachdem er zuvor rehabilitiert worden war. Der theologische Streit zwischen Katholiken und Arianern tobte aber noch viele Jahrzehnte lang in beiden Hälften des römischen Reiches – wobei die Katholiken schließlich die Oberhand behielten. Die Arianer wurden verketzert, vertrieben, enteignet und umgebracht. In der östlichen Kirche neigten aber dennoch nach wie vor viele dem Arianismus zu. Athanasius führte weiter einen wechselvollen Kampf, wurde selbst mehrere Male verbannt und zurückgerufen.

Der kaiserlich diktierte Athaniasmus hatte bald dennoch keinen Rückhalt im Volk und Klerus mehr, es setzte sich langsam wieder der biblische Arianismus durch. Auf dem dritten Konzil von Sirmium (357) wurde ein Bekenntnis verfasst, das durchweg eine Subordination Jesu unter den Vater vertritt; auf Konzilien in Nicäa und Konstantinopel wurde Jesus als ähnlich (»homoiousios«; mit zusätzlichem Iota) wie Gott bezeichnet (359). Ab 370 n.Chr. ist wieder stärkere trinitarische Einflussnahme zu verzeichnen, was letztlich darin mündete, dass der politisch starke und athanasisch getaufte römischen Kaiser Theodosius I. (347-395) ein neues Konzil in Konstantinopel 381 erzwang, um das alte Bekenntnis wieder aufleben zu lassen – ergänzt um eine Erklärung zum Heiligen Geist, später bekannt als Nizänokonstantinopolitanum. Der „Heilige Geist“ ging fortan nach Vorgabe der Staatskirche aus dem Vater „hervor“ (nach der westlichen Kirche zusätzlich auch noch vom Sohn, sog. „Filioque“-Streit) und musste neben dem Vater und Seinem Sohn verherrlicht und angebetet werden, alles ohne biblische Grundlage. Die politischen Auswirkungen waren aber beachtlich (worauf es wohl auch ankam), denn mit diesem 2. Ökumenischen Konzil (dem 1. Konzil in Konstantinopel im „Codex Justinianus alias Corpus irius civilis“) wurde die Einheit des Glaubens wiederhergestellt und damit die staatsstabilisierende orthodoxe katholische Staatskirche errichtet. Dieser Codex war reichsrechtlich sanktioniert, was bedeutete, dass man bei Widerspruch seine bürgerliche Existenz aufs Spiel setzte.

50 Jahre später wurde in Ephesus (431) Maria zudem als „Muttergottes“ (Theotokos, Gottesgebärerin) dogmatisiert. Auch dieses Konzil hat wieder ein Kaiser geleitet: Theodosius II., der gegen den Patriarchen von Konstantinopel, Nestorius, Verbündete suchte, um ihn dann als „ruchlosen“ Ketzer verurteilen und vertreiben zu können. Sein Verbrechen: Er hatte vor dem Kult einer „Gottesmutter“ gewarnt; Maria könne nur als „Christusgebärerin“ (Christotokos) bezeichnet werden. Ein Verbündeter von Theodosius II. ist Kyrill, der Bischof von Alexandria. Er intrigiert geschickt und lässt abstimmen, bevor die Sympathisanten von Nestorius angereist sind. Großzügige Schmiergelder und Geschenke helfen, seine Meinung als Beschluss abzusichern (GEO 01/11). Sachlich hatte Nestorius freilich recht. Denn nach der Bibel ist Jesus nicht Gott, daher hat Maria auch keinen Gott geboren. Die Bezeichnung „Mutter Gottes“ suggeriert darüber hinaus, dass Maria größer wäre als Gott oder dass Gott ihr Kind war. Der Kirche jedoch ist ein Geniestreich gelungen: Auch mit einer weiblichen Gottheit kann die Staatskirche nun dienen.
Denn die Ursprünge des Mutterkults sind uralt – und babylonisch: Deren Hauptgöttin Ischtar wurde als „Mutter des Himmels, Königin, Allmächtige“ verehrt, schrieb ihrem Sohn ebenfalls göttliche Eigenschaften zu und wurde so als „Muttergottes“ verehrt. Der Mutterkult geht von hier in die ganze Welt, nur leicht abgewandelt und mit anderen Namen versehen (Ägypten: Isis und Horus; Phönizien: Astarot und Baal; Griechenland: Aphrodite und Eros; Rom: Venus und Amor). In Ephesus hieß die verehrte Muttergottes „Artemis“ (In Apg. 19,34 schreit die Menge: „Groß ist die Artemis der Epheser! Groß ist die Artemis der Epheser!“). Ausgerechnet in diesem Ephesus wurde nun den Menschen mit Segen des Klerus ermöglicht, den heidnischen Gottesmutterkult mit Maria weiter zu betreiben – bis heute.
An Maria-Wallfahrtsorten ist von Christus selten die Rede und selbst Gott scheint in der Volksfrömmigkeit schon unter Maria zu stehen. Der neue Katechismus der katholischen Kirche erklärt mit einem Zitat vom 2. Vatikanischen Konzil: „Schon seit ältester Zeit wird die selige Jungfrau unter dem Titel der ´Gottesgebärerin` verehrt, unter deren Schutz die Gläubigen in allen Gefahren und Nöten bittend Zuflucht nehmen.“ Damit wird die Basis der biblischen Lehre klar verlassen, denn Maria wird in Gottes Wort nie angebetet oder besonders verehrt und es gibt nicht einen Fall, dass sie jemandem auf wunderbare Weise geholfen hätte, und auch keine Verheißung, dass sie das könnte oder täte, schon gar nicht nach ihrem Tod. In der Bibel wird Schutz und Hilfe allein bei Gott bzw. Christus gesucht, verheißen und gefunden. Papst Benedikt XVI. bezeichnet Maria sogar als „Mittlerin“ und Dolmetscherin, die den Menschen, die Evangelien sowie die Heilsgeschichte näher bringen und verständlicher machen kann“. Somit nimmt Maria nach katholischer (Irr-)Lehre also die Stellung Christi ein, der aber nach biblischer Aussage alleiniger Mittler ist (1.Tim. 2,5) – obwohl diese naheliegende Folgerung von offizieller Seite abgewiesen wird. In der Praxis ist es aber so, da entsprechend des Dreieinigkeitsdogmas Jesus zu Gott geworden ist, dass die vakante Stelle des Mittlers nun von Maria besetzt wird. Auch der Begriff „Mittlerin“ wird nie in der Bibel für Maria verwendet. 1997 wollten fast fünf Millionen Katholiken aus 157 Ländern, darunter 500 Bischöfe und 42 Kardinäle sogar noch weiter gehen: Diese haben eine Forderung aufgestellt, mit der selbst der sonst so marienfromme Papst Johannes Paul II. Probleme hatte und die dann auch von einer von ihm einberufenen Kommission abgelehnt wurde. Ihnen genügen die vier bisherigen Mariendogmen nicht, die schon allesamt mit der Bibel nichts mehr zu tun hatten. Sie wollen die Jahrhunderte alte geduldete Frömmigkeitspraxis in offizielle Formen gegossen sehen und die vergottete Maria neben Jesus nun auch offiziell noch als „Miterlöserin“ anbeten dürfen. Damit würde sie auf einer Stufe mit dem eigentlichen (und biblisch alleinigen) Erlöser Christus stehen: Aus der ohnehin schon unbiblischen Dreifaltigkeit, der Trinität von Gott Vater, Sohn und Heiligem Geist, würde sogar eine Vierfaltigkeit mit Maria, der Mutter des Gottessohns. Maria würde in der katholischen Lehre von der Mittlerin zur eigenständigen Gottheit aufsteigen, die ältesten Ursprünge der weiblichen Gottheit (Mutter Erde) zögen über die Hintertür der Marienfrömmigkeit in den katholischen Himmel ein (Focus 52/1997). Richtig ist allerdings, und da hat Benedikt XVI. zweifelsfrei Recht, dass es großen Bedarf gibt, den Menschen die Heilsgeschichte und die Lehre der Bibel näher zu bringen, denn die katholische Kirche hat hierin kläglich versagt. Besonders kritisch ist zu sehen, dass sie biblische Inhalte mit biblisch klingendem Vokabular bis zur Unkenntlichkeit verdreht hat. Maria kann hier aber nicht helfen, denn sie ist seit Hunderten von Jahren tot.

