Hat Gott sich einen Zeitplan gesetzt, nach dem bestimmte Ereignisse stattfinden? Kann man von einem Kalender Gottes sprechen? Wenn ja, nach welcher Logik ist dieser Plan aufgebaut und was bringt die Zukunft?

Wozu gibt es die Zeit?

Gott hat die Zeit erschaffen (1. Mose 1,14), um ein bestimmtes Ziel zu erreichen, denn Zeit bietet Raum für Veränderungen. Gott entwickelt die Menschheit. Dies ist ein Prozess, der Zeit benötigt.

Davor gab es einen zeitlosen Zustand, „vor den Äonen“(1. Kor. 2,7, 2.Tim. 1,9, Titus 1,2). Ebenso gibt es einen Abschluss der Äonen (1. Kor. 10,11), zu denen die Korinther bereits im Geist gelangt waren, denn sie waren „eine neue Schöpfung“ (2. Kor. 5,17). Also wird es wieder einen Zustand ohne Zeit geben, also nach den Äonen. Was aber sind genau Äonen?

Äonen

Äon ist die größte Zeiteinheit Gottes. In Eph. 3,11 lesen wir von einem Plan (Vorsatz) der Äonen. Äon, griechisch aion, ist ein Grundtextwort, das oft mit Zeitalter, Welt oder fälschlicherweise sogar mit dem Gegensatz Ewigkeit/Endlosigkeit übersetzt wird. Mit Eph 2,2 wird „Welt“ (griechisch kosmos) einem Äon gleichgesetzt, denn es ist von einen „Äon dieser Welt“ die Rede. Ebenso gibt es also auch einen Äon der ehemaligen und zukünftigen Welt (siehe unten). Kosmos hat die Grundbedeutung von „geordnetes System“. Es kann also von der gleichen Erde die Rede sein, auf der grundlegend unterschiedliche (Gesellschafts-) Ordnungen bzw. Systeme herrschen. Äon ist dabei die Weltzeit, während kosmos das Weltsystem beschreibt.

Die Anzahl der Äonen wird in der Bibel nicht genannt, deshalb gibt es darüber unterschiedliche Ansichten. Sicher ist, dass nach dem momentanen Äon mehr als ein Äon folgt, denn Eph. 2,7 spricht von „kommenden Äonen“. Da zwei Äonen wohl durch ein Gericht abgegrenzt werden, kann mindestens von folgenden Äonen ausgegangen werden [3, 20, 21]:

BezeichnungEnde
Die ehemalige Welt (2. Petrus 2,5, 3,6)Flut (1.Mose 7,4; 2. Petrus 2,5, 3,6)
Der nunmehrige Äon (1. Tim. 6,17; 2. Tim. 4,10; Tit. 2,12)

Dieser Äon (2. Kor. 4,4; Eph. 2,2; Gal.1,4)

Diese Welt (Joh. 8,23)
Tag des Zorns
(Off. 4-19; Mt. 24; 2. Thess. 1,7-10)
Der zukünftige oder kommende Äon
(Eph. 1,21; Heb. 6,5; Luk.18,30; Mk. 10,30; Mt. 12,32):

Das 1000-jährige Königreich Christi auf Erden
(Off. 11,15; 20,1-6)
Großer weißer Thron
(Off. 20,11-15)

Letzter Tag (Joh. 12,47-50)

Himmel und Erde im Feuergericht
(2. Pet. 3,7-12)
Neue Himmel und eine neue Erde (2. Petrus 3,13;
Offb. 21,1;Jes. 65,17; 2. Kor. 12,2)

Der Abschluss der Äonen (Heb. 9,26; 1. Kor.10,11)

Die Vervollständigung der Fristen (Eph. 1,10)

Der Äon der Äonen (Eph. 3,21)

Der Äon des Äons (Heb. 1,8; Ps.10,16)

Äonisches Leben oder Zweiter Tod
(Joh. 6,40, 8,51, Off. 20,13-15)
Abschluss: GOTT IST ALLES IN ALLEN

Der Tod ist aufgehoben - alle Menschen leben
(1. Kor.15,28; Röm. 11,36)

Das zu Äon gehörige Adjektiv lautet „äonisch“ (aionion). Das äonische Leben (statt der verfälschenden Übersetzung „ewiges“ Leben) ist also zeitlich begrenzt (Mrk. 10,30). Das Ende des äonischen Lebens bedeutet aber nicht Tod, da dieser dann aufgehoben sein wird (siehe auch Exkurs Tod und Sterben).