Mit dem Konzil von Chalcedon 449 wurde zudem die christologische Schlüsselaussage von Augustinus (durch Papst Leo I. dort zitiert) ins Dogmengebäude eingebracht, dass „zwei Naturen in der Person Christi“ seien: eine göttliche und eine menschliche [38, S. 200]. Auch diese danach oft wiederkehrende Behauptung der Schizophrenie Christi findet sich freilich nirgendwo in der Bibel. Mit diesem unbiblischen Dogma wurde aber fortan mühsam versucht, die „Vergottung“ Jesu mit der Bibel in Übereinstimmung zu bringen. Der Trick war, dass die zahlreichen Stellen, die deutlich von einer Unterordnung Jesu unter Seinem Vater sprechen, nun lediglich die menschliche „Natur“ Jesu betreffen sollen. Ein Dogma wird also praktischerweise durch ein anderes, ebenfalls unbiblisches Dogma gestützt. Inspiriert wurde diese bibelfremden Idee der Doppelnatur wohl durch den ähnlichen Dualismus des Manichäismus-Kultes, dessen Anhänger Augustinus neun Jahre lang war.

Damit waren aber nur die Voraussetzungen geschaffen für das eigentliche Dogma der Dreieinigkeit (3 Personen, 1 Gott), das erst im 6. Jahrhundert so formuliert wurde, bekannt geworden als Athanasianisches Glaubensbekenntnis. Das fälschlich Athanasius zugeschriebene Glaubensbekenntnis war wohl eher eine Zitatensammlung von Kirchenvätern, die augustinisch geprägt waren. Die unverhohlene Drohung mit ewigem Feuer andersdenkenden Bibelauslegern gegenüber, und die Aussage, dass allein die vollständige Übernahme des Bekenntnisses „selig“ mache, verdeutlicht die mittlerweile etablierte Machtposition der katholisch-römischen Staatskirche.

Die drei zum Dogma führenden relevanten „Bekenntnisse“ haben sich immer weiter von der Bibel entfernt: Während im Nizäum die Unterordnung Jesu unter seinem Vater geleugnet wurde, sollte nach dem Nizänokonstantinopolitanum nun auch der Heilige Geist genauso verehrt werden wie Vater und Sohn. Übertroffen wurde das noch im Athanasium, das alles in einen in sich unbiblischen Rahmen presste: Es war auf einmal von dem unklaren und unbiblischen Begriff „Person“ die Rede. Was unterschied „Person“ noch vom Begriff „Gott“? Das Trinitätsdogma behauptete doch bei Licht betrachtet, dass drei gleichrangige Götter (verschleiernd als „Personen“ bezeichnet) paradoxerweise ein Gott sein sollen. Augustinus irritierte das keineswegs; er meinte gar, Klarheit wäre ein schlechtes Zeichen: „Obwohl Gott sich offenbart, bleibt er doch ein unaussprechliches Geheimnis: ‘Verstündest du ihn, es wäre nicht Gott’.“ So wurde langsam das Urchristentum aufgelöst und den heidnischen Religionen angenähert.

Wir wissen heute, dass das staatlich geförderte „Christentum“ das Heidentum nicht zerstörte, sondern es in sich aufnahm. Warum sollte eine Staatskirche auch das Interesse haben, die Menschen mit den völlig neuen Inhalten der Bibel abzuschrecken, die so anders waren als die Kulte, die ihnen bisher geläufig waren? Wallfahrten und Pilgerreisen, die damals aufkamen, entsprachen daher herkömmlichen Kulten. Die Lichterprozession zu Mariä Lichtmess geht auf einen römischen Sühneumzug, das „Amburbale“, zurück. Der aufblühende Heiligen- oder Märtyrerkult hat seine Wurzeln im heidnischen Heroen- und Totenkult. Auch im neuen „Christentum“ tauchte als bewährtes Drohmittel die schon bekannte heidnische „Hölle“ auf. Zu allen Zeiten hatten also Gläubige gegen enorme heidnische Einflüsse anzukämpfen, die durch Staatsreligionen verbreitet wurden. Paulus schreibt so zu den Korinthern „So ist jedoch für uns nur Einer Gott, der Vater, aus dem das All ist (und wir sind zu Ihm hingewandt), und nur Einer Herr, Jesus Christus, durch den das All geworden ist (und wir sind es durch Ihn). Aber nicht in allen ist diese Erkenntnis. Denn einige, die bis jetzt an Götzen [=Göttern] gewöhnt waren…“ (1. Kor. 8,6). Der junge Timotheus hat von Paulus die Anweisung bekommen: „Verharre in Ephesus, damit du gewisse Leute anweist, nichts anderes zu lehren, noch auf Sagen … acht zu geben, die vielmehr Streitfragen verursachen“ (1. Tim. 1,4) „Die unheiligen Sagen aber verbitte dir!“ (1. Tim. 4,7). „Denn es wird eine Frist kommen, wenn Menschen die gesunde Lehre nicht mehr ertragen werden, sondern sich selbst nach eigenen Begierden Lehrer anhäufen, weil ihr Gehör gekitzelt wird; und zwar werden sie das Gehör von der Wahrheit abwenden und sich den Sagen zukehren“ (2. Tim. 4,4).

Die römischen Christen begrüßten es auch im Fall des Gottesbildes natürlich, wenn schon Bekanntes im neuen christlichen Glauben zum Vorschein kam, um so weniger hatten sie von ihrem heidnischen Glauben aufzugeben. Je mehr „Römer“ dazu kamen, desto weniger hatten die Urchristen zu sagen. Auch im Gott der babylonischen Religion waren drei Personen und um dies darzustellen, verwenden sie das gleichseitige Dreieck, das bekanntermaßen in der römischen Kirche bis heute gebraucht wird. Die Ägypter nutzen ebenfalls das Dreieck für ihre „göttliche Trinität“. In Japan verehren die Buddhisten ihren großen Gott Buddha mit drei Köpfen. Im Hinduismus wird die Trinität („Trimurti“) aus den Göttern Brahma (dem Schöpfer), Vishnu (dem Bewahrer) und Shiva (dem Zerstörer) angebetet. Die Vorstellung der Dreieinigkeit war und ist also tief in vielen alten Kulturen verwurzelt. Die Gründer der römischen, „christlichen“ Staatsreligion übernahmen auch diese Vorstellung der heidnischen Hauptreligionen und transformierten sie in das Dogmensystem der „christlichen“ Kirche, wobei sie die völlig abweichenden Aussagen der Bibel und damit ihre Sonderstellung völlig ignorierten.

Lange auf das Volk eingepredigte Kirchendogmen werden zudem selten korrigiert, weil dadurch die eigene Autorität Schaden nehmen würde. Somit erlangen auch bibelferne Lehrsätze der Religionsgemeinschaften im Laufe der Zeit den gleichen oder gar höheren Status als die Bibel selbst.

Der biblische Grundgedanke des über allen stehenden Gottvaters (Monotheismus im eigentlichen Sinn) ist aber nach Augustinus nicht untergegangen.
Bei den Germanen spielte dabei der Gote Wulfilas (313-383) eine wichtige Rolle. Mitte des dritten Jahrhunderts wurden seine Vorfahren mütterlicherseits von Goten aus Kappadokien in Kleinasien entführt und auf den Balkan gebracht. Kappadokien war eine Hochburg der Origenisten; dort war z.B. bis 268 der Origenes-Schüler Firmian Bischof. Wulfilas traf während eines Aufenthaltes in Konstantinopel (337) mit Bischof Eusebios von Nikomedien (heute Izmit) zusammen, der sich auf dem Konzil von Nizäa nach anfänglichem Zögern gegen das neue Dogma Konstantins ausgesprochen hatte. Eusebios war Origenes-Anhänger. Wulfilas begründete zunächst die Schriftsprache der Goten und übersetzte dann die gesamte Bibel ins Gotische. Wulfilas, der „Gotenbischof“, wurde 383 in Konstantinopel – wie vor ihm Arius – höchstwahrscheinlich vergiftet, als er sich gerade einem Glaubensgespräch mit katholischen Theologen stellen wollte. Doch die Impulse, die er seinen Zeitgenossen gegeben hatte, waren nicht mehr aufzuhalten: Von den Goten aus übernahmen die meisten anderen Germanenstämme – Vandalen, Sueben, Alamannen, Thüringer, Bajuwaren, Langobarden, ansatzweise wohl auch Teile der Franken und Sachsen – das origenistisch geprägte christliche Glaubensverständnis des Wulfilas, ohne Trinität und Höllenlehre.
Zu Beginn des sechsten Jahrhunderts beherrschten arianische Germanenstämme weite Teile Europas. Die Gegenkräfte hatten sich zu diesem Zeitpunkt jedoch längst formiert. Zum einen stachelte der katholische Klerus den byzantinischen Kaiser Justinian (482-565) dazu auf, die arianische „Irrlehre“ in einer Art „heiligem Krieg“ auszurotten. Seine Truppen vernichteten zuerst (534) das nordafrikanische Vandalenreich, kurz darauf, in einem verheerenden Krieg (535-555), das Reich der Ostgoten in Italien. Während dieses Krieges ließ Justinian die Lehre des Origenes verdammen (543/553). Von Vandalen und Ostgoten verliert sich seitdem jede Spur in der Geschichte; sie waren als Völker ausgelöscht.

Der andere tödliche Angriff kam von Germanen selbst: Die Franken waren der erste Stamm, dessen König Chlodwig um 495 katholisch wurde. Interessant ist dabei die Herkunft dieses Stammes. Bei seiner „Bekehrung“ soll seine katholische Frau Chlotilde, eine Burgunderprinzessin, eine starke Rolle gespielt haben. Chlodwig hatte jedoch auch genügend politische Gründe für die Konversion: Chlodwig sicherte sich so bei seiner Eroberung Galliens den Beistand des galloromanischen Klerus. Dieser wieder schützte dadurch seine riesigen Reichtümer vor dem Zugriff der Arianer und unteren Volksschichten.