In der Theologiegeschichte gab es unterschiedliche Ansichten über das Millennium (1000-jähriges Reich) als zukünftigen Äon. In der Frühzeit des Christentums war dies die übliche Anschauung, heute bezeichnet als Prämillenarismus bzw. Chiliasmus. Ab Mitte des 3.Jh. änderte die Staatskirche jedoch die Doktrin, da sie selbst als mächtiger werdende Kirche nun Zentrum dieses Reiches sein wollte und die Zukunftserwartung dazu nicht mehr passte. Vor allem der Calvinismus und die beiden Großkirchen bestreiten in ihrer „Bundes- oder Bündnistheologie“, dass Israel eine eigenständige Zukunftserwartung hat. Der „Neue Bund“ soll die aus den anderen Nationen integrieren. Dagegen vertreten Brüdergemeinden und einige Freikirchen die urchristliche Sicht, dass der Neue Bund (s.u.) wie der erste nur Israel gilt.

Haushaltungen, Verwaltungen oder Dispensationen

Auch innerhalb der Äonen ändert Gott die Rahmenbedingungen. Die sich daraus ergebenden Zeitabschnitte sind allerdings weit schwerer abzugrenzen. Es gab Zeiten, in denen Gott den Menschen Gesetze gegeben hat, aber auch jene ohne Gesetz. In einigen Zeitabschnitten herrscht Gott direkt (Theokratie), in anderen setzt er Regierungen ein. Das Kommen Jesu, seine Botschaft an das Volk Israel, sein Sterben und besonders seine Auferstehung waren zentrale und umwälzende Ereignisse, die wieder neue Grundlagen zwischen Gott und den Menschen schufen. Darauf bauten die Enthüllungen auf, die der Apostel Paulus von Christus direkt erhalten hatte. Es kann also eine Weiterentwicklung erkannt werden, ein schrittweises Offenbaren Gottes den Menschen gegenüber.
Somit ist es sinnvoll, nach Zeitabschnitten zu suchen, die sich von anderen unterscheiden. Die gegenwärtige Zeit trägt den Namen „Verwaltung der Gnade“ (Eph. 3,1-11), in der der Apostel Paulus sein Evangelium verkündete. Verwaltung ist die Übersetzung des griechischen oikonomia, wörtlich „Hausgesetz“ oder „Haushaltung“, lat. „dispensatio„. In einer Haushaltung werden Güter verteilt, bzw. gezielt zu einem bestimmten Zweck eingesetzt, wie in dem Haushalt einer Stadt. Die Methode, nach diesem Beispiel weitere Verwaltungen oder Dispensationen zu suchen, wird daher Dispensationalismus genannt. Obwohl oikonomia im eigentlichen Sinn kein Zeitbegriff ist, wird es im Dispensationalismus als eine Zeitspanne betrachtet, in der eine bestimmte charakteristische geistliche Zielsetzung erkannt werden kann, die sie von anderen unterscheidbar macht. Sie lässt den Menschen dieser Zeit gewisse Gaben, Segnungen und Güter zukommen, die es zu anderen Zeiten so nicht gegeben hat, gleichwohl die Grenzen oft unscharf und fließend sind. So wurde Paulus mit der Haushaltung der Gnade betraut, in der Gott in nie gekannter Weise Gläubige aus allen Nationen inkl. Israel segnet. Einige Gaben sind auch einige Zeitabschnitte hinweg bleibend, wie das Gesetz, das bis zur jetzigen Verwaltung der Gnade maßgebend war.
Es gibt unterschiedliche Vorstellungen, wie viele Dispensationen oder Zeitalter in diesem Sinn die Bibel beschreibt. Augustinus, der einflussreiche Kirchenvater, ging in seinem Werk „Vom Gottesstaat“ (geschrieben 413-427) von sieben Weltzeitaltern aus. Eine heute recht verbreitete Version, die auch in der „Scofield-Bibel“ dargestellt ist, hat Clarence Larkin entwickelt, indem er Ansätze von John Nelson Darby (1800-1882), dem Gründer der „Plymouth Brethren“, systematisierte. Wichtig ist, nicht aus der Anzahl der Dispensationen ein starres Dogma zu machen, sondern zu erkennen, dass Gott im Laufe der Zeit unterschiedliche Bedingungen geschaffen und Vorgaben gemacht hat, um letztendlich alles zu dem großen Ziel zu führen.
Der praktische Nutzen ist, dass man bei der Auslegung der Bibel Anweisungen, Gaben und Verheißungen, die zu einer bestimmten Zeit einem bestimmten Empfängerkreis in der Vergangenheit oder für die Zukunft gegeben wurden, nicht fälschlicherweise auf sich heute bezieht. Heillose Verwirrung wird so vermieden. Dieser Irrweg ist allerdings weit verbreitet, beispielsweise wenn man meint, uns sei die Gabe des Zungenredens oder des Heilens verheißen (die in die Zeit um Pfingsten gehören, s.u.), das Halten des Sabbats (bzw. Sonntags) empfohlen wird (also dieser Tag für bestimmte religiöse Handlungen reserviert ist) oder wenn gemeint wird, man solle jetzt schon das Königreich auf Erden (Millennium) aufbauen, das aber zukünftig ist.