Die katholischen Merowinger und später Karolinger unterwarfen nacheinander die noch verbliebenen Germanenstämme: Alamannen, Thüringer, Bajuwaren, Langobarden und Sachsen, zum Teil in blutigen Gemetzeln. Arianische Kirchen wurden enteignet, ihre Bischöfe und Anführer vertrieben oder umgebracht. Die ihrer südfranzösischen Besitzungen beraubten und auf Spanien zurückgedrängten Westgoten wurden durch Intrigen im Königshaus an der Führungsspitze ebenfalls katholisiert – und wenig später von den Mauren überrannt.

Aufgrund der rigiden Durchsetzung des Dogmas durch Staat und Kirche wagten es erst wieder lange Zeit später nur Einzelne, ihre Zweifel an dieser Lehre öffentlich zu machen. Ein bekannter Gegner war Michael (Miguel) Servet (Servetus, Serveto), Arzt und Theologe. In Straßburg erschien 1531 sein erstes gegen die Trinität gerichtetes Werk „De trinitatis erroribus“, das freilich von katholischen und protestantischen Theologen abgelehnt wurde. Jesus, so schreibt er, sei zunächst einmal ein Mensch, der freilich an der Substanz des Vater-Gottes teilhatte. Statt – wie im Dogma formuliert – „ewiger Sohn Gottes“, soll es nach Servet heißen: „Sohn des ewigen Gottes“. Denn seiner Auffassung ist Jesus nicht von Anfang an ewig wie Gott, sondern wurde es erst als Erscheinungsform der göttlichen Substanz. Er tauchte, um der Inquisition zu entgehen, in Frankreich unter und studierte ab 1536 in Paris Medizin. Gleichzeitig hielt er Vorlesungen über Geographie, Astronomie und Astrologie. Später lebte er als Arzt in Vienne am Ufer der Rhone, sein Interesse an theologischen Problemen hielt an. 1553 publizierte er sein opus magnum, die „Christianismi Restitutio“ (Wiederherstellung des Christentums), in dem er u.a. auch die Abschaffung der Kindertaufe forderte. Seine Vision ist die Wiederherstellung des Christentums nach dem Vorbild der urchristlichen Glaubensgemeinschaft. Die Ursünde der Kirche sieht er im ersten Dogma, in der Dreifaltigkeitslehre, durch welche die Gläubigen verpflichtet wurden, „einen dreiköpfigen Zerberus“ anzubeten, was völlig unbiblisch sei. Wegen dieser erneuten Angriffe auf die Trinität in diesem Werk wurde Servet aufgrund von Informationen des Genfer Reformators Johannes Calvin (1509 – 1564) durch die katholische Inquisition in Vienne verhaftet. Er entkam und das Urteil der Verbrennung konnte nur an dem Bild des „Ketzers“ vollstreckt werden. Auf seiner geplanten Flucht nach Italien passierte er Genf, wo ihn Calvin am 13. August einkerkern ließ. Dies war wohl vor allem ein politischer Akt, denn Calvins Theokratie war nicht mehr so unangefochten – Calvin hatte einst selbst Bedenken gegen das Konzil von Nicäa und das Trinitätsdogma gehabt, wovon er später aber nichts mehr wissen will. Er will eine ketzerreine Weste haben. Die Anklagepunkte lauteten also: Leugnen der Trinität und der Gottheit Christi sowie Pantheismus. Theologen von vier Schweizer Städten sprachen sich für die Todesstrafe aus, die am 27. Oktober 1553 in Genf durch den Feuertod vollzogen wurde. „Er wurde auf den Scheiterhaufen gehoben, mit einer Kette an den Pfahl gebunden und auf sein Haupt als Leidenskrone ein mit Schwefel bestreuter Laubkranz gedrückt“; unter seinen Arm wird sein Buch geklemmt. Da der Henker halb grünes Holz genommen hatte, dauerte der Todeskampf länger als eine halbe Stunde. Im Oktober 1903, dreihundertfünfzig Jahre nach dieser Hinrichtung, wurde an dem Genfer Verbrennungsort als Zeichen später Reue ein Sühnedenkmal errichtet. Seit seinem Tod auf dem Scheiterhaufen verfolgte allerorten die Inquisition die Antitrinitarier, vor allem in Italien [45].

Die Verfolgten wichen in den Osten aus, so der Arzt Blandrata (gest. ca. 1585) nach Siebenbürgen, der frühere Kapuziner-Prediger Bernando Ochino nach Böhmen (gest. 1565). Am einflussreichsten war aber der von Antitrinitariern nach Polen gerufene Fausto Sozzini (gest. 1605). Er nahm bewusst die Chancen einer eigenständigen Kirchengründung wahr, die auf unitarischem Glaubensbekenntnis beruhte. Sozzini verfasste auch ihren Katechismus, weswegen die polnischen Antitrinitarier Sozianier genannt wurden. Aufgrund des Codex Theodosianus (von 381!) wurden sie aber reichsgesetzlich verfolgt und flohen in die Ostseegebiete, vor allem aber in die Niederlande und nach England.

Die Ablehnung des Dreifaltigkeitsdogmas war in Italien besonders stark bei den Befürwortern der Erwachsenentaufe, die sich „Täufer“ nannten. Diese „Antitrinitarier“ traten vor allem um 1550 in Venetien organisiert auf. Auch deutsche Täufer wie Sebastian Franck (1499-1542) waren Großteils überzeugte Antitrinitarier.

In Siebenbürgen (Rumänien) wurde der junge Fürst Johann Sigismund von seinem antitrinitarischen Leibarzt Giorgio Biandrata angeregt, Franz David (1510–1579) zu seinem Hofprediger zu ernennen. Dieser hatte in Wittenberg studiert, kam als überzeugter Lutheraner nach Siebenbürgen und schloss sich 1559 dem Calvinismus an. 1566 ging er noch weiter und stellte in theologischen Streitgesprächen unter Leitung des Fürsten das Trinitätsdogma in Frage. Es gelang ihm, den Fürsten selbst und einen Teil des Adels von seinen Anschauungen zu überzeugen.
Die Anhänger Franz Davids organisierten sich nun in einer eigenen Kirche, schon 1568 war die Bezeichnung „Unitarier“ gebräuchlich, seit 1600 amtlich und seit 1638 als Selbstbezeichnung. Sie ist eine Umkehrung des Begriffs „Antitrinitarier“ ins Positive und charakterisiert den Glauben der damaligen Unitarier an einen einzigen, ungeteilten, aber personifizierten Gott.
Die neue Kirche wuchs rasch, Cluj (Klausenburg) wurde zu ihrem Zentrum. Fürst Johann Sigismund, erster und einziger unitarischer Regent, starb schon 1571. Sein Nachfolger war ein Katholik, der den konfessionellen Status Quo 1572 durch einen Landtagsbeschluss festschreiben ließ. Religiöse Neuerungen waren in Zukunft unter Strafe gestellt, der Franz David 1579 zum Opfer fiel. In der Folgezeit blieb der 1571 erreichte Rechtsstatus der unitarischen Kirche Siebenbürgens zwar erhalten, tatsächlich war sie jedoch vielfältigen Schikanen ausgesetzt. Erst 1781 erließ Kaiser Joseph II. ein Toleranzedikt. Volle Gleichberechtigung erhielten die siebenbürgischen Unitarier jedoch erst 1848. Seit 1820 standen sie im Kontakt mit den englischen und seit 1831 mit den amerikanischen Unitariern.

Von besonderer Bedeutung ist auch die Entwicklung der englischen Unitarier. Die erste unitarische Gemeinde in London wurde 1774 von Theophilus Lindsey gegründet. Während der Herrschaft von König James I. verbreitete sich der Einfluss des Sozinianismus in England aus, und John Biddle gründete in London eine Gesellschaft der Unitarier. Das Toleranzgesetz von 1689 nahm die Unitarier von der Religionsfreiheit aus und erst 1844 wurden die Anhänger des Unitarismus durch den Dissenter’s Chapel Act gesetzlich gleichgestellt.

In den USA bekannte sich 1785 die kongregationalistische Gemeinde der King’s Chapel in Boston zum Unitarismus. 120 Kongregationskirchen bekannten sich in der Folge zu unitarischen Glaubenslehren (zu der auch die Ablehnung der Erbsündenirrlehre des Augustinus gehört). Die Verfassung der USA, mit ihrer Trennung von Staat und Kirche, wurde auch von einer Reihe von Unitariern (die US-Präsidenten Thomas Jefferson und John Adams waren Unitarier) maßgeblich mitgeprägt.

Der Astronom Carl Sagan schreibt über Sir Isaak Newton (1643-1727): „Außerdem war er bereits früh zu dem Schluss gelangt, der konventionelle christliche Glaube an die Dreieinigkeit sei eine Missdeutung der Heiligen Schrift. … Er war eher ein jüdischer Monotheist aus der Schule des Maimonides. Zu diesem Schluss war er nicht aufgrund so genannter vernünftiger oder skeptischer Erwägungen gelangt, sondern lediglich durch die Lektüre alter Autoritäten. Er war überzeugt, dass die offenbarten Schriften für die durch spätere Fälschungen entstandenen trinitarischen Doktrinen keinen Anhaltspunkt boten. Aber das war ein Geheimnis, das zu hüten er sich verzweifelt mühte“ („Unser Kosmos“ v. Carl Sagan, Bechtermünz-Verlag, Seite 79).

Der Adventismus verwarf das trinitarische Dogma in seinen Anfängen noch als unbiblisch (Brockhaus Konversationslexikon 1892), während die heutigen Vertreter es sich unter dem Anpassungsdruck der Ökumene haben aufzwingen lassen (siehe auch hier). Dabei wird selbst vor dreisten Fälschungen der Schriften der Gründer nicht zurückgeschreckt. Beispielsweise heißt es auf S.6 in dem Standardwerk „The Great Controversy“ von Ellen White ganz richtig „it was of Christ, that „the Word was made flesh, and dwelt among us.“ (Jo. 1,14). In einer neueren deutschen Übersetzung mutiert „Christ“ nun zu „Gott Christus“ – ein unbiblischer, trinitarisch klingender Titel, den White wahrscheinlich nie benutzt hat, definitiv nicht an dieser Stelle.

Der bekannte evangelische Theologe Karl Barth sah die biblische Basis zu schwach an, um aus dem Konstrukt der Trinität ein Dogma machen zu können. Er schrieb in „Die Lehre vom Wort Gottes“: Es fehlt in der Bibel die ausdrückliche Feststellung, das der Vater, der Sohn und der Heilige Geist gleichen Wesens sind.

Karl-Heinz Ohlig (katholischer Theologieprofessor), [30] schreibt: „Der biblische mono(!)-theistische Glaube erscheint im Lichte der Trinitätslehre mindestens widersprüchlich oder gar in Frage gestellt: Gott und zwei gottähnliche Wesen? Ein verkappter Tritheismus, Dreigötterglaube!? Die christlich-theologischen Deutungen von „Trinität“ erscheinen eigentlich immer sehr kompliziert und unverständlich. Sogar ein Karl Barth verliert sich in eine Verlegenheitsformel: Er entwickelt den Begriff „Seinsweisen“ (statt „Personen“) des einen Gottes. Also auch das Bild des Wassers in drei Formen hilft wenig und bietet einem (oft christlich-theologisch so gewollten) mysterienhaftem Geheimnischarakter der Trinitätslehre freien Raum.“

Selbst in der New Chatholic Encyclopedia wird zugegeben: „Die Lehre von der heiligen Dreifaltigkeit wird im AT nicht gelehrt“

Der Jesuit Edmund Fortman schreibt in „The Tribune“: Das Alte Testament … erhält weder die klare Formulierung noch die zwingende Folgerung, dass es einen dreieinigen Gott gibt, der Vater, Sohn und Heilige Geist ist … Nichts deutet darauf hin, dass irgendeiner der Bibelschreiber eine Dreiheit in Gott auch nur vermutet hätte. Wer im … (AT) Andeutungen oder Hinweise oder ‚verschleierte Anzeichen bezüglich einer Dreipersönlichkeit sieht, geht über die Worte und die Absicht der Bibelschreiber hinaus. Die Verfasser des Neuen Testaments.. .sagen uns nichts von einer formalen oder formulierten Trinitätslehre, von einer klaren Lehre, dass in einem Gott drei gleich große göttliche Personen sind. Wir finden nirgendwo eine Trinitätslehre von drei voneinander verschiedenen Personen göttlichen Lebens und Wirkens in einer Gottheit.“

In der New Encyclopedia Britannica wird bemerkt: „Weder das Wort Trinität noch die Lehre als solche ist im Neuen Testament zu finden.‘

Theologisches Begriffslexikon zum Neuen Testament: „Eine ausgebildete Lehre von der Dreieinigkeit kennt das NT noch nicht.“

E. Washburn Hopkins, Professor an der Yale-Universität schreibt: „Jesus Christus und Paulus wussten offenbar nichts von der Trinitätslehre, jedenfalls erwähnen sie sie nie“ (Origin and Evolution of Religion).