Die folgende Darstellung lehnt sich an den Vorschlag von Darby in der Überarbeitung von A.E. Knoch (1874-1965) an:

Dispensationen nach Knoch

Die Geschichte der Menschheit beginnt mit Adam (hebr.: Mensch) im Garten Eden. Diese Zeit unterscheidet sich von anderen durch die Abwesenheit der Sünde im Menschen. Sie lebten noch in Unschuld, aber auch in Unwissenheit. Um dies zu ändern, musste Adam von dem Baum der Erkenntnis des Guten und Bösen kosten (1. Mose 2,3-13). Damit begann ein Erkenntnisprozess. Sünde trat in die Welt der Menschen ein, damit sie durch das Vorhandensein des Bösen, eigener Verfehlungen und Schwächen das Gute (und damit Gott) erst erkennen können:

Die gesamte Menschheitsgeschichte danach war davon geprägt. Der erste Sohn von Adam und Eva wurde ein Brudermörder: Kain erschlug Abel, weil dieser im Unterschied zu ihm die Zuneigung Gottes erfuhr. Nur dem Gewissen als Kontrollorgan unterstellt, verkommt die damalige Menschheit moralisch – die negativen Eigenschaften, die Gott in den Menschen gelegt hat, werden überdeutlich. Dazu trägt auch die Herrschaftslosigkeit (Anarchie) bei. Gott vollzieht einen harten Schnitt, indem Er bis auf Noah und seine Familie, die einzigen gerechten Menschen, die verdorbene Menschheit in der Sintflut (um 3200 v. Chr.) umkommen lässt. Die ehemalige Welt, der erste Äon, ist zu Ende (2.Petrus 2,5; 3,6).

Es beginnt ein neuer Äon (Gal. 1,4), die heutige Welt (1. Kor. 7,31; Eph. 2,2). Die Wiederbevölkerung der Erde durch die drei Söhne Noahs Sem, Ham und Japhet beginnt. Menschen dürfen nun die Todesstrafe vollstrecken (1.Mose 9,1-17), Regierungen entstehen. Der Turmbau zu Babel (= Verwirrung) ist aber ein Zeichen dafür, dass die Menschen sich selbst erhöhen wollten, statt Gott (1.Mose 11,6-9). Um dagegen zu steuern, schuf Gott Unterschiede zwischen den Menschen und damit verschiedene Nationen, indem Er dafür sorgte, dass die Menschen sich nicht mehr verstanden, wohl auch durch verschiedene Religionen und Ideologien. Somit „zerstreute er sie über die ganze Erde“. Dies geschah um 2200 v. Chr.