Der Historiker Arthur Weigall schreibt: „Jesus Christus erwähnte nie ein solches Phänomen, und das Wort ‚Dreieinigkeit‘ kommt im ganzen Neuen Testament nirgendwo vor. Die Lehre wurde erst dreihundert Jahre nach dem Tode unseres Herrn in die Kirche aufgenommen“ (The Paganism in our Christianity).
Die Katholische Kirche erklärte: „Unsere Gegner äußern manchmal, dass keine Glaubenslehre dogmatisch gehalten werden solle, welche in der heiligen Schrift nicht deutlich gelehrt wird. Die protestantischen Kirchen haben aber dennoch selbst solche Lehren angenommen, wie die Trinität, für die es keine genaue Autorität in den Evangelien gibt“ (Life Magazin, 30. Oktober 1950).
„Kompendium der Kirchengeschichte“ von Karl Heussi: „Das Taufbekenntnis, seine älteste Gestalt war ein Christusbekenntnis, seine spätere Form triadisch (S. 39). Das Neue Testament kennt keine eigentlich trinitarischen Aussagen. Das Trinitätsdogma bildete sich seit etwa 200“ (18. Auflage, S. 69).

NAI (Nachrichten aus Israel, Zeitschrift): „Es gibt Gelehrte, die in „Taufet sie im Namen des Vaters, des Sohnes und des Heiligen Geistes“ (Mt. 28, 19) einen späteren Zusatz sehen. Die Anerkennung dieses Verses als späteren trinitarischen Zusatz lässt den Sachverhalt, dass es sich um einen authentischen Vers handelt als absolut unmöglich erscheinen. In der Apostelgeschichte finden wir nur die Taufe auf den Namen Jesu (z.B. Apg. 38, ebenso in Römer 6, 3)“ (Zitat aus dem Artikel „Im Namen des Sohnes“, 10/2002).

Herder – Bibel 1965: „Einführungen und Anmerkungen zu Mt. 28, 16-20: „Die trinitarische Taufformel hat sich in der frühen Kirche aus der einfachen Formel „auf den Namen Jesu“ entwickelt.“

Peter Gerlitz schreibt in „Hintergrund der Lehre vom dreifaltigen Wesen Gottes“ zum religionsgeschichtlicher Vergleich mit der christlichen Trinitätslehre:
Die Geschichte der Trinität ist in ihren Anfängen zunächst Christologie. Daher ist auch der trinitarische Gottesbegriff als solcher im Urchristentum nicht nachweisbar. Außer dem – gegen Ende des 4. Jahrhunderts bei spanischen und afrikanischen Kirchenvätern auftauchenden Comma Johanneum (1. Joh. 5,7) – galt jahrhundertelang der Taufbefehl Mat. 28,19 als ältestes trinitarisches Zeugnis. Aber schon die Aufklärung hat gegen seine Echtheit Bedenken erhoben. Vollends hat F. Cony-Beare nachgewiesen, dass Eusebius in den vor dem Nicänischen Konzil verfassten Schriften nie den vollen Wortlaut des Taufbefehls zitiert, sondern immer nur „Auf den Namen Jesu“. Möglicherweise findet sich diese Textform auch bei Justin, Dial.c. Tryphone 39 und 53 2); desgleichen vermutet Cony-Beare, dass auch Origenes den trinitarischen Taufbefehl nicht kannte‘ (Doktorarbeit, 1963).