Gott erwählte Abraham, der inmitten einer verkommenen Gesellschaft in Ur/Chaldäa (heute Irak) wohnte und verhieß ihm Stammvater eines großen Volkes zu werden, durch das einmal alle Nationen der Erde gesegnet werden. Dies ist der „Alte Bund“ (2. Mose 24,8; Heb. 9,18-20). Abraham verließ aufgrund der Anweisung Gottes seine Heimat, aber musste dennoch noch lange 14 Jahre warten, bis ihm endlich der Sohn Isaak geschenkt wurde. Der Name dessen Sohnes Jakob wurde später in Israel (= Kämpfer Gottes) umgewandelt (1. Mose 32,28). Jahrzehnte später zwang eine Hungersnot um 1800 v.Chr. Jakob und seine mit ihm lebenden 11 Söhne nach Ägypten zu ziehen. Dort trafen sie überraschenderweise auf Joseph, den die Brüder einstmals an Händler verkauften, und der inzwischen in Ägypten als hoher Regierungsbeamter für die Ernährung des Landes zuständig war. Nach dem Tod Jakobs und Josephs wurden die Nachkommen jedoch in Ägypten versklavt. In diesem Elend wurde Mose geboren, musste versteckt werden und wurde so von der Tochter des Pharao gefunden und aufgezogen.

Insgesamt 430 Jahre (2. Mose 12,40) musste Israel in Ägypten ausharren. Gott musste erst 10 Plagen über Ägypten hereinbrechen lassen, bis sein Volk endlich ziehen durfte. Ihr Anführer wurde jener Mose, der am Hof des Pharao vorzüglich ausgebildet wurde. Im 3. Monat des Auszugs gab Gott ihm auf dem Berg Horeb im Sinai die 10 Gebote, Kern des Gesetzes. Obwohl mittlerweile vor dem Eintritt in das Land der Verheißung stehend, weigerten sie sich das Land einzunehmen, denn einige Botschafter warnten vor großer Gegenwehr (4. Mose 13-14) und das Volk zweifelte an den Erfolgsaussichten. Als Strafe für diesen Unglauben wurden sie dazu verurteilt, 40 Jahre durch die Wüste zu ziehen. Mit Moses Nachfolger Josua eroberten sie schließlich doch den Großteil des Landes. Das Volk wurde zunächst in einer Theokratie (Gottesherrschaft) durch Richter wie Samuel verwaltet, dann durch die Könige Saul, David und Salomo jeweils 40 Jahre regiert. Salomo baute den Tempel in Jerusalem auf, den sein Vater David geplant hatte. Bald aber teilte sich ihr Königreich in das nördliche Israel und das kleinere Juda, die sich durch dauernde Kriege gegeneinander schwächten und leichte Beute wurden. So wurde 722 v. Chr. Israel von Assyrien besetzt – viele starben, andere wurden vertrieben (2.Könige 17). 135 Jahre später ging auch Juda unter: Um 587 v.Chr. wurde Jerusalem von dem babylonischen König Nebukadnezar zerstört, alle führenden Bürger wurden nach Babylon verschleppt (2. Könige 24,14). Der Tempel wurde geplündert und niedergebrannt. Babylon wurde bald vom Perserkönig Kores erobert. Kores erlaubte die Rückkehr Israels und am 14.3.445 v. Chr. den Aufbau Jerusalems und des Tempels (1. Nissan nach Neh. 2,1-8; Dan. 9,25). Zwischen dem Alten und Neuen Testament erstreckt sich nun ein Zeitraum von 400 Jahren, über den die Bibel schweigt. Nach dieser Zeit waren die Römer die Herren über Israel.

In den Evangelien wird beschrieben, wie der fleischgewordene Jesus zu dem geschundenen Volk Israel gesendet wurde, um aus ihm endlich das Volk zu machen, das alle anderen segnen kann (Mat. 15,24). Israel konnte Jesus aber nicht annehmen (Apg. 4,26-28; Joh. 1,11), sondern ganz im Gegenteil: es ermordete Ihn. Das Kreuz, Mittelpunkt aller Äonen, symbolisiert einen Scheidepunkt. Zum einen demonstriert es in beispielloser Weise die unfreiwillige Verblendung der Menschen (2. Kor. 4,4; Römer 9,14-18), gleichzeitig wird aber das Fundament gelegt für das kommende Gnadenwerk Gottes. Diese Zeit ist daher auch am deutlichsten in der Bibel beschrieben. Je weiter weg ein Geschehnis bzw. eine Prophezeihung vom Kreuz ist, desto unklarer ist die Beschreibung in der Bibel (Perspektivischer Grundsatz).

Zu Pfingsten werden die Kräfte des künftigen Äons kurz sichtbar. Doch auch bei diesem Ereignis kann Israel das Zeugnis des Geistes nicht annehmen (Apg. 13,45). 66 n.Chr. rebellierten die Juden gegen die römischen Besatzer; im „Jüdischen Krieg“ wurde der Tempel 70 n.Chr. zerstört und rd. 1,1 Mio. Juden getötet. Viele verließen Israel und vergrößerten die Zahl der in der Diaspora lebenden Juden. Erstaunlich ist das Wirken Gottes an seinem Volk: Obwohl es immer wieder Phasen des Unglaubens und der Widerspenstigkeit gab, hält Gott fest an seinen Verheißungen. Auch die von Gott gewählten Führer des Volkes und Träger der Verheißungslinie waren selten vorbildlich. Gerade diese Phasen der Niederlage und Schwäche sind von Gott also als Lerneinheiten gewollt und notwendig.

In der folgenden Zeit des Übergangs deutet sich an, dass sich Gott nun den Nationen zuwendet, wie beispielsweise bei der Bekehrung des römischen Hauptmanns Kornelius und seinem Haus (Apg. 10,1-48). Gott beruft Paulus (um 34 n. Chr), um ein neues, anderes Evangelium (Röm.15,16; Gal.1,7) anderen Völkern nahezubringen. Doch Israel will in seiner Eifersucht Paulus töten (Apg. 21,28 ff.). Israel wird von Gott beiseite gesetzt (Apg. 28) und Gott wendet sich nun den Nationen zu. Gott unterbricht aber nur das direkte Handeln an seinem Volk Israel, ohne es endgültig zu verstoßen (Römer 11,1-2). Die Staatsgründung Israels 1948 mag ein Zeichen dafür sein.

In der heutigen „Verwaltung der Gnade“ (Eph.3,2-3) wird Paulus das Geheimnis eines neuen Evangeliums der Gnade (Röm.5,21) enthüllt. Dieses Evangelium der Unbeschnittenheit (Gal. 2,7), das uns gilt, unterscheidet sich in wesentlichen Punkten von allem bisher dagewesenen (siehe Exkurs Schriftteilung). Diese Verwaltung wird beendet sein, wenn die Gläubigen aus den Nationen entrückt werden (1.Thess. 4,16; 1. Kor. 15,51-52). Die Briefe, die uns heute gelten, sind daher die Briefe des Apostel Paulus an die Epheser, Philipper und Kolosser sowie an Timotheus, Titus und Philemon.

Der kommmende Zeitabschnitt könnte unter der Überschrift Zorn stehen. Viele Ausleger meinen, dass sich nun Daniels 70. Jahrwoche (Dan. 9,24-27) erfüllt. Der Antichrist wird demnach kommen (2. Thess 2,3) und der Tag des Herrn wird mit Gerichten anbrechen (Jes. 2,12; Off. 1,10)

Nach dieser Gerichtszeit fängt der kommende Äon (Eph. 1,21) an. Gläubige aus Israel werden auferstehen (Dan 12,2; Ps.49,16; Joh. 5,28-29) – ihr äonisches Leben beginnt. Alle Verheißungen, die Israel gegeben wurden, werden dann erfüllt. Das tausendjährige Königreich, das Millennium bricht an (Off. 11,15; Dan. 2,44). Dies ist der Neue Bund nur mit Israel (Jer. 31,31-34, Hebr. 8,8). In diesem neuen Bund erfüllen sich die Verheißungen an Abraham, also die Prophezeiungen des alten Bundes: Jesus ist König (Off. 1,7). Israel wird alle anderen Völker missionieren (Matt 28,19) und damit segnen. Entscheidend ist jetzt der Glaube an Jesus Christus und dass er für die Sünden starb. Israel wird in die Lage versetzt, die von dem König erlassenen Gesetze befolgen zu können, sie werden endlich Gott erkennen (1.Kor. 3,14-25; Sach. 12,10; Offb. 1,7). Das Blut der Opfertiere bedeckt keine Sünden mehr wie im Alten Bund, dies ist nur noch ein Hinweis auf Christus, durch dessen Kreuzestod die Vergebung der Sünden bereits erfolgt ist. Während dieser Zeit wird Satan gebunden sein (Off. 20,1-3). Optimale Voraussetzungen zu einem gottgefälligen Leben! Doch Gott wird die Menschheit am Ende nochmal ihre Grenzen aufzeigen, indem Er Satan wieder freilässt (Off. 20,3). Es kommt zur apokalyptischen Katastrophe, die Erde verbrennt (2. Petr. 3,7-12).