B. M. Metzger schreibt in dem 1966 erschienenen Buch „Der Text des neuen Testaments/Einführung in die neutestamentliche Textkritik III, Die vorkritische Periode“ zum Fälschungsversuch „Comma Johanneum„. Das Comma Johanneum ist ein Textvariante von 1.Joh 5,7, die die Trinitätslehre stützen sollte. Statt „Denn drei sind es, die Zeugnis ablegen, der Geist, das Wasser und das Blut“ (wie es heute üblicherweise in den Übersetzungen zu finden ist), fand sich angeblich in einigen Handschriften die Version „Der Vater, das Wort und der Heilige Geist; und die drei sind eins und drei sind die auf Erden Zeugnis geben“. Metzer schrieb dazu, dass Erasmus in seiner Bibelausgabe für diese Version keine Anhaltspunkte fand und sie deshalb nicht verwendete, aber dafür von Trinitarieren, wie Stunica, Kritik einstecken musste. Erasmus erwiderte, dass er keine Handschrift gefunden hätte, die diese Worte enthielt, obwohl er in der Zwischenzeit verschiedene andere überprüft hätte außer denen, auf die er sich verlassen hatte, als er zum ersten Male seinen Text besorgte. In einem unbedachten Augenblick versprach Erasmus aber, es in späteren Auflagen in seinen Text einzufügen, wenn man auch nur eine einzige griechische Handschrift fände, die diese Stelle enthielte. Schließlich fand man eine solche Handschrift oder fertigte sie auf Bestellung an. Wie es jetzt scheint, wurde die griechische Handschrift wahrscheinlich in Oxford um 1520 von einem Franziskanerbruder namens Froy (oder Roy) geschrieben, der die umstrittenen Worte aus der Vulgata entnahm. Erasmus stand zu seinem Versprechen und fügte die Stelle in seiner dritten Auflage ein (1522); in einer umfangreichen Fußnote äußert er jedoch seinen Verdacht, die Handschrift wäre eigens dazu hergestellt worden, ihn zu widerlegen.
Unter den Tausenden von griechischen Handschriften, die seit der Zeit des Erasmus überprüft wurden, gibt es nur drei weitere, die diese unechte Stelle enthalten. Es sind dies die Minuskel 88 (Gregory), eine Handschrift aus dem 12. Jahrhundert, in der das Comma Johanneum in einer Schrift des 17. Jahrhunderts am Rande eingetragen ist; weiter w 110 (Tischendorf), eine handschriftliche Kopie des Textes der complutensischen Polyglotte; ferner die Minuskel 629, die aus dem 15. Jahrhundert datiert. Das älteste bekannte Zitat des Comma steht in einem Traktat aus dem 4. Jahrhundert (Liberapologeticus) Ko 4), das entweder Priscillian oder seinem Schüler, dem spanischen Bischof lnstantius, zuzuschreiben ist. Das Comma war ursprünglich wahrscheinlich Bestandteil einer allegorischen Auslegung der »drei Zeugen« im Text und mag als Randbemerkung in einer lateinischen Handschrift des 1. Johannesbriefes gestanden haben, von wo es noch im 5. Jahrhundert in die altlateinische Bibel kam. Die Stelle erscheint erst etwa 800 n. Chr. in Handschriften der Vulgata. Im Blick auf seine Einfügung in den Text der Clementina von 1592 erließ das Heilige Offizium in Rom, der höchste kirchliche Gerichtshof, im Jahre 1897 einen verbindlichen Erlass, der von Papst Leo XIII gebilligt und bestätigt wurde, dass es gefährlich sei zu behaupten, dieser Vers sei kein authentischer Teil des 1. Johannesbriefes. 1927 hat allerdings das Heilige Offizium erklärt, dass sein Dekret nicht darauf abziele, katholische Forscher daran zu hindern, die Materie eingehend zu untersuchen oder eine Meinung zu vertreten, die der Authentizität der Stelle entgegen steht – vorausgesetzt, dass sie sich bereit erklären, sich dem Urteil der Kirche anzuschließen.
Viele moderne katholische Exegeten sind zu der Ansicht gelangt, dass das Comma nicht zum griechischen Neuen Testament gehört. So bieten beispielsweise die vier zweisprachigen Ausgaben von Bover, Merk, Nolli, und Vogels die Worte als Bestandteil des vom Konzil zu Trient gebilligten Textes der Vulgata, lassen sie aber im gegenüberliegenden griechischen Text aus“ (entnommen aus: PINWAND 1/2004 — leicht gekürzt).

Eine Text-Überprüfung von Schlachters Bibelübersetzung aus dem Jahr 1905 (bis 1922 in mindestens sechzehn Auflagen erschienen) bezüglich des „Comma Johanneum“ hat ergeben, dass darin der unechte Text in 1. Joh. 5,7f nicht zu finden ist. Umso erstaunlicher ist es, dass der fragwürdige Text in der Neuauflage der revidierten Schlachter-Bibel im Jahr 2000 plötzlich auftaucht. Zumindest gibt man im Anhang in der neuen revidierten Fassung Version 2000 auf S. 1354 zu: „1. Johannes 5, 7-8 (das so genannte «Comma Johanneum«):
„(7) Denn drei sind es die Zeugnis ablegen im Himmel: der Vater, das Wort und der Heilige Geist, und diese drei sind eins, (8) und drei sind es, die Zeugnis ablegen auf der Erde: der Geist und das Wasser und das Blut, und die drei stimmen überein. Die fettgedruckten Worte fehlen im Mehrheitstext.“
Man hat leider vergessen, hinzuzufügen, dass das „Comma Johanneum“ auch in Schlachters eigener Übersetzung nicht enthalten war. Franz Eugen Schlachter würde sich sicher – wie einst Dr. Martin Luther – dagegen verwahren, dass spätere Generationen unechte Texte in seine Übersetzung einfügen.

Um die „Echtheit des Comma Johanneum“ zu „bestätigen“ hat man scheinbar schon damals im gleichen Kapitel im Vers 20 durch entsprechende „Übersetzung“ einen zusätzlichen „Paralleltext“ geschaffen. Mit einiger Bibelkenntnis kann man mit mehreren Bibeltexten, besonders aber durch Jesu eigene Bestätigung, jedoch erkennen, wer der „wahrhaftige Gott“ ist (Joh. 7,28-30a; Joh. 17,3; 1.Tim. 6,15f), nämlich der Vater. Am Ende seines göttlich inspirierten Briefes (1. Joh.5,21) hat Johannes im Auftrag Gottes vor den Abgöttern gewarnt.

John Robinson, ein anglikanischer Bischof, schreibt: „In der Praxis der kirchlichen Predigt und Lehre herrscht eine supranaturalistische Auffassung von Jesus vor, die nicht neutestamentlich ist. Dort heißt es, dass Jesus wirklicher Gott war, und dass deshalb die beiden Begriffe Gott und Christus austauschbar sind. Doch das ist nicht biblisch. Im Neuen Testament heißt es, dass Jesus das Wort Gottes war, dass Gott in Christus war und dass Jesus der Sohn Gottes ist.
„Das ist aber das ewige Leben, dass sie dich, der du allein wahrer Gott bist, und den du gesandt hast, Jesus Christus erkennen“ (Joh. 17,3)
Johannes 1,1 wird meist übersetzt: „Im Anfang war das Wort, und das Wort war bei Gott und Gott war das Wort.“ Bei dem Versteil „Gott war das Wort“ fehlt jedoch im griechischen Urtext vor dem Wort für „Gott“ der bestimmte Artikel (Gott – bzw. „dem“ Gott).
In dem vorangehenden Versteil „das Wort war bei (dem) Gott“ hingegen steht vor dem Wort „Gott“ der bestimmte Artikel. Darum können die beiden Wörter wohl kaum die gleiche Bedeutung haben.“