Der Äon der Äonen (Eph. 3,21) im Heilsplan Gottes wird durch das Gericht vor dem großen weißen Thron (Off. 20,11) vorbereitet. Buchrollen werden entrollt (Off. 20,12), jeder bis dahin Ungläubige nach seinen Werken gerichtet und stirbt danach den zweiten Tod. Satan wird nicht mehr wirken können (Matt. 25,41; Off. 20,10). Es gibt einen Neuen Himmel und eine Neue Erde (2. Petr. 3,13; Off. 21,1). Zorn, Trauer, Geschrei und Pein wird nicht mehr sein (Off. 21,4). Noch gibt es aber Unterschiede zwischen den Menschen: Israel genießt noch die Vorzugstellung als Gottes Volk und wird zum Herrschen über andere Nationen eingesetzt (Offb. 21,12; 22,5). Das wunderbare Ziel von Gottes Heilsplan ist also noch nicht erreicht. Dies ist der letzte Zeitabschnitt, der ein Ende haben wird! Die Bibel spricht auch von der „Verwaltung der Vervollständigung der Fristen“ (Eph. 1,10).

Nach allen Zeiten und Verwaltungen wird der letzte Feind, der (zweite) Tod, abgetan werden (1. Kor. 15,26), alle werden lebendig gemacht (1. Kor. 15,22-28). Gott wird alles in allen sein, Er hat dann Sein Ziel mit der Schöpfung erreicht (1. Kor. 15,28; Röm. 11,36).

Siehe auch Exkurs Tod und letzte Dinge.

Die beiden Körperschaften: Israel und die Gemeinde

Die folgende Grafik konzentriert sich auf die wesentlichen beiden Linien der Heilsgeschichte:

Dispensationalismus

Den „Ersten Bund“ hat Gott mit seinem auserwählten Volk Israel geschlossen. Bis Pfingsten galt das Mose gegebene Gesetz zusammen mit vielen Ordnungen und Ritualen als Maßstab des Handelns. Dieser Bund basierte also auf Gerechtigkeit durch diese vorgeschriebenen Werke. Dafür wurde schon Abraham die Teilnahme am Königreich Gottes verheißen. Die Evangelien beschreiben, wie Gott seinen Sohn Jesus zu Israel sendet, um die Eintrittsbedingungen für dieses von Israel lang erwartete Reich festzulegen. Wie wir heute wissen, konnten jedoch nur Einzelne aus dem Volk Israel tatsächlich zum Glauben kommen. Der Sohn Gottes wird gar von seinem Volk ermordet.