In der „Geschichte der religiösen Ideen“ von Mircea Eliade (Herder/Freiburg 1978) berichtet die Autorin, dass in den heidnischen Religionen Götter-Dreiheiten oder ein Göttertrio bzw. eine Trias verehrt und angebetet wurden. „Nennen wir auch die vielleicht ältesten Dreiheiten, die sumerischen, akkadischen, kanaanäischen, phönizischen, ägyptischen, skandinavischen und germanischen.
Die Sumerer hatten eine Dreiheit von Astralgottheiten, bestehend aus Nanna-Sin (Mond), Utru (Sonne) und Inanna, der Göttin des Sterns Venus und der Liebe. Diese Astraldreiheit war der Dreiheit der Hochgötter untergeordnet, bestehend aus Ann, Enlil und Enki (an = Himmel). Ann muss der Gottkönig gewesen sein. Aktiver sind Enlil, der Gott der Luft (auch der „Große Berg“ genannt) und Enki (,‚Herr der Erde“). In der Vielzahl ihrer Götter hatten die Phönizier auch eine familiäre Dreiheit, bestehend aus Baal (der Herr), dem Gott des Gewitters und Donners, seiner Frau Astarte und ihrem Sohn Adonis, welcher stirbt und wieder geboren wird. Die ägyptische Dreiheit bestand aus dem Gott Ptah, dem Schöpfer der Welt, der Göttin Sehemet in Gestalt einer Löwin und deren Sohn Nefertum. Später wurde bei den Ägyptern in Heliopolis eine neue Dreiheit entstehen – Harahte, die Morgensonne, Re, die Mittagssonne, und Atum, die untergehende Sonne. In der skandinavischen Mythologie dominierten das Oberhaupt der Gottheiten Odin, dann der Sieger Thor und der Beschützer der Fruchtbarkeit Freyr. Die alten Germanen hatten zwei Göttergruppen; Tyr, Odin und Thor sowie Njördhr, Freyr und Freyja. Unter den höheren römischen Göttern sind drei die höchsten: Jupiter, Mars und Quirinus. Unter der etruskischen Herrschaft wird sie durch die Trias Jupiter, Juno und Minerva ersetzt. 496 v. Chr. wurde einer neuen Trias ein Tempel errichtet: Ceres, Liber und Libera. Aber sehr bald schon wurde die Trias Ceres, Liber und Libera von dem Trio Demeter, Dionysos (Bacchus) und Persephone (Proserpina) assimiliert“ (Auszug).

Die Grundlage und Bedingung für alle Kirchen, die Mitglieder oder Gastmitglied in der ACK (Arbeitsgemeinschaft Christlicher Kirchen) oder Ökumene sind oder werden möchten, ist die Übernahme des Dreieinigkeitsdogmas. Dazu die ACK in der „Erklärung zur 1600-Jahr-Feier des Glaubensbekenntnisses von Nizäa-Konstantinopel (1981):
„Wir glauben an den einen Gott, den Vater, den Allmächtigen .. . und an den einen Herrn Jesus Christus, Gottes eingeborenen Sohn, … Gott von Gott, Licht vom Licht, wahrer Gott vom wahren Gott… Wir glauben an den Heiligen Geist, der Herr ist und lebendig macht…“. Dieses Bekenntnis zum dreieinigen Gott ist das einzige ökumenische Glaubensbekenntnis, das die östliche und westliche, die römisch-katholische und die reformatorische Christenheit durch alle Trennungen hindurch verbindet. Diese gemeinsam bezeugte Wahrheit des Evangeliums zeigt, dass die Trennung unserer Kirche nicht bis in die Wurzel gegangen ist. Die Gemeinsamkeit im Bekenntnis zum dreieinigen Gott ist unaufgebbare Bedingung für die Einheit der einen, heiligen, katholischen und apostolischen Kirche (ACK-Faltblatt 1995).

Warum lassen wir uns aber immer noch das Gottesbild vom Theologiebetrieb vorschreiben?
Zusammen mit der Höllenlehre hat die Dreieinigkeitslehre eine verhängnisvolle Wirkung in der sogenannten Christenheit entfaltet. Während die Höllenlehre aus dem barmherzigen und allmächtigen Gott der Bibel einen ohnmächtigen und hartherzigen Rächer macht, verbirgt die Trinitätslehre den einen Gott hinter einem wirren Dogmennebel. Eine persönliche Beziehung zu dem liebenden, gnädigen Gott wird somit wesentlich erschwert. Sie sind zumindest die gravierendsten Irrwege der „Theologie“-geschichte und mögen einige der Ursachen sein für die schon lange zu beobachtende Kirchenflucht – gerade von Menschen, die wirklich Gott suchen und ihn in den Kirchen verständlicherweise oft nicht finden können.
Es bleibt nur, sich vom Theologiebetrieb zu befreien und wieder die Bibel zum Maßstab zu nehmen.

Links

pdf-Dokumente/eBooks:

Christus und Gott – Worin besteht der Unterschied? (pdf, ab S.76) von Adolph E. Knoch

Jesus war kein Trinitarier (pdf) von Anthony Bluzzard

Adventisten wurden erst auf Druck der Ökumene zu Trinitarieren (pdf) von Bruno Fischer sen.

Der Gott der Bibel ist nicht trinitarisch (pdf) von Tomas Cramer (Christadelphians)

Die Entstehung der Trinitätslehre (pdf) von Lynnford Beachy

Zum Dogma Trinität (pdf, S.6) im Kirchenboten der Evangelisch-Reformierten Kirche des Kantons St.Gallen (2/2015)

Internet-Seiten:

Trinität – Göttliches Geheimnis oder menschlicher Unfug? von Stephan Gerber

Monotheismus aus der Schweiz

Wer ist Gott? von Silke Arend

Kritische Anfragen an ein verbreitetes Dogma von Wolfgang Schneider

Ist der Heilige Geist eine „Gottperson“? von Scott Ashley und Wilhelm Hoenen

Einer oder drei? von Karl Heinz Ohlig

Arbeitskreis „Erneuerung der Kirche“ durch Abschied von der Trinitätslehre (Initiator: Gottfried Uber, ev. Pfarrer i.R.), dazu die Dokumente Gnadenrecht oder Trinitätslehre (pdf) und Licht werde (pdf)

Wie es dazu kam, dass sich die Trinitätslehre durchsetzte Wikipedia


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