Nach der Auferstehung Christi beruft Gott Gläubige aus allen Nationen, die er allerdings schon lange vor Adam auserwählt hat. Das Evangelium, das der Apostel Paulus ihnen verkündet, unterscheidet sich wesentlich von dem für Israel. Paulus spricht nie von Priestertum und Tempeldiensten, hat nur in der Übergangszeit selbst getauft und lehrte auch sonst keine Rituale mehr. Rechtfertigung allein aus Gnade ohne Werke ist eine völlig neue Botschaft, die vorher unbekannt war. Daher kann die Prophezeiung dessen auch nicht im AT gefunden werden. Israel wird in dieser Zeit, die Bibel spricht von den Zeiten bzw. Fristen der Nationen, in alle Welt zerstreut werden (Diaspora, Lukas 21,24; Sach. 7,14). Das Haus Israels (damit ist das Land und speziell Jerusalem gemeint) wird solange (besonders geistlich) öde sein, bis sie als Volk umkehren können (Mt. 23,39). In dieser, jetzigen Zeit der Nationen kommen nur wenige Auserwählte zum Glauben. Dass es diesen Leib Christi geben wird, aus allen Nationen bestehend, war ein Geheimnis, das vorher nicht verkündet wurde.
Was aber vorhergesagt wurde und eindeutig noch nicht eingetroffen ist, ist der „Neue Bund“. Dieser wurde wieder ausschließlich mit dem Haus Israel und Juda geschlossen, was beispielsweise Hebr. 8,8 und Jer. 31 aussagen. Nun findet das ersehnte „äonische Leben“ statt. Es wird das Reich aufgebaut werden, das Jesus und die Propheten angekündigt hatten. Beispielsweise in Jesaja 2,2-4 „Und es wird geschehen am Ende der Tage, da wird der Berg des Hauses Jehovas feststehen auf dem Gipfel der Berge und erhaben sein über die Hügel und alle Nationen werden zu ihm strömen. Und viele Völker werden hingehen und sagen: Kommt und laßt uns hinaufziehen zum Berge Jehovas, zum Hause des Gottes Jakobs! Und er wird uns belehren aus seinen Wegen, und wir wollen wandeln in seinen Pfaden. Denn von Zion wird das Gesetz ausgehen, und das Wort Jehovas von Jerusalem; und er wird richten zwischen den Nationen und Recht sprechen vielen Völkern. Und sie werden ihre Schwerter zu Pflugmessern schmieden und ihre Speere zu Winzermessern; nicht wird Nation wider Nation das Schwert erheben und sie werden den Krieg nicht mehr lernen.“ (siehe auch Ps. 2,7-9; 110,2-4, Jes. 11,1-9; 24,23; 25,6-8; 33,17-24, Dan. 7,13-14, Sach. 8,13; 14,9-17; Offb. 20 ua.). Israel wird nun endlich Gott erkennen können (Sach. 12,10, Offb. 1,7, 2.Kor.3,14-15). Israel herrscht dann also und wird die übrigen Nationen missionieren (Offb. 21,12-26). Viele Menschen auf dieser dann auch neuen Erde werden zum Glauben kommen können. Der Leib Christi wird dagegen entsprechend seiner himmlischen Erwartung „in den Himmeln“ Gott verkünden, beispielsweise Engeln (1.Kor 6,2). Darin sind wir „Diener“ des neuen Bundes (2.Kor.3,6), beide Dienste werden in Christus zusammengefasst (Eph. 1,10). Dieser Zustand ist nicht etwa die „Ewigkeit“, wie einige annehmen, sondern wird ein Ende haben.
Danach wird Gott mit seinem Gegenüber, der gesamten Menschheit, zum Ziel kommen: Er wird alles in allen sein! Jeder einzelne Mensch wird von Gott zubereitet worden sein und ihn erkennen können. Es gibt keinen Tod, keine Feindschaft, Sünde oder Kränkung mehr. Ein für uns im Moment unvorstellbarer Zustand der Aussöhnung Gottes mit Seiner Schöpfung bildet den Abschluss aller Zeiten.

Dispensationen nach Bullinger

E.W. Bullinger (1837-1913) verfolgte in seinem Werk „The Foundations of Dispensational Truth“ (hier in deutscher Übersetzung) einen leicht abweichenden Ansatz, aber mit fast gleichem Ergebnis. Er untersuchte mit Heb. 1,1-2 als Ausgangsstelle, wie Gott zu welchen Menschen gesprochen hat und ordnete die Bücher der Bibel diesen Dispensationen zu:

 Gott redet…EmpfängerZeitraumBücher der BibelBemerkungen
1.direkt zu einzelnen Menschen.Adam, Eva, Kain, Abel, […], NoahAdam bis zu Berufung von Mose…1. Mose
- 2. Mose 3,10
Ehemaliger Äon/ehemalige Welt (2. Petrus 2,5; 3,6)
2.durch Propheten (Heb. 1,1).Israelbis zu Johannes, dem letzten und größten Propheten (Matt.11,11).2. Mose, AT, NT bis Matth 3,11 (bzw. Entsprechungen in den anderen Evangelien)Israel ist Gottes ausgewähltes Volk.
3.durch Seinen Sohn Jesus (Heb. 1,2; 2.Mose 18,18-19).Israelbis zur Himmelfahrt Christi4 EvangelienAnkündigung des Königreiches auf Erden für Israel.
4.durch die, die Ihn gehört haben (Heb. 2,3-4).Israelbis zur endgültigen Ablehnung durch Israel (Apg. 28,25-28).NT-Briefe, die bis zu Apg. 28,25-28 (62 n. Chr.) geschrieben waren: Apg., Petrus, Jakobus, Judas, Hebräer, Korinther, Galater, Thess., Römer.Ruf zur nationalen Buße an das Volk Israel bleibt ungehört; endgültige Ablehnung; Paulusbriefe dieser Zeit gelten als Übergangsbriefe.
5.durch Paulus (Eph. 3,1-12; 2. Tim. 1,8).Nationen (griechisch: ethnos). Auch gebürtige Israeliten gehören dazu, es gibt keine Unterschiede.Ab der endgültigen Ablehnung durch das Volk Israel.Späte Briefe von Paulus (sog. Gefangenschaftsbriefe und Pastoralbriefe): Epheser, Philipper, Kolosser, Timotheus, Titus und Philemon.Himmlische Erwartung (Phil. 3,20-21,
Eph. 1,3, 23, 2,6, 19); Verwaltung (Dispensation) der Gnade (Eph. 3,1-10) im krassen Unterschied zur irdischen Erwartung und zur Herrschaft des Gesetzes für Israel.
6.durch Johannes.IsraelOffenbarungBeschreibung von Millennium und "Neue Himmel und Neue Erde": Irdisches Erwartungsgut für Israel.

Bullinger schreibt dazu: Wichtig ist zu erkennen, dass „Paulus die kostbaren Lehren festhielt, die bisher verborgen waren und nicht bekannt gegeben werden konnten, bevor Christi Leiden, Sterben, Auferstehung und Himmelfahrt tatsächlich stattgefunden hatten; denn sie haben all dies zur Voraussetzung. Diese Lehren finden sich ausschließlich in den Briefen aus der Gefangenschaft (Epheser, Philipper und Kolosser) und hierher gehören auch die Briefe an Timotheus, Titus und Philemon“ (S. 12). Er hofft, dass man geheilt wird „von einer unbewussten und biblischen Kleptomanie, durch die alle Segensverheißungen von Israel genommen und der Gemeinde zugesprochen wurden“ (S.93).
Mehr zu den Unterschieden zwischen diesen beiden Heilslinien hier.

Literatur

C. Czerwinski: Von den Haushaltungen Gottes (pdf)

Ernst F. Ströter: Gottes Plan für dieses Zeitalter (pdf)

Heinz Schuhmacher: Der göttliche Plan der Äonen (pdf)

Textsammlung zum Dispensationalismus von soundwords

Dispensationalismus bei wikipedia

Dispensationalismus: Über unterschiedliche Zeitabschnitte (oikonomia) in Gottes Heilsplan von der Bibelschule Brake

E.W. Bullinger: Heilsgeschichtliche Entfaltung im Neuen Testament (pdf), Eigenverlag Manfred Mössinger, 2. Auflage 2003 (Übersetzung von „Foundations of Dispensational Truth“)

[4] Knoch, Adolph Ernst (pdf): Der Kalender Gottes, Konkordanter Verlag Pforzheim, 1967

[5] Prolingheuer, Wilhelm: Hat Gott einen Fahrplan?, Konkordanter Verlag Pforzheim

[21] Schumacher, Heinz: Der Plan der Zeitalter (Äonen) Gottes, Paulus Verlag Karl Geyer, Heilbronn, 1984

[31] Arnold Fruchtenbaum: Handbuch der biblischen Prophetie, Gerth Medien, Asslar, 1995

[32] Alfred Thomson Eade: Bibel Panorama: 7 Zeitalter in 12 farbigen, klar gestalteten Grafiken mit Erklärungen; in Anlehnung an Darbys Entwurf, mit CD für den Beamer oder zum Ausdrucken, Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg, 22. Auflage, 2012

[44] Mal Couch (Hrg.): Lexikon zur Endzeit, Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg, 2004 (Hervorragende Darstellung des Inhalts und der Geschichte des Dispensationalismus)

[51] Arnd Bretschneider: Heilsgeschichtliche Schriftauslegung, Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg, Dillenburg, 2006 (Die Bibel heilsgeschichtlich lesen, verstehen und anwenden).

Helge Stadelmann, Berthold Schwarz: Heilsgeschichte verstehen, Christliche Verlagsgesellschaft Dillenburg, Dillenburg, 2008 (Zwei Theologen erklären ausführlich Grundlagen und Geschichte des Dispensationalismus).


Print pagePDF page
Email this to someoneShare on Google+Share on TumblrTweet about this on TwitterShare on Facebook